Joma — Blatt 67b
1denn es heißt: Wüste; einer sagt, sie seien verboten, denn es heißt: abgetrenntes. –
2Wofür verwendet derjenige, welcher sagt, sie seien verboten, das [Wort] Wüste!? – Er verwendet es für die folgende Lehre: Es heißt dreimal Wüste, dies schließt Nob, Gibo͑n, Šilo und den stetigen Tempel ein. –
3Wofür verwendet der andere [das Wort] abgetrenntes !? – Er verwendet es für die folgende Lehre: Abgetrenntes, abgetrennt heißt abgeschnitten. Eine andere Erklärung: [Abgetrenntes], was zertrennt wird und herunterfällt.
4Eine andere Erklärung: Abgetrenntes, du denkst vielleicht, dies sei etwas Sinnloses, so heißt es: ich bin der Herr, ich, der Herr, habe dies bestimmt, und dir steht es nicht zu, darüber nachzudenken.
5Raba sagte: Die Ansicht desjenigen, welcher sagt, sie seien erlaubt, ist einleuchtender, denn die Tora hat ja nicht das Fortschicken zum Anstoße geboten.
6Die Rabbanan lehrten: A͑zazel, er muß hart und festsein. Man könnte glauben, in einer bewohnten Gegend, so heißt es: in der Wüste. Woher, daß es ein [steiler] Felsen sein muß? Es heißt: abgetrenntes. Ein Anderes lehrt: A͑zazel ist der härteste unter den Bergen, denn es heißt : die Starken des Landes hat er genommen.
7In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelernt: A͑zazel, er sühnte die Sünden von U͑za und A͑zaél.
8Die Rabbanan lehrten: Nach meinen Rechten sollt ihr handeln, das sind diejenigen [Gesetze], die, wenn sie nicht geschrieben worden wären, geschrieben werden müßten und zwar: über Götzendienst, Unzucht, Blutvergießen, Raub und Lästerung des [göttlichen] Namens,
9meine Satzungen sollt ihr beobachten, das sind diejenigen [Gesetze], gegen die der Satan und die weltlichen Völker Einwendungen erheben, und zwar: über das Essen von [Schweinefleisch], das Tragen von Mischgewebe, die Ḥaliza an der Schwägerin, die Reinigung des Aussätzigen und den fortzuschickenden Bock. Du denkst vielleicht, dies sei etwas Sinnloses, so heißt es: ich bin der Herr, ich, der Herr, habe es zur Satzung gemacht, und dir steht es nicht zu, darüber nachzudenken.
10WANN BEGINNT DIE UNREINHEIT SEINER KLEIDER. Die Rabbanan lehrten: Der Fortzubringende verunreinigt seine Kleider, nicht aber der ihn Begleitende.
11Man könnte glauben, [die Unreinheit beginne] sobald er die Mauer des Tempelhofes verläßt, so heißt es: der bringt. Aus [dem Worte] der bringt, könnte man entnehmen, erst wenn er den Felsen erreicht hat, so heißt es: und der bringt. Wie ist dies [zu erklären] ? Sobald er die Mauer Jerušalems verläßt – so R. Jehuda.
12R. Jose sagte: [Neben] A͑zazel [heißt es] wasche, erst wenn er den Felsen erreicht hat. R.Šimo͑n sagte: Und der den Bock zu A͑zazel bringt, wasche seine Kleider, er stoße ihn mit einem Satze hinunter, und seine Kleider sind unrein.
13SODANN GING ER ZUM FARREN UND ZUM BOCKE, DIE ZU VERBRENNEN WAREN; SCHLITZTE SIE AUF, NAHM DIE OPFERTEILE HERAUS, LEGTE SIE IN EINE SCHÜSSEL UND RÄUCHERTE SIE AUF DEM ALTAR AUF,
14HIERAUF BEFESTIGTE MAN SIE AN TRAGEN UND BRACHTE SIE IN DEN VERBRENNUNGSRAUM. WANN BEGINNT DIE UNREINHEIT IHRER KLEIDER? SOBALD SIE DIE MAUER DES VORHOFES VERLASSEN. R. ŠIMO͑N SAGT, SOBALD DAS FEUER DEN GRÖSSTEN TEIL ERFASST HAT.
15GEMARA. ‘Und räucherte sie auf’, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: um sie auf dem Altar auf zuräuchern.
16BEFESTIGTE MAN SIE AN TRAGEN.R. Joḥanan erklärte: Eine Art Flechtwerk. Es wird gelehrt: Er zerteilte sie nicht, wie das Brandopfer, vielmehr ließ er die Haut am Fleische. – Woher dies? – Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Hierbei heißt es Haut, Fleisch und Mist, und dort
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.