Joma — Blatt 64a

1Raba erwiderte: In dem Falle, wenn [der Verkäufer] einen Kranken in seinem Hause und er für ihn am Versöhnungstage das Muttertier geschlachtet hat. –

2Ist es denn auf diese Weise verboten, der Allbarmherzige sagt ja: ihr sollt nicht schlachten, und dies ist ja kein Schlachten!? – Im Westen erklärten sie, das Hinabstoßen in die Bergschlucht ist eben seine Schlachtung.

3IST DER FÜR GOTT BESTIMMTE VERENDET, SO HOLE DER &C.

4Rabh sagte: Per andere des ersten Paares ist darzubringen, der andere des zweiten Paares ist weiden zu lassen. R. Joḥanan sagte: Der andere des ersten Paares ist weiden zu lassen, der andere des zweiten Paares ist darzubringen. –

5Worin besteht ihr Streit? – Rabh ist der Ansicht, Lebendiges werde nicht zurückgesetzt, und R. Joḥanan ist der Ansicht, Lebendiges werde wohl zurückgesetzt. –

6Was ist der Grund Rabhs? – Er folgert dies vom des Alters ermangelnden: dem das Alter noch fehlt, ist ja jetzt unbrauchbar, wenn es aber später brauchbar wird, ist es tauglich, ebenso auch hierbei. – Ist es denn gleich, jenes war ja noch überhaupt nicht geeignet, während dieses geeignet war und zurückgesetzt worden ist!? –

7Vielmehr ist folgendes der Grund Rabhs, er folgert vom mit einem vorübergehenden Gebrechen behafteten: das mit einem vorübergehenden Gebrechen behaftete ist ja jetzt unbrauchbar, wenn es aber später brauchbar wird, ist es tauglich, ebenso auch hierbei. –

8Woher dies bei jenem? – Es heißt: denn es haftet ihnen ein Schaden an, ein Makel haftet ihnen an, haftet ihnen ein Makel an, sind sie nicht wohlgefällig, ist der Makel vorüber, sind sie wohlgefällig. –

9Und R. Joḥanan!? – Der Allbarmherzige beschränkte: ihnen; nur diese sind, wenn der Makel vorüber ist, wohlgefällig, andere Zurückgesetzte aber bleiben, da sie zurückgesetzt worden sind, zurückgesetzt. –

10Und Rabh!? – Das [Wort] ihnen deutet darauf, daß sie nur gesondert nicht wohlgefällig sind, wohl aber in Vermischung.

11Wir haben nämlich gelernt: Wenn Opferglieder von Fehlerfreien mit Opfergliedern von Gebrechenbehafteten [vermischt worden sind], so sind, wie R. Elie͑zer sagt, wenn ein Kopf bereits dargebracht worden ist, alle übrigen Köpfe, und wenn ein paar Unterschenkel, alle Unterschenkel darzubringen; die Weisen sagen, selbst wenn alle mit Ausnahme von einem dargebracht worden sind, komme dieses in den Verbrennungsraum. –

12Und der andere!? – Er folgert dies aus [dem Ausdruck] an ihnen. – Und jener!? – Er verwendet [den Ausdruck] an ihnen nicht zur Schriftforschung. –

13Wenn Rabh auch der Ansicht ist, Lebendiges werde nicht zurückgesetzt, aber immerhin, sollte er beliebig den einen oder den anderen darbringen dürfen!?

14Raba erwiderte: Rabh ist der Ansicht R. Joses, welcher sagt, das Gebot hafte am ersten. – Welcher Ansicht R. Joses? Wollte man sagen, bei der Lehre von den Körben, denn wir haben gelernt: Es waren drei Körbe von je drei Sea, mit [den Buchstaben] Aleph, Beth, Gimel gezeichnet, die für die Hebe der Schatzkammer bestimmt waren. Ferner wird gelehrt: R. Jose sagte: Sie waren deshalb mit Aleph, Beth, Gimel gezeichnet, damit man wisse, welcher zuerst abgehoben wurde, um diesen zuerst zu verwenden, denn das Gebot haftet am ersten.

15Vielleicht aber ist es da anders, weil zur Zeit, wo der erste zu verwenden ist, die anderen noch nicht zu verwenden sind!? –

16Vielmehr, der Ansicht R. Joses beim Pesaḥopfer. Wir haben nämlich gelernt: Wenn jemand sein Pesaḥopfer abgesondert hat und es abhanden gekommen ist, und nachdem er statt dessen ein anderes abgesondert hat, das erste sich wieder einfindet, sodaß beide vor ihm stehen, so opfere er, welches er will – so die Weisen. R. Jose sagt, das Gebot hafte am ersten;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.