Joma — Blatt 73a
1so heißt es: sieben Tage hindurch soll sie derjenige seiner Söhne anziehen, der an seiner Statt Priester wird, der in das Offenbarungszelt hineingehen wird, nur der in das Offenbarungszelt hineingehen darf. Wenn dem nun so wäre, so wäre ja auch jener zulässig!?
2R. Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Er meint es wie folgt: nur derjenige, der vornehmlich für das Offenbarungszelt gesalbt wurde, ausgenommen dieser, der vornehmlich für den Krieg gesalbt wurde.
3Man wandte ein: Der Feldpriester amtet weder in vier Gewändern, wie ein gemeiner Priester, noch in acht Gewändern, wie der Hochpriester!?
4Abajje erwiderte: Willst du ihn denn zum Gemeinen machen!? Vielmehr, [weder] wie ein Hochpriester, um Mißhelligkeit [zu vermeiden, noch] wie ein gemeiner Priester, weil man bei Heiligem erhöht und nicht erniedrigt.
5R. Ada b. Ahaba sprach zu Raba; Folgender Autor berücksichtigt ja die Mißhelligkeit nicht, dennoch amtet er nach ihm nicht [in acht Gewändern]!?
6Es wird nämlich gelehrt: Folgendes, wodurch der Hochpriester sich vom gemeinen Priester unterscheidet: der Farre des gesalbten Priesters; der wegen [Übertretung] irgend eines Gebotes darzubringende Farre; der Farre des Versöhnungstages und das Zehntel Epha;
7er entblößt nicht das Haar und reißt die Kleider nicht ein, wohl aber reißt er sie unten ein, während ein Gemeiner sie oben einreißt; er verunreinigt sich nicht an [der Leiche] seines Verwandten; ihm ist eine Jungfrau [zu heiraten] geboten; ihm ist eine Witwe verboten; er veranlaßt die Rückkehr eines Totschlägers;
8er darf als Trauernder [Opfer] darbringen, jedoch nicht davon essen, noch erhält er seinen Anteil; er erhält seinen Anteil als erster und nimmt Anteil am Opferdienste als erster; er verrichtet den Dienst in acht Gewändern; er ist wegen Verunreinigung des Tempels und seiner heiligen Opfer frei, und endlich sind alle Dienstverrichtungen am Versöhnungstage nur durch ihn zulässig.
9Dies alles gilt auch vom durch die vollständige Amtskleidung geweihten Priester, ausgenommen der wegen Übertretung] irgend eines Gebotes darzubringende Farre.
10Ferner gilt dies alles auch vom provisorischen Hochpriester, ausgenommen der Farre des Versöhnungstages und das Zehntel Epha.
11Dies alles gilt aber nicht vom Feldpriester, ausgenommen die im betreffenden Abschnitte aufgezählten fünf Dinge: er entblößt nicht das Haar und reißt die Kleider nicht ein, er verunreinigt sich nicht an [der Leiche] seines Verwandten, ihm ist eine Jungfrau [zu heiraten] geboten, ihm ist eine Witwe verboten, und er veranlaßt die Rückkehr des Totschlägers – so R. Jehuda; die Weisen sagen, er veranlasse sie nicht. –
12Bei einem gleichgestellten berücksichtigt er Mißhelligkeit nicht, bei einem geringeren wohl.
13R. Abahu saß und trug diese Lehre im Namen R. Joḥanans vor, da wandten R. Ami und R. Asi ihre Gesichter weg. Manche sagen, R. Ḥija b.Abba habe es vorgetragen und R. Ami und R. Asi wandten die Gesichter weg.
14R. Papa wandte ein: Allerdings [sagten sie nichts] gegen R. Abahu, wegen der kaiserlichen Ehrung, aber R. Ḥija b.Abba sollten sie ja ausdrücklich entgegnen, R. Joḥanan habe dies nicht gesagt!?
15Als Rabin kam, sagte er, dies sei vom Befragen [des Orakels] gelehrt worden. Ebenso wird gelehrt: In den Gewändern, in denen der Hochpriester den Dienst verrichtet, befragt der Feldpriester [das Orakel].
16Die Rabbanan lehrten: Wie befragt man [das Orakel]? Der Fragende wendet das Gesicht gegen den Befragten und der Befragte wendet das Gesicht gegen die Göttlichkeit,
17und der Fragende spricht: Soll ich diese Horde verfolgen? Darauf erwidert der Befragte: So spricht der Herr: Ziehe hin, du wirst Gelingen haben. R. Jehuda sagt, er brauche nicht zu sagen: so spricht der Herr, sondern nur: ziehe hin, du wirst Gelingen haben.
18Man befrage nicht mit lauter Stimme, denn es heißt: er befrage für ihn, auch nicht nur im Herzen denkend, denn es heißt: er befrage für ihn vor dem Herrn, sondern in der Weise, wie Ḥanna bei ihrem Gebete sprach, wie es heißet: Ḥanna redete in ihrem Herzen.
19Man richte nicht zwei Fragen zugleich; hat man es getan, so beantwortet man ihm nur eine, und zwar beantwortet man ihm nur die erste, denn es heißt:werden die Leute von Qei͑la mich ihm ausliefern? wird Šaúl herabkommen &c? da antwortete der Herr: Er wird herabkommen. – Du sagtest ja aber, man beantworte ihm nur die erste!? – David fragte
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.