Keritot — Blatt 5a
1daher schrieb der Allbarmherzige: du darfst nicht [verzehren], daß dies auch mit einem Verbote belegt ist.
2Es ist aber nur ein allgemein gehaltenes Verbot!? – Die Schrift könnte ja sagen: du darfst sie nicht in deinen Städten verzehren, wenn es aber heißt: den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls, so wird das Essen von jedem einzelnen besonders geteilt.
3R. Jiçḥaq sagte: Wer Brot, Rostkörner und Frischfrucht gegessen hat, ist dreimal zu geißeln. – Wegen des allgemein Verbotenen ist ja nicht zu geißeln!? – Anders ist es hierbei, denn es sind überflüssige Schriftworte vorhanden.
4Die Schrift sollte es ja nur vom Brote gesagt haben, und man würde davon hinsichtlich der Rostkörner und der Frischfrucht gefolgert haben. – Es ist ja aber zu erwidern: wohl gilt dies vom Brote, das hinsichtlich der Teighebebevorzugter ist!? –
5Sie sollte es nur von Rostkörnern und nicht vom Brote geschrieben haben, und man würde bezüglich dessen von den Rostkörnern gefolgert haben. – Von den Rostkörnern ist hinsichtlich des Brotes nicht zu folgern, weil Rostkörner sich in ihrem natürlichen Zustande befinden, das Brot aber sich nicht im natürlichen Zustande befindet. Ebenso ist hinsichtlich der Frischfrucht nicht von den Rostkörnern zu folgern, weil Rostkörner einbegriffen sind beim Speisopfer, die Frischfrucht aber nicht einbegriffen ist beim Speisopfer!? –
6Sie sollte es nur von der Frischfrucht geschrieben haben, und man würde davon hinsichtlich des Brotes und der Rostkörner gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von der Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand nicht verändert hat!? –
7Wenn auch von einem nicht zu folgern wäre, so könnte man immerhin eines von zweien folgern: die Schrift sollte es nicht vom Brote geschrieben haben, und man würde bezüglich dessen von Rostkörnern und Frischfrucht gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von Rostkörnern und Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand behalten haben!? – Die Schrift sollte es nicht von der Frischfrucht geschrieben haben, und man würde bezüglich dieser von Brot und Rostkörner gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von Brot und Rostkörnern, die einbegriffen sind beim Speisopfer!? –
8R. Jiçḥaq kann dir erwidern: die Schrift sollte es nicht von den Rostkörnern geschrieben haben, und man würde bezüglich dieser von Brot und Frischfrucht gefolgert haben. Was wäre dagegen zu erwidern; erwidert man: wohl gilt dies vom Brote, das hinsichtlich der Teighebe bevorzugter ist, so beweist die Frischfrucht[das Entgegengesetzte], und erwidert man: wohl von der Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand nicht verändert hat, so beweist das Brot[das Entgegengesetzte]. Es ist somit überflüssig, und er ist deshalb zu geißeln. –
9Vielleicht ist man wegen der Rostkörner, die unnötig genannt sind, einmal schuldig, und wegen aller zusammen ebenfalls nur einmal!? Wenn dem so wäre, so sollte doch die Schrift geschrieben haben: Brot, Frischfrucht und Rostkörner, oder sie sollte geschrieben haben: Rostkörner, Brot und Frischfrucht, wenn sie aber Rostkörner in der Mitte geschrieben hat, so meint sie es wie folgt: man ist wegen des Brotes wie wegen der Rostkörner schuldig, und wie wegen der Rostkörner ist man wegen der Frischfrucht schuldig.
10R. Jannaj sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] des Verwerflichen ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie.
11R. Joḥanan sagte nämlich: Zabhda b. Levi lehrte: Daheißt es: wer davon ißt, soll seine Sünde tragen, und dortheißt es: und die Person, die davon ißt, soll ihre Sünde tragen, wie es da die Ausrottungist, ebenso auch dort die Ausrottung.
12R. Simaj sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] des Übriggebliebenen ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie. –
13Welches Bewenden hat es damit? – Er folgert es durch [das Wort] heilig; [es heißt:] wer davon ißt, soll seine Sünde tragen, denn er hat das Heilige des Herrn entweiht, und es heißt:du sollst das Übrigbleibende im Feuer verbrennen, denn es ist heilig.
14Abajje sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] der Tochter seiner Genotzüchtigten ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie.
15Raba sagte nämlich: R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte mir, das Verbot sei durch [das Wort]
16sie, und die Verbrennung sei durch [das Wort] Unzuchtzu entnehmen.
