Joma — Blatt 76a
1das ist Jehošua͑, dem das Manna besonders herabfiel, wie ganz Jisraél, denn hier heißt es: aß ein Mann, und dort heißt es: nimm dir Jehošua͑, den Sohn Nuns, einen Mann, in dem Geist. ist. – Vielleicht ist es Moše, denn es heißt:und der Mann Moše war sehr sanftmütig!? – Man deduziert [durch Vergleichung] von Mann mit Mann, nicht aber von Mann mit und der Mann.
2Die Schüler fragten R. Šimo͑n b.Joḥaj: Weshalb fiel das Manna für Jisraél nicht mit einem Male für das ganze Jahr? Dieser erwiderte ihnen: Ich will euch ein Gleichnis sagen. Dies ist mit einem Könige aus Fleisch und Blut zu vergleichen, der einen einzigen Sohn hatte, dem er seinen Unterhalt in einmaligen Jahres[raten] aussetzte. Da aber der Sohn seinen Vater nur einmal jährlich zu besuchen pflegte, überlegte er es sich und setzte ihm seinen Unterhalt täglich aus, sodaß er seinen Vater täglich besuchte.
3Ebenso verhielt es sich mit Jisraél; wer vier oder fünf Kinder hatte, war stets besorgt, indem er dachte: wenn morgen kein Manna fällt, sterben sie alle vor Hunger! So richteten sie alle ihr Herz auf ihren Vater im Himmel.
4Eine andere Erklärung: Sie aßen es noch warm. Eine andere Erklärung: Wegen der Last des Transportes.
5R. Tryphon, R. Jišma͑él und die Ältesten saßen einst und befaßten sich mit dem Abschnitte vom Manna, und auch R. Elea͑zar aus Modai͑m befand sich unter ihnen. Da begann R. Elea͑zar aus Modai͑m und sprach: Das Manna, das Jisraél herabfiel, lag sechzig Ellen hoch. Da sprach R. Tryphon zu ihm: Modäer, wie lange noch wirst du uns mit Faseleien kommen!?
6Jener erwiderte: Meister, ich lege einen Schriftvers aus: Fünfzehn Ellen hoch stiegen die Gewässer, so daß die Berge überschwemmt wurden; fünfzehn Ellen im Tale, fünfzehn Ellen in der Niederung und fünfzehn Ellen auf den Bergen: stand denn das Wasser wie eine Mauer!? Und wie kam da ferner die Arche hinauf!? Vielmehr brachen zuerst alle Quellen der großen Meerestiefe auf, bis das Wasser gleich hoch mit den Bergen war, dann stieg es noch fünfzehn Ellen darüber.
7Welches Maß ist nun reichlicher, das Maß der Güte oder das Maß der Heimsuchung? Du mußt wohl sagen, das Maße der Güte sei reichlicher als das Maß der Heimsuchung. Nun heißt es beim Maße der Heimsuchung: Wie Luken des Himmels öffneten sich, beim Maße der Güte aber heißt es: er gebot den Wolken droben und öffnete die Türen des Himmels, ließ Manna auf sie regnen, daß sie zu essen hätten, und gab ihnen Himmelskorn.
8Da aber gelehrt wird, eine Tür habe vier Luken, so waren es acht [Luken], mithin lag das Manna, das Jisraél herabfiel, sechzig Ellen hoch.
9Es wird gelehrt: Isi b.Jehuda sagte: Das Manna, das Jisraél herabfiel, stieg so hoch, daß alle Könige im Osten und im Westen es sehen konnten, denn es heißt: du bereitest vor mir einen Tisch im Angesichte meiner Bedränger. Abajje sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß der Becher Davids in der zukünftigen Welt zweihunderteinundzwanzig Log fassen wird, denn es heißt: mein Becher hat Überfluß [revaja], und dies ist der Zahlenwert [des Wortes] revaja. –
10Es ist ja aber nicht gleich, da erfolgte es in vierzig Tagen, hierbei aber in einer Stunde. [Oder entgegengesetzt:] da für die ganze Welt, hierbei aber nur für Jisraél, somit kann es ja noch höher gewesen sein!? – R. Elea͑zar folgert dies aus [dem Ausdrucke] ‘öffnen’.
11IST DAS ESSEN VERBOTEN. Wem entsprechend sind diese fünf Kasteiungen? R. Ḥisda erwiderte: Entsprechend den fünf [Versen von der] Kasteiung in der Tora: am zehnten, aber am zehnten, ein Ruhetag, ein Ruhetag, und: es soll euch gelten. –
12Es sind ja fünf, während wir von sechs [Kasteiungen] gelernt haben!? – Das Trinken gehört zum Essen. Reš Laqiš sagte nämlich: Woher, daß das Trinken im Essen einbegriffen ist? Es heißt: du sollst vor dem Herrn, deinem Gotte, essen &c., den Zehnten deines Getreides, Mostes und Öls; Most ist ja Wein, und er nennt es ‘essen’. –
13Wieso denn, vielleicht in dem Falle, wenn man ihn in Inogaron ißt!? Rabba b.Šemuél sagte nämlich: Inogaron ist eine Sauce aus Mangold, Oxigaron ist eine Sauce aus allen anderen gekochten Kräutern.
14Vielmehr, erklärte R. Aḥa b. Ja͑qob, hieraus: kaufe für das Geld, was du irgend begehrst, Rinder und Schafe, Wein und Rauschtrank; Rauschtrank ist ja ein Getränk, und der Allbarmherzige nennt es ‘essen’ –
15Wieso denn, vielleicht ebenfalls in dem Falle, wenn man ihn in Inogaron ißt!? – Es heißt Rauschtrank, was berauscht. – Vielleicht ist hier die qei͑lische Feige gemeint!? Es wird nämlich gelehrt: Wer eine qei͑lische Feige gegessen oder Honig und Milch getrunken hat und in den Tempel eingetreten ist,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.