Joma — Blatt 75a
1Auge auf den Becher richtet, dem sind alle Inzestgesetze einer Ebene gleich. Und einer sagte: Wer seine Augen auf den Becher richtet, dem ist die ganze Welt einer Ebene gleich.
2Ist Kummer im Herzen eines Menschen, so drücke er ihn nieder. R. Ami und R. Asi [erklärten es]. Einer erklärte, man schlage ihn aus dem Sinne, und einer erklärte, man erzähle ihn anderen.
3Die Schlange ernährt sich von der Erde. R. Ami und R. Asi [erklärten es]. Einer erklärte, selbst wenn sie alle Leckereien der Welt ißt, fühle sie nur den Geschmack von Erde, und einer erklärt, selbst wenn sie alle Leckereien der Welt ißt, sei sie nicht eher befriedigt, als bis sie Erde gegessen hat.
4Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Komm und sieh, wie anders die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, als die Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut ist. Wenn ein [Mensch aus] Fleisch und Blut seinem Nächsten zürnt, so geht er ihm ans Leben, anders aber der Heilige, gepriesen sei er. Er verfluchte die Schlange, diese aber findet ihre Nahrung vor, wenn sie aufs Dach steigt, findet ihre Nahrung vor, wenn sie in die Tiefe dringt.
5Er verfluchte den Kenaa͑n, dieser aber ißt das, was sein Herr ißt, und trinkt das, was sein Herr trinkt. Er verfluchte die Frau, jeder aber läuft ihr nach. Er verfluchte die Erde, alle aber werden von ihr gespeist.
6Wir gedenken der Fische, die wir in Miçrajim umsonst aßen. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]. Einer erklärt, wirkliche Fische, und einer erklärt, Inzest[freiheiten]. Einer erklärt, wirkliche Fische, denn es heißt: aßen; und einer erklärt: Inzest[freiheiten], denn es heißt: umsonst. –
7Was heißt aßen nach demjenigen, der Inzest[freiheiten] erklärt!? – Er wählt einen beschönigenden Ausdruck, wie es heißt: sie ißt, wischt sich das Maul und spricht: Ich habe nichts Unrechtes getan. – Was heißt umsonst nach demjenigen, der wirkliche Fische erklärt!? – Sie erhielten sie von Herrenlosem, denn der Meister sagte, daß der Heilige, gepriesen sei er, den Jisraéliten, wenn sie Wasser schöpften, kleine Fische in ihre Krüge geraten ließ. –
8Erklärlich ist es nach demjenigen, der wirkliche Fische erklärt, daß sie aber in Inzestangelegenheiten nicht zügellos waren, daß es heißt: ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, wieso aber heißt es nach demjenigen,der Inzest[freiheiten] erklär: ein verschlossener Born!? – Bei dem, was ihnen verboten war, waren sie nicht zügellos. –
9Erklärlich ist es nach demjenigen, der Inzest[freiheiten] erklärt, daß es heißt: da hörte Moše das Volk in Familien weinen, nämlich wegen der Familienangehörigen, bei denen zu schlafen ihnen verboten wurde, was aber heißt in Familien weinen nach demjenigen, der wirkliche Fische erklärt!? – Es war das eine und das andere.
10Der Gurken und der Melonen, R. Ami und R. Asi [erklärten es]. Einer erklärte, im Manna fühlten sie den Geschmack aller Speisarten, nur nicht den Geschmack dieser fünf Arten; und einer erklärte, von allen Speisen fühlten sie Geschmack und Wesen, von diesen aber nur den Geschmack und nicht das Wesen.
11Das Manna aber war wie Korianderkörner. R. Asi sagte: Rund wie ein Korianderkorn und weiß wie eine Perle. Ebenso wird gelehrt: Gad [Koriander], es glich dem Leinsamen an den Stengeln.
