Joma — Blatt 50b
1ob nach demjenigen, welcher sagt, der Farre des Versöhnungstages sei Opfer eines Privaten, dieser es umtauschen könne oder nicht umtauschen könne. Demnach gibt es ja jemand, Welcher sagt, er sei ein Gemeindeopfer!? –
2Nein, demnach gibt es jemand, welcher sagt, er sei ein gemeinschaftliches Opfer.
3Der Text. R. Elea͑zar fragte: Kann nach demjenigen, welcher sagt, der Farre des Versöhnungstages sei Opfer eines Privaten, dieser es umtauschen, oder kann er es nicht umtauschen? – Worin besteht seine Frage? –
4Ob wir uns nach dem richten, der es weiht, oder nach dem richten, der die Sühne erlangt. –
5Selbstverständlich richten wir uns nach dem, der die Sühne erlangt, denn R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans, daß derjenige, der es weiht, das Fünftel hinzufügen müsse, und derjenige, der die Sühne erlangt, es umtauschen könne,
6und daß, wenn jemand von seinem [Getreide] für einen anderen die Hebe entrichtet, der Dank ihm gehöre!? –
7Tatsächlich ist es ihm klar, daß wir uns nach dem richten, der die Sühne erlangt, nur fragt er hier, ob seine Priesterbrüder durch seine Bestimmung Sühne erlangen. oder durch seine Person Sühne erlangen? –
8Komm und höre: Beim [originären] Opfer ist es strenger als beim Eingetauschten und beim Eingetauschten ist es strenger als beim [originären] Opfer. Beim [originären] Opfer ist es strenger [als beim Eingetauschten], denn das [originäre] Opfer wird sowohl von einem Privaten wie auch von einer Gemeinde [dargebracht], verdrängt den Šabbath und die Unreinheit und macht Eingetauschtes,
9was beim Eingetauschten nicht der Fall ist. Beim Eingetauschten ist es strenger als beim [originären] Opfer, denn das Eingetauschte wird erfaßt, auch wenn es ein dauerndes Gebrechen hat, auch wird es hinsichtlich der Schur und der Arbeit nicht profan, was beim [originären] Opfer nicht der Fall ist.
10Von welchem Opfer wird hier nun gesprochen: wollte man sagen, von einem privaten, so verdrängt ja ein solches weder den Šabbath noch die Unreinheit, und wenn von einem Gemeindeopfer, so macht ja ein solches kein Eingetauschtes; doch wohl vom Farren [des Versöhnungstages]; er verdrängt den Šabbath und die Unreinheit, weil für ihn eine Zeit festgesetzt ist, auch macht er Eingetauschtes, weil er ein Privatopfer ist.
11R. Šešeth erwiderte: Nein, vom Widder Ahrons.
12Dies leuchtet auch ein, denn wieso heißt es, wenn du sagen wolltest, vom Farren [des Versöhnungstages], daß das Eingetauschte desselben den Šabbath und die Unreinheit nicht verdränge, wonach es am Wochentage wohl dargebracht werde, es ist ja das Eingetauschte eines Sündopfers, und das Eingetauschte eines Sündopfers ist ja verenden zu lassen!? –
13Nein, tatsächlich vom Farren [des Versöhnungstages], nur wird hier vom Eingetauschten allgemein gesprochen. –
14Demnach ist ja auch unter ‘[originäres] Opfer’ ein [originäres] Opfer allgemein zu verstehen!? –
15Er lehrt dies nicht vom [originären] Opfer im allgemeinen. – Woher dies? – Er lehrt, beim Eingetauschten sei es strenger, denn das Eingetauschte wird erfaßt, auch wenn es ein dauerndes Gebrechen hat, auch wird es hinsichtlich der Schur und der Arbeit nicht profan. Wenn man nun sagen wollte, unter ‘[originäres] Opfer’ sei ein [originäres] Opfer allgemein zu verstehen, so gibt es ja
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.