Joma — Blatt 59a

1Wenn du willst, sage ich: wenn wir der Ansicht wären, die Umkreisung [des Altars] erfolge mit den Füßen, so würden alle zugeben, daß wir hinsichtlich des inneren vom äußeren folgern, ihr Streit aber besteht in folgendem:

2einer ist der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit der Hand, und einer ist der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit den Füßen. Wenn du willst, sage ich: alle sind der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit der Hand, und ihr Streit besteht in folgendem: einer ist der Ansicht, man folgere hinsichtlich der Umkreisung mit der Hand von der Umkreisung mit den Füßen, und einer ist der Ansicht, man folgere dies nicht. –

3Ist R. Jose der Galiläer denn der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit der Hand, wenn er im Schlußsatze lehrt, R. Elie͑zer sagt, er stand auf einer Stelle und entsündigte, so ist ja der erste Tanna nicht dieser Ansicht!? – Am richtigsten ist vielmehr unsere frühere Antwort: einer ist der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit der Hand, und einer ist der Ansicht, die Umkreisung erfolge mit den Füßen.

4Wenn du aber willst, sage ich, ihr Streit bestehe in folgendem: einer ist der Ansicht, die Umkreisung des inneren Altars gleiche der Umkreisung des äußeren Altars, und einer ist der Ansicht, der ganze innere Altar stand auf dem Raume eines Horns des äußeren Altars.

5Es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: Zwei Hochpriester waren vom ersten Tempel zurückgeblieben, einer erzählte, er habe die Umkreisung nur mit der Hand gemacht, und der andere erzählte, er habe die Umkreisung mit den Füßen gemacht. Dieser begründete seine Worte und jener begründete seine Worte.

6Dieser begründete seine Worte: die Umkreisung des inneren Altars gleicht der Umkreisung des äußeren Altars; jener begründete seine Worte: der ganze innere Altar stand auf dem Raume eines Horns des äußeren.

7R. ELIE͑ZER SAGTE: ER STAND AN EINER STELLE UND ENTSÜNDIGTE. Wessen Ansicht vertritt unsere Mišna? – Die des R. Jehuda, denn es wird gelehrt: R. Meír sagte im Namen R. Elie͑zers, er stand auf einer Stelle, entsündigte, und auf alle sprengte er von oben nach unten, ausgenommen das schrägüber befindliche, auf das er von unten nach oben sprengte.

8R. Jehuda sagte im Namen R. Elie͑zers, er stand auf einer Stelle und entsündigte, und auf alle sprengte er von unten nach oben, ausgenommen das vor ihm befindliche, auf das er von oben nach unten sprengte, damit seine Kleider nicht schmutzig werden.

9DANN SPRENGTE ER AUF DEN GLANZ DES ALTARS. Was heißt Glanz? Rabba b.R. Šila erwiderte: Die Mitte des Altars, denn die Leute pflegen zu sagen: glänzt der Glanz, so ist es die Mitte des Tages.

10Man wandte ein: Wenn er sprengt, sprenge er nicht auf die Asche, auich nicht auf die Kohlen, vielmehr scharre er die Asche nach beiden Seiten und sprenge!? Vielmehr, erklärte Rabba b.R. Šila, auf das Dach des Altars, wie es heißt: wie der Himmel selbst an Glanz.

11Es wird gelehrt: Hananja sagt, er sprenge gegen die nördliche Seite: R. Jose sagt, er sprenge gegen die südliche Seite. – Worin besteht ihr Streit. – Einer ist der Ansicht, die Tür habe sich südlich befunden, und einer ist der Ansicht, die Tür habe sich nördlich befunden. –

12Alle stimmen überein, daß er auf das Dach an der Stelle sprenge, wo er mit den Sprengungen der Hörner auf gehört hat: aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt: er soll ihn reinigen und heiligen, wo er ihn geheiligt, da !seine Reinigung.

13DEN REST DES BLUTES GOSS ER AUF DAS WESTLICHE FUNDAMENT DES ÄUSSEREN ALTARS. Denn die Schrift sagt: das ganze Blut des Farren gieße er, und wenn er herauskommt, stößt er zuerst auf dieses.

14DES ÄUSSEREN ALTARS GOSS ER AUF DAS SÜDLICHE FUNDAMENT. Die Rabbanan lehrten: Das Fundament des Altars, das ist das südliche Fundament. Du sagst, das südliche Fundament, vielleicht ist dem nicht so, sondern das westliche Fundament!?

15Ich will dir sagen, hinsichtlich seines Herabsteigens von der Altarrampe ist es von seinem Herauskommen aus dem Tempel zu folgern: wie es bei seinem Herauskommen aus dem Tempel in der Nähe erfolgt, nämlich am westlichen Fundamente, ebenso erfolge es auch bei seinem Herabsteigen von der Altarrampe in der Nähe, nämlich am südlichen Fundamente.

16Es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagt, beides am westlichen Fundamente, R. Šimo͑n b.Joḥaj sagt, beides am südlichen Fundamente. – Allerdings ist R. Jišma͑él der Ansicht, man folgere hinsichtlich dessen, wobei es nicht angegeben ist, von dem, wobei es angegeben ist,

17was ist aber der Grund des R. Šimo͑n b.Joḥaj? R. Aši erwiderte: Er ist der Ansicht, die Tür habe sich südlich befunden.

18In der Schule R. Jišma͑éls wurde im Namen der Schule des R. Šimo͑n b.Joḥaj gelehrt: Das eine und das andere am südlichen Fundamente. Als Merkzeichen diene dir: die Männer zogen den Mann heran.

19BEIDES VERMISCHTE SICH IM KANAL UND GELANGTE &C. Die Rabbanan lehrten: Beim Blute begeht man eine Veruntreuung – so R. Meír und R. Šimo͑n; die Weisen sagen, man begehe daran keine Veruntreuung.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.