Keritot — Blatt 28b
1Man erzählt [ferner], daß während all seiner Tage kein Übriggebliebenes im Tempelhofe war.
2Der dritte Schrei: Erhebet, ihr Tore, eure Häupter, auf daß Elišamab. Pikhaj, Schüler des Pinḥas, eintrete und als Hochpriester, fungiere.
3Der vierte Schrei: Öffnet euch, ihr Tore, und hinaus von hier Jissakhar aus Kephar Barqaj, der sich selber ehrt und die Heiligtümer des Himmels schändet. – Was tat er? – Er wickelte seine Hände in Seide und verrichtete den Tempeldienst. –
4Wie erging es ihm? – Der König Jannaj und die Königin saßen [und stritten]; der König sagte, ein Böckchen sei besser, und die Königin sagte, ein Lämmchen sei besser. Alsdann sprachen sie: Wir wollen Jissakhar aus Kephar Barqaj fragen, denn er ist Hochpriester und kennt sich darinaus.
5Da fragten sie ihn, und er erwiderte: Wäre ein Böckchen besser, so würde man es doch zum beständigen Opfer verwenden. Beim Sprechen aber gestikulierte er mit der Hand. Hierauf sprach der König: Da er mit der Handgestikulierte, haue man ihm die rechte Hand ab. Er aber gab Bestechung, und man hieb ihm die linke Hand ab. Als der König dies erfuhr, befahl er, daß man ihm auch die rechte Hand abhaue. R. Joseph sprach: Gepriesen sei der Allbarmherzige, daß er Jissakhar aus Kephar Barqaj seine Strafe [auf dieser Welt] erhalten ließ.
6R. Aši sagte: Er hatte unsere Mišna nicht gelernt: Schafe werden überall vor Ziegen genannt, man könnte glauben, weil sie bevorzugter sind, so heißt es: wenn ein Schaf, dies lehrt, daß sie einander gleichen.
7Rabina sagte: Er hat auch die Schrift nicht gelesen, denn es heißt:wenn ein Schaf, wenn eine Ziege.
8R. Elea͑zar sagte im Namen R. Ḥaninas: Die Schriftgelehrten mehren den Frieden in der Welt, denn es heißt:und all deine Söhne sind Gottesgelehrte, und groß ist der Friede deiner Kinder.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.