Joma — Blatt 75b

1das Brot, nach dem sie billige verlangten, wurde ihnen auf billige Weise gewährt. Die Tora lehrt hier eine Lebensregel, daß man Fleisch nur abends esse. – Abajje sagte ja aber, wer nur eine Mahlzeit hat, esse sie am Tage!? – Er meint: wie am Tage. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Anfangs glichen die Jisraéliten den Hühnern, die [dauernd] im Misthaufen wühlen, da kam Moše und setzte ihnen eine Speisezeit fest.

2Das Fleisch befand sich noch zwischen ihren Zähnen, dagegen heißt es: bis zu einem Monat; wie ist dies zu erklären? Die Mittelmäßigen starben sofort und die Frevler quälten sich bis zur Dauer eines Monats. Sie breiteten sich aus.

3Reš Laqiš sagte: Man lese nicht wajišṭeḥu [ausbreiten], sondern wajišaḥṭu [wurden geschlachtet]; dies lehrt, daß die Feinde Jisraéls Abschlachtung verdienten. Ausbreiten. Im Namen des R. Jehošua͑ b. Qorḥa wurde gelehrt: Man lese nicht šaṭoaḥ [ausbreiten], sondern šaḥuṭ [schlachten]; dies lehrt, daß Jisraél mit dem Manna auch das herabkam, das des Schlachtens bedarf.

4Rabbi sprach: Brauchst du dies denn daraus zu folgern, es heißt ja bereits: er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub und beflügelte Vögel wie Sand am Meere!? Ferner wird gelehrt: Rabbi sagte: So schlachte, wie ich dir geboten habe, dies lehrt, daß Moše [das Durchschneiden] von Speiseröhre und Luftröhre, der größeren Hälfte des einen [Halsorgans] beim Geflügel und beider [Halsorgane] beim Vieh, geboten wurde. Wozu heißt es nun ausgebreitet? Dies lehrt, daß ihnen [die Wachteln] schichtweise herabkamen.

5Es heißt Brot, es heißt Öl und es heißt Honig? R. Jose b. R. Ḥanina erklärte: Den Jungen Brot, den Alten Öl und den Kindern Honig.

6Es heißt Šelav [Wachteln] und wir lesen Selav? R. Ḥanina erklärte: Die Frommen aßen sie in Frieden [šalva], den Frevlern aber waren sie, wenn sie sie aßen, wie Stacheln [silvin].

7R.Ḥanin b. Raba sagte: Es gibt vier Arten Selav, und zwar: der Krametsvogel, die Drossel, der Fasan und die Wachtel; die beste unter ihnen ist der Krammetsvogel, die schlechteste unter ihnen ist die Wachtel. Sie gleicht einem Vögelchen, wenn man sie aber in den Ofen legt, schwillt sie an, daß sie den Ofen füllt. Man, legt sie auf dreizehn Brote [übereinander], und auch das letzte kann nur mit anderem gegessen werden.

8R. Jehuda pflegte sie zwischen den Fässern zu finden; R. Ḥisda pflegte sie zwischen dem Holze zu finden. Der Gartenpächter Rabas pflegte sie ihm jeden Tag zu bringen, und als er sie ihm eines Tages nicht brachte, sprach er: Was bedeutet dies? Hierauf ging er auf den Söller und hörte, wie ein Kind las. Als ich hörte, erbebte mein Leib. Da rief er: Es scheint wohl, daß die Seele R. Ḥisdas zur Ruhe eingekehrt ist. Durch das Verdienst des Lehrers aß sie nämlich der Schüler.

9Es heißt: wenn die Tauniederlassung verschwand, und es heißt: wenn der Tau fiel? R. Jose b. R. Ḥanina erklärte: Tau oben und Tau unten, und [das Manna] war wie in einem Behälter eingeschlossen.

10Feines körniges. Res Laqiš sagte: Etwas, das auf der Handfläche schmolz. R. Joḥanan sagte: Etwas, das von den zweihundertachtundvierzig Gliedern [des Menschen] auf gesogen wurde. – [Der Zahlenwert des Wortes] meḥuspas [körniges] beträgt ja mehr!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Schreibweise ist meḥspas.

11Die Rabbanan lehrten: Brot der Vornehmen aß ein Mann; das Brot, das die Dienstengel essen – so R. A͑qiba. Als dies R. Jišmaél vorgetragen wurde, sprach er zu ihnen: Geht und sagt A͑qiba: A͑qiba, du hast dich geirrt; essen etwa die Dienstengel Brot, es heißt ja: Brot aß ich nicht und Wasser trank ich nicht!? Vornehmen [abirim] bedeutet vielmehr, Brot, das von den Zweihundertachtundvierzig Gliedern [ebarim] aufgesogen wurde. –

12Wieso heißt es demnach: unter deinen Geräten sollst du einen Pflock haben!? – Wegen der Dinge, die ihnen Händler von den weltlichen Völkern verkauften.

13R. Elea͑zar b. Proto sagte: Auch Dinge, die ihnen Händler von den weltlichen Völkern verkauften, läuterte das Manna und [der Schriftvers]: unter deinen Geräten sollst du einen Pflock haben, kam zur Anwendung, nachdem sie gesündigt hatten. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich sagte, sie sollen den Dienstengeln gleichen, nun aber will ich sie drei Parasangen bemühen.

14Es heißt nämlich: sie lagerten am Jarden von Beth Haješimoth bis Abel Hašiṭṭim, und Rabba b. Bar Ḥana erzählte, er habe diesen Ort gesehen und er umfasse drei Parasangen, und ferner wird gelehrt, daß sie, wenn sie zur Notdurft gingen, nicht nach vorn, noch nach der Seite gingen, sondern nach hinten.

15Jetzt aber ist unser Leib ausgetrocknet, denn es ist gar nichts da. Sie sprachen: Das Manna wird in unserem Leibe aufdunsen; gibt es denn einen Weibesgeborenen, der aufnimmt und nicht ausscheidet!?

16Als dies R. Jišma͑él vorgetragen wurde, sprach er zu ihnen: Man lese nicht abirim [Vornehme] sondern ebarim [Glieder]; etwas, das von den zweihundertachtundvierzig Gliedern aufgesogen wird, und [der Schriftvers]: unter deinen Geräten sollst du einen Pflock haben, gilt von dem, was sie aus überseeischen Ländern erhalten haben.

17Eine andere Auslegung: Brot der Vornehmen aß ein Mann,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.