Keritot — Blatt 10b
1die Rabbanan sagen ja, man zähle von der zweiten Geburt, doch wohl nach R. Jehuda, somit ist er dieser Ansicht nur erschwerend und nicht erleichternd.
2Ferner sagte R. Aši: Komm und höre:Und sechs Tage, man könnte glauben, einerlei ob zusammenhängend oder zerstreut, so heißt es sechzig, wie die sechzig alle zusammenhängend, ebenso die sechs alle zusammenhängend. Nach wessen Ansicht: wenn nach den Rabbanan, so gibt es nach ihnen nicht zerstreut, denn die Rabbanan sagen ja, man zähle von der zweiten Geburt,
3doch wohl nach R. Jehuda, somit ist er dieser Ansicht nur erschwerend und nicht erleichternd. Schließe hieraus.
4FOLGENDE BRINGEN EIN AUF- UND ABSTEIGENDES OPFER: WEGEN DES FALSCHEN ZEUGENAUFRUFES, WEGEN DES BEKRÄFTIGUNGSSCHWURES, WEGEN VERUNREINIGUNG DES TEMPELS UND SEINER HEILIGEN OPFER, DIE WÖCHNERIN UND DER AUSSÄTZIGE.
5GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Mancher bringt [das Opfer] des Armenund des Reichen, mancher bringt das des Armen und mancher bringt das des Ärmsten.
6Die Wöchnerin bringt das des Armen und des Reichen, der Aussätzige bringt das des Armen, wegen des Zeugenaufrufes, des Bekräftigungsschwures und der Verunreinigung des Tempels und seiner heiligen Opfer ist das des Ärmsten zu bringen.
7Ein Anderes lehrt: Mancher bringt eines anstelle von einem, mancher bringt zwei anstelle von zwei, mancher bringt zwei anstelle von einem, und mancher bringt eines anstelle von zwei. Hieraus lernst du, daß das Zehntel Epha [Mehl]nur eine Peruṭa zu betragen braucht.
8Die Wöchnerin bringteines anstelle von einem, vom Geflügel eine Taube statt eines Lammes; der Aussätzige bringt zwei Tauben statt zweier Lämmer; wegen des Zeugenaufrufes, des Bekräftigungsschwures und der Verunreinigung des Tempels und seiner heiligen Opfer bringe man zwei Tauben statt eines Lammes. Manche bringen [das Opfer] des Ärmsten, ein Zehntel Epha statt der zwei Tauben.
9Er lehrt: hieraus lernst du, daß das Zehntel Epha [Mehl] nur eine Peruṭa zu betragen braucht; woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand sagte: ich nehme auf mich, für den Altar im Werte eines Sela͑ [zu spenden], so bringe er ein Lamm, denn nichts außer einem Lamme ist im Werte eines Sela͑ darzubringen. –
10Woher dies? – Da der AllbarmherzigeWidder sagt, so ist es ein Schuldopfer für zwei Šeqel, wonachein Lamm um einen Sela͑, und wenn eserstjähriges Lamm heißt, so ist unter Widder ein zweijähriges zu verstehen. Ferner wird gelehrt: An jenem Tagefiel das Taubenpaar auf ein Viertel [Silberdenar].
11Wie nun der Allbarmherzige den Armen geschont hat, [sein Opfer] auf ein Sechzehnteldes Reichen [herabzusetzen], so hat der Allbarmherzige den Ärmsten geschont, seines auf ein Sechzehntel des Armen [herabzusetzen]. –
12Wenn das des Armen ein Viertel [Silberdenar] beträgt, so beträgt ja das Sechzehntel des Ärmsten, da das Viertel [Silberdenar] achtundvierzig Perutashat, drei Peruṭas;
13wieso lehrt er, hieraus sei zu lernen, daß das Zehntel Epha [Mehl] eine Peruṭa betrage; wieso eine Peruṭa, du sagtest ja, ein Zehntel Epha sei [das Opfer] des Ärmsten, und du sagtest, das des Ärmsten betrage ein Sechzehntel, mithin sind es ja drei Peruṭas!? –
14Der Autor folgert es von der Wöchnerin, die eine Taube statt eines Lammes bringt, ein Zweiunddreißigsteleines Lammes. – Aber wenn das des Ärmsten ein Sechzehntel des Armen beträgt, und dies von Lamm und Widderzu folgern ist, so sind es ja immerhin anderthalb Peruṭas!?
15Raba erwiderte: Alles ist von der Wöchnerin zu folgern, und er meint es wie folgt: wie der Allbarmherzige den Armen geschont hat, [sein Opfer] auf ein Zweiunddreißigstel des Reichen [herabzusetzen], nämlich bei einer Wöchnerin, so hat der Allbarmherzige den Ärmsten geschont, seines auf ein Zweiunddreißigstel des Armen [herabzusetzen]. –
16Diesist ja ein Viertel Peruṭa weniger!? – Dem ist auch so, nur ist es nicht schicklich, für Gott weniger als eine Peruṭa zu bringen.
17WELCHEN UNTERSCHIED GIBT ES ZWISCHEN EINER SKLAVINUND ALLEN ANDEREN INZESTUÖSEN, DENEN SIE NICHT GLEICHT, WEDER HINSICHTLICH DER STRAFE NOCH HINSICHTLICH DES OPFERS? WEGEN ALLER ANDEREN INZESTUÖSEN IST EIN SÜNDOPFER DARZUBRINGEN, WEGEN EINER SKLAVIN ABER EIN SCHULDOPFER; WEGEN ALLER ANDEREN INZESTUÖSEN EIN MÄNNLICHES [TIER], WEGEN EINER SKLAVIN ABER EIN WEIBLICHES;
18BEI ALLEN ANDEREN INZESTFÄLLEN GLEICHEN DER MANN UND DAS WEIB EINANDER HINSICHTLICH DER GEISSELUNGUND HINSICHTLICH DES OPFERS, BEI DER SKLAVIN ABER GLEICHT DER MANN NICHT DEM WEIBE HINSICHTLICH DER GEISSELUNG, UND DAS WEIB NICHT DEM MANNEHINSICHTLICH DES OPFERS;
19BEI ALLEN ANDEREN INZESTFÄLLEN GLEICHT DIE ANSCHMIEGUNGDEM VOLLENDETEN [BEISCHLAF] UND MAN IST WEGEN JEDES GESCHLECHTSAKTES BESONDERSSCHULDIG;
20ENDLICH IST ES BEI DER SKLAVIN STRENGER,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.