Joma — Blatt 73b
1in unrichtiger Reihenfolge und man antwortete ihm in richtiger Reihenfolge. Sobald er gemerkt hatte, daß er nicht in richtiger Reihenfolge gefragt, wiederholte er die Frage in richtiger Reihenfolge, denn es heißt darauf: werden die Leute von Qei͑la mich und meine Leute Šaúl ausliefern? da erwiderte der Herr: Sie werden ausliefern.
2Sind aber beide Fragen dringend, so beantwortet man ihm beide, denn es heißt: da fragte David den Herrn: Soll ich diese Horde verfolgen? werde ich sie einholen? Da antwortete ihm der Herr: Verfolge, denn du wirst sie einholen und du wirst Rettung bringen.
3Und obgleich der Spruch des Propheten rückgängig gemacht werden kann, der Spruch des Orakels aber wird nicht rückgängig gemacht, denn es heißt: nach der Entscheidung des Orakels. –
4Weshalb heißt [das Orakel] ‘Licht und Wahrheit’? – Licht, weil es seine Worte beleuchtet, Wahrheit, weil seine Worte sich bewahrheiten.
5Wenn du aber einwendest, in Giba͑th Binjamin haben sich ja seine Worte nicht bewahrheitet,
6so erwogen sie nicht, ob um zu siegen, oder besiegt zu werden; später aber, als sie dies erwogen, stimmte es auch, denn es heißt: und Pinḥas, der Sohn Elea͑zars, des Sohnes Ahrons, wartete zu jener Zeit des Dienstes vor ihm; sie sprachen: Soll ich wiederum gegen meinen Bruder Binjamin zum Kampfe ausrücken oder soll ich es unterlassen? Da erwiderte der Herr: Ziehet hin, denn morgen gebe ich ihn in deine Hand. –
7Wie geschah dies? – R. Joḥanan sagte, [die Buchstaben] traten hervor, und Reš Laqiš sagte, sie reihten sich aneinander. –
8Es fehlte ja aber das Çade!? R. Šemuél b. Jiçḥaq erwiderte: Es enthielt auch [die Namen] Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob. – Es fehlte ja aber das Ṭeth!? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Es enthielt auch [die Worte] ‘die Stämme [šibṭe] Ješurun’.
9Man wandte ein: Man befrage keinen Priester, der nicht durch den heiligen Geist spricht, auf dem nicht die Göttlichkeit ruht, denn Çadoq fragte und es gelang ihm, Ebjathar aber fragte und es gelang ihm nicht, wie es heißt: Ebjathar ging fort, bis das ganze Volk vorübergezogen war &c. –
10Er half mit.
11MAN BEFRAGE ES JEDOCH NUR FÜR EINEN KÖNIG. Woher dies? R. Abahu erwiderte: Die Schrift sagt: Er soll aber vor Elea͑zar, den Priester, treten, damit dieser für ihn nach der Entscheidung des Orakels frage &c.; er, das ist der König, und alle Kinder Jisraéls mit ihm, das ist der Feldpriester, und die ganze Gemeinde, das ist das Synedrium.
12AM VERSÖHNUNGSTAGE IST DAS ESSEN, DAS TRINKEN, DAS WASCHEN, DAS SALBEN, DAS ANZIEHEN DER SANDALEN UND DER BEISCHLAF VERBOTEN. EIN KÖNIG UND EINE BRAUT DÜRFEN DAS GESICHT WASCHEN, EINE WÖCHNERIN DARF SANDALEN ANZIEHEN – SO R. ELIE͑ZER; DIE WEISEN VERBIETEN DIES.
13WER DAS QUANTUM EINER GROSSEN DATTEL ISST, DIESER UND IHRES STEINES, ODER EINEN MUNDVOLL TRINKT, IST SCHULDIG. VERSCHIEDENE SPEISEN WERDEN ZUM QUANTUM EINER DATTEL, UND VERSCHIEDENE GETRÄNKE WERDEN ZUM QUANTUM EINES MUNDVOLLS VEREINIGT. SPEISEN UND GETRÄNKE WERDEN NICHT [MIT EINANDER] VEREINIGT.
14GEMARA. Nur verboten, dies wird ja mit der Ausrottung bestraft!? R. Ila, nach anderen R. Jirmeja, erwiderte: Dies bezieht sich auf das halbe Quantum. –
15Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, das halbe Quantum sei nach der Tora verboten, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, das halbe Quantum sei nach der Tora erlaubt!?
16Es wird nämlich gelehrt: Das halbe Quantum ist, wie R. Joḥanan sagt, nach der Tora verboten, und wie Reš Laqiš sagt, nach der Tora erlaubt. Dies stimmt also nach R. Joḥanan, wie ist es aber nach Reš Laqiš zu erklären!? – Reš Laqiš pflichtet bei, daß es rabbanatisch verboten sei. –
17Demnach sollte man dieserhalb nicht zu einem Eidopfer verpflichtet sein!? Dagegen haben wir gelernt: Wer nicht zu essen geschworen hat, und Aas und Totverletztes oder Ekel- und Kriechtiere gegessen hat, ist schuldig, nach R. Šimo͑n aber frei.
18Und wir wandten ein: Wieso ist er dieserhalb schuldig, er ist ja bereits vom Berge Sinaj her mit einem Eide behaftet!? Und Rabh, Šemuél und R. Joḥanan erklärten, wenn er mit dem Verbotenen auch Erlaubtes einbegreift,
19und Reš Laqiš erklärte, es könne sich nur um den Fall handeln, wenn er [auch] ein halbes Quantum besonders nennt, nach den Rabbanan, oder auch allgemein,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.