Joma — Blatt 66b
1er muß vorbereitet sein; bereitgehaltenen, auch am Šabbath; bereitgehaltenen, auch in Unreinheit. –
2«Mann, auch ein Gemeiner ist zulässig.» Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, auch hierbei heißt es ja ‘Sühne’, so lehrt er uns.
3«Bereitgehaltenen, auch am Šabbath.» Was lehrt dies? R. Šešeth erwiderte: Ist er krank, so nehme er ihn auf die Schulter. –
4Nach wessen Ansicht? Nicht nach R. Nathan, denn R. Nathan sagt ja, das Lebende trage sich selbst. – Du kannst auch sagen, nach R. Nathan, denn anders ist es bei einem Kranken.
5Raphram sagte: Hieraus zu entnehmen, daß [das Gesetz vom] E͑rub und vom Hinaustragen nur für den Šabbath gilt und nicht für den Versöhnungstag. –
6«Bereitgehaltenen, auch in Unreinheit.» Was lehrt dies? R. Šešeth erwiderte: Dies besagt, daß, wenn der Fortbringende unrein geworden ist, er unrein in den Tempelhof eintreten und ihn fortbringen dürfe.
7Man fragte R. Elie͑zer: Darf er ihn, wenn er krank ist, auf die Schulter nehmen? Dieser erwiderte ihnen: Er könnte mich und euch tragen. – Darf der Fortbringende, wenn er krank wird, ihn durch einen anderen schicken? Dieser erwiderte ihnen: Ich will gesund bleiben, ich und ihr. –
8Darf er, wenn er ihn hinabgestoßen hat und er nicht tot ist, ihm nachsteigen und ihn töten? Dieser erwiderte ihnen: So zugrunde gehen mögen all deine Feinde, o Herr. Die Weisen sagen: Ist er krank, so darf er ihn durch einen anderen schicken; wenn er ihn hinabgestoßen hat und er nicht tot ist, so steige er ihm nach und töte ihn.
9Man fragte R. Elie͑zer: Wie steht es mit jenem in der zukünftigen Welt? Dieser erwiderte ihnen: Habt ihr mich nichts weiter als über jenen zu fragen!?
10Darf man das Schaf vor dem Löwen retten? Dieser erwiderte: Habt ihr mich nichts weiter als über das Schaf zu fragen!? – Darf man den Hirten vor dem Löwen retten? Dieser erwiderte: Habt ihr mich nichts weiter als über den Hirten zu fragen!? – Kann ein Hurenkind erben? – Kann er die Schwagerehe vollziehen? – Darf man seine Wohnung tünchen? – Darf man sein Grab tünchen?
11Nicht etwa, weil er sie ausweichend abfertigen wollte, sondern weil er nie etwas sagte, was er nicht von seinem Lehrer gehört hätte.
12Eine gelehrte Frau fragte R. Elie͑zer: Beim Ereignisse mit dem [goldenen] Kalbe waren ja alle gleich beteiligt, weshalb war nun ihre Todêsart keine gleichmäßige? Dieser erwiderte ihr: Weisheit dem Weibe nur bei der Spindel; so heißt es auch: alle kunstverständigen Frauen spannen eigenhändig.
13Es wurde gelehrt: Rabh und Levi [streiten hierüber]; einer sagt, wer geopfert und geräuchert, wurde mit dem Schwerte, wer umarmt und geküßt, mit der Seuche, und der im Herzen sich gefreut, mit der Leibesanschwellung [bestraft],
14und einer sagt, bei Zeugen und Warnung mit dem Schwerte, bei Zeugen ohne Warnung mit der Seuche und ohne Zeugen und Warnung mit Leibesanschwellung.
15R. Jehuda sagte: Der Stamm Levi trieb keinen Götzendienst, denn es heißt: da trat Moše an das Tor des Lagers&c.
16Rabina saß und trug diese Lehre vor, da wandten die Söhne des R. Papa b.Abba gegen ihn ein: Der von Vater und Mutter sprach: Ich sah sie nicht!? –
17‘Vater’, der Vater seiner Mutter, ein Jisraélit: ‘Bruder’, der Bruder mütterlicherseits, ein Jisraélit; ‘Kinder’, die Kinder seiner Tochter, von einem Jisraéliten.
18MAN ERRICHTETE FÜR IHN EINEN STEG &C. Rabba b.Bar Ḥana sagte: Es waren keine Babylonier, sondern Alexandriner, da aber [die Palästinenser] die Babylonier haßten, benannten sie jene nach ihnen. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Es waren keine Babylonier, sondern Alexandriner. R. Jose sprach zu ihm: Mögest du Befriedigung finden, wie du mir Befriedigung verschafft hast.
19NIMM UND GEH. Es wird gelehrt: [Sie riefen:] Warum zögert dieser Bock, wo doch zahlreich sind die Sünden der Generation.
20VON DEN VORNEHMEN JERUSALEMS BEGLEITETEN IHN MANCHE BIS ZUR ERSTEN HÜTTE. ZEHN HÜTTEN WAREN VON JERUŠALEM BIS ZUM FELSEN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.