Joma — Blatt 76b
1ist schuldig!? –
2Vielmehr, es ist vom Naziräer, bei dem es ebenfalls Rauschtrank heißt, zu entnehmen; bei bei diesem darunter Wein zu verstehen ist, ebenso auch hierbei Wein. –
3Ist denn unter Most Wein zu verstehen, es wird ja gelehrt, daß, wenn jemand sich den Most abgelobt hat, ihm jede süße [Frucht] verboten, Wein aber erlaubt sei!? – Ist etwa drunter nicht der Wein zu verstehen, es heißt ja: der Most läßt Jungfrauen wachsen!? – Was vom Most kommt, läßt Jungfrauen wachsen. –
4Es heißt ja aber: deine Kufen von Most überströmen!? – Was vom Most kommt, wird deine Kufen überströmen. –
5Es heißt ja aber: Hurerei, Wein und Most benehmen das Herz!? – Vielmehr, alle stimmen überein, daß unter Most Wein zu verstehen sei, nur richtet er sich bei Gelübden nach dem volkstümlichen Sprachgebrauche. –
6Weshalb nennt er ihn zuweilen Wein und zuweilen Most? – Wein, weil er ein Weinen über die Welt bringt, Most, weil derjenige, der sich ihm hingibt, arm wird.
7R. Kahana wies auf einen Widerspruch hin: Geschrieben steht tiraš und wir lesen tiroš [Most]? Ist er verdienstvoll, so wird er durch ihn Erster [roš], ist er nicht verdienstvoll, so wird er durch ihn arm [raš]. Das ist es, was Raba sagte, den Raba wies auf einen Widerspruch hin: Geschrieben steht ješama(ḥ) [verwüstet] und wir lesen jesamaḥ [erheitert]? Ist er verdienstvoll, so erheitert er ihn, ist er nicht verdienstvoll, so verwüstet er ihn. Das ist es, was Raba sagte: Wein und Wohlgerüche machten mich klug.
8Woher, daß [die Entbehrung des] Waschens und Salbens eine Kasteiung heiße? – Es heißt: wohlschmeckendes Brot aß ich nicht, Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund, und (salben) salbte (ich) mich nicht. – Was heißt: wohlschmeckendes Brot aß ich nicht? R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b.Šilath, erwiderte: Selbst Brot aus gereinigtem Weizen aß er nicht. –
9Woher, daß dies ihm als Kasteiung angerechnet wurde? – Es heißt: sodann sprach er zu mir: Fürchte nicht, Daniél, denn seit dem ersten Tage, da du dir vorgenommen hast, Erkenntnis zu gewinnen und dich vor deinem Gotte zu kasteien, sind deine Worte erhört worden und ich bin wegen deiner Worte gekommen. –
10Wir wissen dies vom Salben, woher dies vom Waschen? R. Zuṭra b. Tobija erwiderte: Die Schrift sagt:Es kommt wie Wasser in sein Inneres und wie Öl in sein Gebein. – Vielleicht gilt dies vom Trinken!? – Gleich dem Öle; wie das Öl äußerlich, ebenso das Wasser äußerlich. –
11Folgender Autor lehrt es ja aber entgegengesetzt!? Wir haben nämlich gelernt: Woher, daß das Salben am Versöhnungstage dem Trinken gleicht? Wenn es auch dafür keinen Beweis gibt, so doch eine Andeutung: es kommt wie Wasser in sein Inneres und wie Öl in sein Gebein. Vielmehr, erklärte R. Aši, ist es hinsichtlich des Waschens aus diesem Verse selbst zu entnehmen, denn es heißt: salben salbte ich mich nicht.
12Was heißt: ich hin wegen deiner Worte gekommen? – Es heißt: und siebzig Männer von den Vornehmen des Hauses Jisraél standen vor ihnen, und Jaazanja, der Sohn Šaphans, stand unter ihnen; ein jeder hatte sein Räucherbecken in der Hand und der Duft der Räucherwolken stieg empor. Ferner: und er reckte etwas wie eine Hand und erfaßte mich an den Locken meines Hauptes, und ein Wind trug mich zwischen Erde und Himmel und brachte mich nach Jerušalem in göttlichen Gesichten an den Eingang des inneren Tores, das nach Norden gewendet ist,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.