12Manche erklären: Gad, es zog das Herz des Menschen nach sich, wie die Haggada. Ein Anderes lehrt: Gad, es verkündete [maggid] Jisraél, ob [die Neugeburt] eine neunmonatliche vom ersten oder eine siebenmonatliche vom zweiten [Manne] ist;
13weiß, es machte die Sünden Jisraéls weiß.
14Es wird gelehrt: R.Jose sagte: Wie der Prophet Jisraél verkündete. was in Löchern und Spalten sich befand, ebenso verkündete das Manna Jisraél, was in Löchern und Spalten sich befand. Wenn nämlich zwei vor Moše zu Gericht kamen, dieser sagte, jener habe seinen Sklaven gestohlen, und jener sagte, dieser habe ihn ihm verkauft, so sprach Moše zu ihnen: Nächsten Morgen ist Gericht. Fand sich dann das Maß [Manna] im Hause des ersten Herrn, so war es erwiesen, daß der andere ihn gestohlen hat, und fand sich das Maß [Manna] im Hause des zweiten, so war es erwiesen, daß jener ihn ihm verkauft hat.
15Ebenso verhielt es sich, wenn Mann und Frau vor Moše zu Gericht kamen: er sagte, sie habe sich gegen ihn vergangen, und sie sagte, er habe sich gegen sie vergangen, so sprach Moše zu ihnen: Nächsten Morgen ist Gericht. Fand sich dann das Maß [Manna] im Hause ihres Ehemannes, so war es erwiesen, daß sie sich gegen ihn vergangen hat, fand sich das Maß [Manna] im Hause ihres Vaters, so war es erwiesen, daß er sich gegen sie vergangen hat.
16Es heißt:Und wenn nachts Tau auf das Lager fiel, so fiel auch das Manna darauf, ferner heißt es:so soll das Volk hinausgehen und sammeln, und ferner heißt es:das Volk streifte umher und sammelte; wie ist diesnun zu erklären? Den Frommen fiel es vor die Tür ihres Hauses, die Mittelmäßigen gingen hinaus und sammelten, die Frevler mußten umherstreifen und sammeln.
17Es heißt Brot, es heißt Kuchenteig und es heißt sie mahlten; wie ist dies zu erklären? Den Frommen [kam es als fertiges] Brot, den Mittelmäßigen als Teig, die Frevler mahlten es in der Handmühle.
18Oder zerstießen es im. Mörser. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, nach anderen R. Ḥama b.Ḥanina: Dies lehrt, daß Jisraél mit dem Manna auch Kosmetika für die Frauen, was in einem Mörser gestossen wird, herabfielen. Sie kochten es im Topfe. R. Hama sagte: Dies lehrt, daß Jisraél mit dem Manna auch Suppenwürze herabfiel.
19Sie brachten ihm aber noch Morgen für Morgen freiwillige Gaben. Was heißt: Morgen für Morgen? R. Šemuél b.Naḥmani erklärte im Namen R. Jonathans: Von dem, was ihnen Morgen für Morgen herabfiel; dies lehrt, daß Jisraél mit dem Manna auch Edelsteine und Perlen herabfielen. Die Fürsten brachten die Šohamsteine. Es wird gelehrt: Wirkliche Wolken, denn es heißt: Wolken und Wind und doch kein Regen.
20Es schmeckte wie Ölkuchen. R. Abahu sagte: Wie das Kind an der Brust verschiedenartigen Geschmack findet, ebenso fand Jisraél beim Genusse des Manna verschiedenartigen Geschmack. Manche erklären: Wie ein Gespenst verschiedenartige Gestalt annimmt, ebenso nahm das Manna verschiedenartigen Geschmack an.
21Da sprach Moše: Der Herr wird euch abends Fleisch zu essen geben und Brot zur Sättigung am Morgen. Im Namen des R. Jehošua͑ b. Qorḥa wird gelehrt: Das Fleisch, nach dem sie unbillig verlangten, wurde ihnen auf unbillige Weise gewährt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.