Joma — Blatt 67a

1[EINE STRECKE VON] NEUNZIG RUS, SIEBENEINHALB [RUS] AUF EIN MIL. AN JEDER HÜTTE SPRACHEN SIE ZU IHM: DA IST SPEISE, DA IST Wasser. MAN BEGLEITETE IHN VON HÜTTE ZU HÜTTE, AUSGENOMMEN DIE LETZTE, VON DER AUS SIE IHN NICHT ZUM FELSEN BEGLEITETEN, VIELMEHR STANDEN SIE VON FERNE UND BEOBACHTETEN SEIN TUN.

2WAS MACHTE ER DA? ER TEILTE DEN ROTGLÄNZENDEN WOLLSTREIFEN, DIE EINE HÄLFTE BAND ER AN EINEN FELSEN UND DIE ANDERE HÄLFTE BAND ER [DEM BOCKE] ZWISCHEN DIE HüRNER, DANN STIESS ER IHN RÜCKWÄRTS HINUNTER UND ER STÜRZTE ROLLEND HINAB; UND EHE ER NOCH DIE HÄLFTE DES BERGES ERREICHTE, BESTAND ER AUS EINZELNEN GLIEDERN. HIERAUF KEHRTE ER UM UND VERBLIEB BIS ES DUNKELTE IN DER LETZTEN HÜTTE. WANN BEGINNT DIE UNREINHEIT SEINER KLEIDER? SOBALD ER DIE MAUER JERUŠALEMS VERLÄSST. R. ŠIMO͑N SAGT, MIT SEINEM HINABSTOSSEN IN DIE FELSSCHLUCHT.

3GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Es waren zehn Hütten und zwölf Mil – so R. Meír; R. Jehuda sagt, neun Hütten und zehn Mil; R. Jose sagt, fünf Hütten und zehn Mil. Sie waren alle durch einen Érub [verbunden].

4R.Jose sprach: Mein Sohn Eleazar bemerkte: Mit einem E͑rub genügen mir auf zehn Mil auch zwei Hütten.

5Die Lehre, daß die letzte [Wache] ihn bis zum Felsen nicht begleitete, sondern von ferne stand und sein Tun beobachtete, vertritt also die Ansicht R. Meírs.

6AN JEDER HÜTTE SPRACHEN SIE ZU IHM: DA IST SPEISE, DA IST WASSER. Es wird gelehrt: Nie hat jemand davon Gebrauch gemacht, wer aber Brot im Korbe hat, ist nicht mit dem zu vergleichen, der kein Brot im Korbe hat.

7WAS MACHTE ER DA? ER TEILTE DEN ROTGLÄNZENDEN WOLLSTREIFEN. Sollte er den ganzen an den Felsen binden!? – Er hat sich noch mit dem Bocke zu befassen, und wenn [der Streifen] schnell weiß wird, könnte er seine Gedanken abwenden. –

8Sollte er den ganzen [dem Bocke] zwischen die Hörner binden!? – [Der Bock] könnte den Kopf bücken, und er würde es nicht bemerken.

9Die Rabbanan lehrten: Anfangs pflegte man den rotglänzenden Wollstreif en draußen an der Tür der Vorhalle zu binden : wurde er weiß, so waren sie froh, wurde er nicht weiß, so waren sie traurig und beschämt; da ordnete man an, ihn an die Tür der Vorhalle von innen zu binden. Aber immer noch lugten sie und beobachteten: wurde er weiß, so waren sie froh, wurde er nicht weiß, so waren sie traurig; da ordnete man an, eine Hälfte an einen Felsen und eine Hälfte zwischen die Hörner [des Bockes] zu binden.

10R. Naḥum b.Papa sagte im Namen des R. Elea͑zar ha-Qappar: Anfangs pflegte man den rotglänzenden Wollstreifen an die Tür von innen zu binden, und sobald der Bock die Wüste erreichte, wurde [der Streifen] weiß; da wußte man, daß mit ihm das Gebot ausgeübt worden sei, denn es heißt: sind eure Sünden auch scharlachrot, schneeweiß sollen sie werden.

11EHE ER NOCH DIE HÄLFTE DES BERGES ERREICHTE. Sie fragten: Wie verhält es sich mit diesen Gliedern bezüglich der Nutznießung? – Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, sie seien erlaubt, und einer sagt, sie seien verboten.

12Einer sagt, sie seien erlaubt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.