Joma — Blatt 74b

1der Koj sei ein Geschöpf für sich. Wieso sagte R. Idi b.Abin, wenn du nicht so sagen wolltest [die Worte] ‘auch alles’ schließen den Koj ein, über den Koj besteht ja ein Zweifel, und es ist ja kein Schriftvers nötig, das Zweifelhafte einzuschließen!? Vielmehr ist es bei einem besonderen Geschöpfe anders, ebenso ist es auch hierbei bei einem besonderen Geschöpfe anders.

2Die Rabbanan lehrten: Sollt ihr eure Leiber peinigen; man könnte glauben, man sitze in der Hitze oder in der Kälte, um gepeinigt zu werden, so heißt es: ihr sollt keinerlei Arbeit verrichten: wie die Arbeit zu unterlassen ist, ebenso besteht auch die körperliche Peinigung in der Unterlassung. –

3Vielleicht aber darf man, wenn man in der Sonne sitzt und ihm heiß ist, sich nicht in den Schatten setzen, oder wenn man im Schatten sitzt und ihm kalt ist, sich nicht in die Sonne setzen!? – Gleich der Arbeit: wie du bei der Arbeit nicht unterscheidest, ebenso hast du auch bei der Peinigung nicht zu unterscheiden.

4Ein Anderes lehrt: Sollt ihr eure Leiber peinigen; man könnte glauben, man sitze in der Kälte oder in der Hitze und peinige sich, so heißt es: ihr sollt keinerlei Arbeit verrichten: wie man wegen der Arbeit auch anderweitig schuldig ist, ebenso eine Peinigung, derentwegen man auch anderweitig schuldig ist, nämlich beim Verwerflichen und Übriggebliebenen.

5Wollte man nur Verwerfliches und Übriggebliebenes einbegreifen, die mit der Ausrottung belegt sind, nicht aber das Unverzehntete, das nicht mit der Ausrottung belegt ist, so heißt es: peinigen, Ihr sollt eure Leiber peinigen, einschließend.

6Wollte man nur das Unverzehntete einbegreifen, das mit dem Tode belegt ist, nicht aber das Aas, das nicht mit dem Tode belegt ist, so heißt es: peinigen, ihr sollt eure Leiber peinigen, einschließend.

7Wollte man nur das Aas einbegreifen, das mit einem Verbote belegt ist, nicht aber profane [Speisen], die nicht mit einem Verbote belegt sind, so heißt es: peinigen, ihr sollt eure Leiber peinigen, einschließend.

8Wollte man mir das Profane einbegreifen, das zu essen nicht geboten ist, nicht aber die Hebe, die zu essen geboten ist, so heißt es: peinigen, ihr sollt eure Leiber peinigen, einschließend. Wollte man nur die Hebe, einbegreifen, die dem Verbote des Übriglassens nicht unterliegt, nicht aber die heiligen [Opfer], die dem Verbote des Übriglassens unterliegen, so heißt es: peinigen, ihr sollt eure Leiber peinigen, einschließend.

9Wenn du aber dagegen einwenden wolltest, so heißt es: ich werde diese Person verderben, eine Peinigung, wodurch ein Verderben des Körpers erfolgt, das ist [die Unterlassung] des Essens und des Trinkens. –

10Was könnte man denn dagegen einwenden? – Man könnte einwenden, die Schrift spreche vom Beischlaf, so heißt es: ich werde diese Person verderben, eine Peinigung, wodurch ein Verderben des Körpers erfolgt, das ist [die Unterlassung] des Essens und des Trinkens.

11In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Hierbei heißt es peinigen und dort heißt es peinigen, wie dort eine Peinigung durch Hunger, ebenso auch hierbei eine Peinigung durch Hunger. –

12Sollte man doch folgern aus dem Schriftverse: wenn du etwa meine Töchter peinigen wirst!? – Man folgere hinsichtlich der Peinigung einer Gemeinschaft von der Peinigung einer Gemeinschaft, nicht aber hinsichtlich der Peinigung einer Gemeinschaft von der Peinigung eines einzelnen. –

13Sollte man doch von der ‘Peinigung’ in Miçrajim folgern, denn es heißt: er sah unsere Peinigung, und hierzu sagten wir, dies sei die Beschränkung des ehelichen Umgangs!? – Vielmehr, man folgere hinsichtlich der Peinigung durch den Himmel von der Peinigung durch den Himmel, nicht aber hinsichtlich der Peinigung durch den Himmel von der Peinigung durch Menschen.

14Der dich in der Wüste mit Manna speiste, um dich zu peinigen. R. Ami und R. Asi [streiten hierüber]. Einer erklärt, weil der, der Brot im Korbe hat, nicht mit dem zu vergleichen ist, der kein Brot im Korbe hat, und einer erklärt, weil der, der [die Speise] sieht und ißt, nicht mit dem zu vergleichen ist, der sie nicht sieht und ißt.

15R. Joseph sprach: Hieraus eine Andeutung dafür, daß die Blinden essen und nicht satt werden. Abajje sagte: Wer nur eine Mahlzeit hat, esse sie daher am Tage. R. Zera sagte: Welcher Schriftvers deutet darauf hin? Besser ist das Sehen mit den Augen als das Schweifen der Begier. Reš Laqiš sagte: Die Augenweide an einem Weibe ist mehr als die Sache selbst, wie es heißt: besser ist das Sehen mit den Augen als das Schweifen der Begier.

16Wenn er sein Auge auf den Becher richtet, so geht er gerade. Von R. Ami und R. Asi sagte einer: Wer sein

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.