Joma — Blatt 63b

1Aus [dem Worte] Opfer könnte man entnehmen, auch die Heiligtümer des Reparaturfonds’ seien einbegriffen, da auch diese ‘Opfer’ heißen, wie es heißt: wir bringen dem Herrn eine Opfergabe, so heißt es: und sie zur Tür des Offenbarungszeltes nicht hinbringt; ist es zur Tür des Offenbarungszeltes hinzubringen, so ist man, wenn man es außerhalb [schlachtet], schludig, und ist es nicht zur Tür des Offenbarungszeltes hinzubringen, so ist man, wenn man es außerhalb [schlachtet], nicht schuldig.

2Ich würde demnach nur diejenigen ausschließen, die zur Tür des Offenbarungszeltes nicht hinzubringen sind, nicht aber würde ich (die Sündopferkuh und) den fortzuschickenden Bock ausschließen, die zur Tür des Offenbarungszeltes hinzubringen sind, so heißt es: für den Herrn,

3nur die für den Herrn bestimmt sind, ausgenommen diese, die nicht für den Herrn bestimmt sind. – Sind denn [die Worte] für den Herrn ausschließend, ich will auf einen Widerspruch hinweisen :Es wird als Feueropfer für den Herrn wohlgefällig auf genommen werden, das sinddie Feueropfer;

4woher, daß man es vor Erlangung des Alters auch nicht weihen darf? Es heißt: als Opfer für den Herrn, dies schließt auch den fortzuschickenden Bock ein!?

5Raba erwiderte: Dort nach dem Zusammenhänge des Schriftverses und hier nach dem Zusammenhänge des Schriftverses. Dort, wo [die Worte zur Tür einschließend sind, sind [die Worte] für den Herrn ausschließend, hier aber, wo [das Wort] Feueropfer ausschließend ist, sind [die Worte] für den Herrn einschließend. –

6Nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige ihn einbegriffen hat, würde er ihn aber nicht; einbegriffen haben, so würde man geglaubt haben, der fortzuschickende Bock könne vor Erlangung des Alters geweiht werden; aber das Los kann ja nur dann entscheiden, wenn er auch für den Herrn geeignete ist!?

7R. Joseph erwiderte: Hier ist die Ansicht Ḥanan des Ägypters vertreten, denn es wird gelehrt, Ḥanan der Ägypter sagt, selbst, wenn das Blut bereits im Becher ist, hole man einen anderen als Paar. –

8Allerdings ist Ḥanan der Ägypter der Ansicht, daß [das Blut] nicht zurückzusetzen sei; ist er etwa auch der Ansicht, das Losen sei nicht nötig, vielleicht muß man [zwei] holen und losen!?

9Vielmehr, erwiderte R. Joseph, hier ist die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten. Es wird nämlich gelehrt: Verendet einer von ihnen, so hole man ohne zu losen einen anderen – so R. Šimo͑n.

10Rabina erwiderte: In dem Falle, wenn er ein Gebrechen bekommen und man ihn mit einem anderen umgetauscht hat. –

11Woher entnimmst du, daß ein Gebrechen ihn untauglich mache? – Es wird gelehrt: Als Feueropfer sollt ihr von diesen nicht verwenden, das sind die Fettstücke;

12ich weiß dies nur von allen, woher dies von einem Teile desselben? Es heißt: von diesen. Altar, das ist das Blutsprengen; für den Herrn, dies schließt den fortzuschickenden Bock ein.

13Und dies ist sowohl vom gebrechenbehafteten als auch vom des Alters ermangelnden zu schreiben nötig. Würde der Allbarmherzige es nur vom des Alters ermangelnden geschrieben haben, [so könnte man glauben,] weil er das Alter noch nicht erlangt hat, nicht aber der gebrechenbehaftete, der das Alter bereits erlangt hat. Und würde der Allbarmherzige es nur vom gebrechenbehafteten geschrieben haben, [so könnte man glauben,] weil er widerwärtig ist, nicht aber der des Alters ermangelnde, der nicht widerwärtig ist. Daher ist beides nötig.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.