Joma — Blatt 51b

1Es ist ja aus dem Umstande zu entscheiden, daß der Allbarmherzige seinen eigenen sagt, er bringe ihn aus eigenem Vermögen!?

2Es wird nämlich gelehrt: Seinen eigenen, er bringe ihn aus eigenem Vermögen, nicht aber aus dem der Gemeinde. Man könnte glauben, er dürfte ihn nur aus dem der Gemeinde nicht darbringen, weil die Gemeinde durch ihn keine Sühne erlangt, wohl aber aus dem seiner Priesterbrüder, weil seine Priesterbrüder durch ihn Sühne erlangen, so heißt es: seinen eigenen. Man könnte glauben, er dürfe dies nicht von vornherein,

3jedoch sei es giltig, wenn er ihn bereits dargebracht hat, so heißt es: seinen eigenen; die Schrift hat dies wiederholt, daß dies nämlich unerläßlich ist. –

4Wieso können die Priester nach deiner Auffassung, daß sie an diesem keinen Anteil haben, überhaupt Sühne erlangen!? Vielmehr ist es beim Vermögen Ahrons anders, das der Allbarmherzige für seine Priesterbrüder freigegeben hat, ebenso hat auch hierbei der Allbarmherzige das Vermögen Ahrons für seine Priesterbrüder freigegeben.

5ER SCHRITT DURCH DAS TEUPELSCHIFF, BIS ER ZWISCHEN DIE ZWEI VOHÄNGE GELANGTE, DIE ZWISCHEN DEM HEILIGEN UND DEM ALLERHEILIGSTEN TRENNTEN; ZWISCHEN BEIDEN EINE ELLE. R. JOSE SAGT, DA WAR NUR EIN VORHANG, DENN ES HEISST: der Vorhang soll euch zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten trennen.

6R. Jose wandte ja treffend gegen die Rabbanan ein!? – Die Rabbanan können dir erwidern: dies nur im Offenbarungszelte, im [zweiten] Tempel aber, in dem die eine Elle starke Zwischenwand fehlte, die im ersten Tempel vorhanden war, machten sie, da es den Rabbanan zweifelhaft war, ob dieser Raum nach innen oder nach außen gehört, zwei Vorhänge.

7Die Rabbanan lehrten: Er schritt zwischen dem Altar und der Leuchte – so R. Jehuda; R. Meír sagt, zwischen dem Tische und dem Altar; manche sagen, zwischen dem Tische und der Wand. – Wer sind die manchen? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jose, welcher sagt, die Tür habe sich nördlich befunden. –

8Und R. Jehuda!? – Er ist der Ansicht, die Tür habe sich südlich befunden. – Welcher Ansicht ist R. Meír: ist er der Ansicht R. Jehudas, so sollte er nach der Ansicht R. Jehudas gehen, und ist er der Ansicht R. Joses, so sollte er nach der Ansicht R. Joses gehen!? –

9Tatsächlich ist er der Ansicht R. Joses, jedoch kann er dir erwidern, die Tische waren von Norden nach Süden gereiht, somit bildeten die Tische ein Hindernis, und er konnte nicht durch.

10Wenn du aber willst, sage ich, sie waren tatsächlich von Osten nach Westen gereiht, nur ist es der Göttlichkeit gegenüber nicht schicklich, gerade

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.