17R. Aši sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; die Steinigungist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte es nur durch eine Wortanalogie.
18Es wird nämlich gelehrt: Daheißt es: Blutschuld lastet auf ihnen, und beim Totenbeschwörer und Wahrsager heißt es:Blutschuld lastet auf ihnen, wie da durch Steinigung, ebenso auch hierbei durch Steinigung.
19WEH DAS SALBÖL MENGT &C. Die Rabbanan lehrten: Wer das Salböl mengt, um es zu lernen, oder es der Gemeinde zu übergeben, ist frei, wenn um sich damit zu schmieren, so ist er schuldig; wer sich damit schmiert, ist frei, weil man schuldig ist nur wegen des Sichschmierens mit dem Salböl, das Mose bereitet hat.
20Der Meister sagte: Wenn um es zu lernen, oder es der Gemeinde zu übergeben, so ist er frei. Woher dies? – Es ist durch [das Wort] Verhältnis zu folgern, das auch beim Räucherwerkegebraucht wird, und beim Räucherwerke heißt es:sollt ihr euch nicht machen, für euch ist es verboten, wenn aber der Gemeinde zu übergeben, so ist man frei; ebenso ist man beim Salböl frei, wenn der Gemeinde zu übergeben. –
21Sollte man es doch ebenso hinsichtlich des Räucherwerkes vom Salböl folgern: wie man frei ist, wenn man das Salböl in Hälftenmengt, ebenso ist man frei, wenn man Räucherwerk in Hälften mengt; wieso sagte demnach Raba, wer das Räucherwerk in Hälften mengt, sei schuldig, und wer das Öl in Hälften mengt, sei frei!? –
22Raba kann dir erwidern: beim Öl heißt es:in seinem Verhältnisse sollt ihr gleiches nicht machen, gleiches ist verboten, in Hälften aber ist es erlaubt; beim Räucherwerke aber heißt es:das Räucherwerk das du machst, jedes Machen des Räucherwerkes; man kann auch die Hälfte morgens und die Hälfte abends räuchern.
23Die Rabbanan lehrten: Das Salböl [besteht aus folgendem]: ausgeflossene Myrrhe fünfhundert, Kassia fünfhundert, wohlriechender Zimmt fünfhundert, wohlriechender Kalmus zweihundertfünfzig; es ergibt sich, daß alles zusammen eintausendsiebenhundertundfünfzig betrug.
24Braucht der Autor uns denn die Gesamtzahl zu lehren!? – Dem Autor war folgendes unklar: vielleicht wohlriechender Kalmus ebensoviel wie wohlriechender Zimmt; wie vom wohlriechenden Zimmt zweihundertfünfzig die Hälfte ist, ebenso ist vom wohlriechenden Kalmus zweihundertfünfzig die Hälfte, das sind also zweitausend. –
25Vielleicht ist dem auch so!? – Demnach müßte der Schriftvers lauten: wohlriechender Zimmt und wohlriechender Kalmus eine Hälfte und eine Hälfte, je zweihundertundfünfzig.
26R. Papa sprach zu Abajje: Wog er beim Wägen mit Übergewicht oder wog er genau? Dieser erwiderte: Der Allbarmherzige sagtgenaue Teile, und du sagst, mit Übergewicht. – R. Jehuda sagte ja aber, der Heilige, gepriesen sei er, kenne das Übergewicht; demnach gab es ein Übergewicht!?
27R. Jehuda sagtenämlich: Weshalb nahm er vom wohlriechenden Zimmt die Hälften von fünfhundert, einmal zweihundertfünfzig und wiederum zweihundertfünfzig, sollte er doch, da es zusammen fünfhundert sind, fünfhundert mit einem Male genommen haben!? Da er nun den wohlriechenden Zimmt in zwei Teile nahm, so geschah es wegen des Übergewichtes, und der Heilige, gepriesen sei er, kennt das Übergewicht. –
28Was heißt demnach: genaue Teile? Rabina erwiderte: Daß er nicht das Gewogene als Gewicht benutze und damit wäge.
29Die Rabbanan lehrten: Das Salböl, das Moše in der Wüste machte, kochte er mit den Wurzeln – so R. Jehuda. R. Jose sprach zu ihm: Es würde ja nicht einmal zum Bestreichen der Wurzeln gereichthaben!? Vielmehr machte er es wie folgt; man holte die Wurzeln und kochte sie in Wasser, sodanngoß man darüber das Salböl, damit es den Duft annehme, und wischte es herunter.
30R. Jehuda sprach zu ihm:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.