Joma — Blatt 58b

1«Sodann gehe er zum Altar hinaus, der vor dem Herrn steht, DAS ISTDER GOLDENE ALTAR. WO FÄNGT ER AN, WENN ER MIT DER ENTSÜNDIGUNG ABWÄRTS BEGINNT? AM NORDÖSTLICHEN HORN, [DANN FOLGT] DAS NORDWESTLICHE, SÜDWESTLICHE UND SÜDÖSTLICHE. WO ER BEIM SÜNDOPFER AM ÄUSSEREN ALTAR BEGINNT, DA HÖRTE ER AM INNEREN ALTAR AUF.

2R. ELIE͑ZER SAGTE: ER STAND AN EINER STELLE UND ENTSÜNDIGTE,

3UND ALLE SPRENGTE ER VON UNTEN NACH OBEN, AUSGENOMMEN DAS VOR IHM BEFINDLICHE, AUF DAS ER VON OBEN NACH UNTEN SPRENGTE. DANN SPRENGTE ER SIEBENMAL AUF DEN GLANZ DES ALTARS, UND DEN REST DES BLUTES GOSS ER AUF DAS WESTLICHE FUNDAMENT DES ÄUSSEREN ALTARS; DAS DES ÄUSSEREN ALTARS GOSS ER AUF DAS SÜDLICHE FUNDAMENT. BEIDES VERMISCHTE SICH IM KANAL UND GELANGTE IN DEN QIDRONBACH; SODANN WURDE ES DEN GÄRTNERN ALS DUNG VERKAUFT, UND DABEI GILT DAS GESETZ VON DER VERUNTREUUNG.

4GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Sodann gehe er zum Altar hinaus; was lehrt dies? R. Neḥemja erklärte: Wir finden, daß der Priester beim Farren wegen Irrens der Gemeinde außerhalb des Altars steht und gegen den Vorhang sprengt; man könnte nun glauben, hierbei ebenso,

5so heißt es: sodann gehe er zum Altar hinaus, wonach er sich vorher innerhalb des Altars befunden haben muß.

6Ein Anderes lehrt: Vor dem Herrn; was lehrt dies? R. Neḥemja erklärte: Wir finden, daß der Priester beim Farren und dem Bocke des Versöhnungstages innerhalb des Altars steht und gegen den Vorhang sprengt, man könnte nun glauben, hierbei ebenso,

7so heißt es: des Altars des Gewürz-Räucherwerkes, der vor dem Herrn im Offenbarungszelte steht, der Altar vor dem Herrn, nicht aber der Priester vor dem Herrn. Wie mache er es? Er stehe außerhalb des Altars und sprenge.

8WENN ER MIT DER ENTSÜNDIGUNG ABWÄRTS BEGINNT &C. Die Rabbanan lehrten: Er beginnt mit der Entsündigung abwärts. Wo beginnt er? Am südöstlichen Horn, [dann folgt] das südwestliche, nordwestliche und nordöstliche –

9so R. A͑qiba; R. Jose der Galiläer sagt, am nordöstlichen, [dann folgt] das nordwestliche, südwestliche und südöstliche. Wo er nach R. Jose dem Galiläer beginnt, da hört er nach R. A͑qiba auf, und wo er nach R. A͑qiba beginnt, da hört er nach R. Jose dem Galiläer auf. –

10Alle stimmen also überein, daß er nicht mit dem Horn beginnt, auf das er zuerst stößt: Weshalb? Šemuel erwiderte: Die Schrift sagt: sodann gehe er zum Altar hinaus, erst wenn er über den ganzen Altar gegangen ist. –

11Aber auch nach R. A͑qiba sollte er ihn ja nach rechts umkreisen!? Man müßte also sagen, sie streiten über eine Lehre des Rami b.Jeḥezqel,

12denn Rami b.Jeḥezqel sagte: Vom Meere gewandt, drei gegen drei gegen Süden und drei gegen Osten; das Meer aber ruhte oben auf ihnen, und alle ihre Hinterteile waren nach innen gewandt; dies lehrt, daß man bei allen Wendungen, die zu machen sind, sich stets [östlich] nach rechts wende. Einer hält also von der Lehre des Rami b.Jeḥezqel und einer hält nichts von der Lehre des Rami b.Jeḥezqel. –

13Nein, alle halten sie wohl von der Lehre des Rami b.Jeḥezqel, nur besteht ihr Streit in folgendem: einer ist der Ansicht, man folgere hinsichtlich des inneren [Altars] vom äußeren, und einer ist der Ansicht, man folgere nicht hinsichtlich des inneren vom äußeren. –

14Sollte er doch nach R. A͑qiba, auch wenn er nicht hinsichtlich des inneren vom äußeren folgert, nach Belieben so oder so verfahren!? – R.A͑qiba kann dir erwidern: eigentlich sollte er mit dem Horne beginnen, auf das er zuerst stößt, denn Reš Laqiš sagte, man dürfe an gottgefälligen Handlungen nicht vorübergehen,

15nur tut er dies deshalb nicht, weil es heißt: sodann gehe er zum Altar hinaus, erst wenn er über den ganzen Altar gegangen ist, und wenn er an diesem Horn gesprengt hat, wende er sich zu dem, mit dem er von vornherein beginnen sollte.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.