Keritot — Blatt 5b

1Geschah denn beim Salböl nur ein Wunder, dabei geschahen ja von Anfang bis Ende viele Wunder. Es war nur zwölf Log, und damit wurden die Wohnung und ihre Geräte gesalbt, Ahron und seine Söhne alle sieben Tage der Einweihung, damit wurden die Hochpriester und die Könige gesalbt, und es ist noch vollständig für die Zukunft aufbewahrt,

2denn es heißt:mir geheiligtes Salböl soll dieses sein für eure Geschlechter. Diesesbeträgt zwölf, [soviel] Log waren es.

3Die Rabbanan lehrten:Und Moše nahm das Salböl und salbte die Wohnung &c. R. Jehuda sagte: Mit dem Salböl, das Moše in der Wüste machte, sind von Anfang bis Ende viele Wunder geschehen. Es war von Anfang an nur zwölf Log: wieviel saugt der Kessel ein, wieviel saugen die Wurzeln ein, wieviel verzehrt das Feuer, und dennoch wurden damit die Wohnung und ihre Geräte gesalbt, Ahron und seine Söhne alle sieben Tage der Einweihung,

4und damit wurden die Hochpriester und die Könige gesalbt. Auch ein Hochpriester, der Sohn eines Hochpriesters ist, benötigt der Salbung; ein König aber, der Sohn eines Königs ist, ist nicht zu salben. Wenn du aber einwendest, weshalb man demnach Šelomo gesalbt hat, [so erfolgte dies] wegen der Prätension Adonijahus; ebenso Jehoaš wegen der A͑thalja, und ebenso Jehoaḥaz, wegen seines Bruders Jehojaqim, der zwei Jahre älter war als er.

5Der Meister sagte: Auch ein Hochpriester, der Sohn eines Hochpriesters ist, benötigt der Salbung. Woher dies? – Es heißt:und der Priester, der seinerstatt von seinen Söhnen gesalbt wird; die Schrift sollte ja sagen: der Priester, der von seinen Söhnen seinerstatt ist, wenn es aber der gesalbt wird heißt, so besagt dies, daß auch von seinen Söhnen nur derjenige Hochpriester ist, der gesalbt wird, wer aber nicht gesalbt wird, ist nicht Hochpriester.

6Der Meister sagte: Ein König aber, der Sohn eines Königs ist, ist nicht zu salben. Woher dies? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Die Schrift sagt: damit er lange Tage gedeihe auf seinem Throne, er und seine Söhne; es ist eine Erbschaft.

7Weshalb aber salbten sie Šelomo? Wegen der Prätension Adonijas. – Woher, daß bei einer Prätension eine Salbung erforderlich ist und der König nicht nach Belieben das Königtum vererben kann? R. Papa erwiderte: Die Schrift sagt:in der Mitte Jisraéls, wenn Frieden in Jisraél ist.

8Es wird gelehrt: Auch Jehu, der Sohn Nimšis, wurde nur wegen der Prätension Jorams, des Sohnes Aḥábs, gesalbt. – Wozu dies, es sollte ja schon der Umstand ausreichen, daß er der erste Königwar!? – Die Lehre ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: die Könige des Davidischen Hauses salbte man, die Könige Jisraéls salbte man nicht. Wenn du aber einwendest, weshalb man demnach Jehu, den Sohn Nimšis, gesalbt hat, [so erfolgte dies] wegen der Prätension Jorams, des Sohnes Aḥábs.

9Der Meister sagte: Die Könige des Davidischen Hauses salbte man, die Könige Jisraéls salbte man nicht. Woher dies? – Es heißt:auf, salbe ihn, denn dieser ist es; dieser benötigt der Salbung, ein anderer aber benötigt nicht der Salbung.

10Der Meister sagte: Wegen der Prätension Jorams. Sollte man denn wegen der Prätension Jorams, des Sohnes Aḥábs, eine Veruntreuung am Salböl begangenhaben!? – Wie R. Papa erklärt hat, mit reinem Balsamöl, ebenso auch hierbei mit reinem Balsamöl.

11«Ebenso Jehoaḥaz wegen des Jehojaqim, der zwei Jahre älter war als er.» War er denn älter, es heißt ja:und die Söhne Jošijas waren Joḥanan, der Erstgeborene, Jehojaqim, der zweite, Çidqijahu, der dritte, und Šallum, der vierte, und hierzu sagte R. Joḥanan: Johanan, Jehoaḥaz, Çidqijahu und Šallum seien identisch!? –

12Er nennt ihn deshalb Erstgeborener, weil er hinsichtlich der Thronfolge als Erstgeborener galt. – Wird denn der jüngere vor dem älteren eingesetzt, es heißt ja:aber die Königswürde übergab er Jehoram, denn er war der Erstgeborene? – Er hatte die Stelle seiner Vorfahren ausgefüllt.

13Der Meister sagte: Šallum und Çidqijahu sind identisch. Er zählt sie ja in der Reihenfolge auf!? – Er nennt ihn dritter, weil er der dritte der Söhne ist, und er nennt ihn vierter, weil er der vierte der Regierenden war, denn vor ihm regierte Jekhonja. Zuerst regierte Jehoahaz, dann regierte Jehojaqim, dann regierte Jekhonja und nachher regierte Çidqijahu.

14Die Rabbanan lehrten: Šallum und Çidqijahu sind identisch, und Šallum heißt er nur deshalb, weil er vollständig [šalem] war in seinen Werken. Eine andere Erklärung. Šallum [heißt er deshalb], weil in seinen Tagen die Regierung des Davidischen Hauses zuende war [šalem]. Sein eigentlicher Name war Matanja, denn es heißt:und er setzte seinen Oheim Matanja an seiner Statt zum Könige ein, und er wandelte seinen Namen um in Çidqija.

15Er sprach nämlich zu ihm: Gott möge über dich ein gerechtes Urteil fällen [jah jaçdiq], wenn du mir abtrünnig wirst, denn es heißt:und er brachte ihn nach Babel, und es heißt:auch vom Könige Nebukhadneçar ward er abtrünnig, der ihn doch bei Gott beschworen hatte.

16War damals denn das Salböl vorhanden, es wird ja gelehrt: Ais die Bundeslade versteckt wurde, wurde auch das Gefäß Mannaversteckt, das Fläschchen Salböl, der Stab Ahrons mit den Mandeln und den Blütendesselben,

17und die Truhe, die die Pelištim als Geschenk für den Gott Jisraéls gesandt hatten, wie es heißt:und die goldenen Geräte, die ihr ihm als Schuldgabe erstattet habt, legt in die Truhe, an seiner Seite. – Wer versteckte sie? – Josijahu, der König von Jehuda, versteckte sie, denn es heißt:da sprach &c. setzt die heilige Lade,

18und hierzu sagte R. Elea͑zar,

19man entnehme diesaus [den Worten] dort, Geschlechter

20und Verwahrung!? R. Papa erwiderte: Mit reinem Balsamöl.

21Die Rabbanan lehrten: Man salbt die Könige in der Art eines Kranzes und die Priester in der Art eines Chi. R. Menasja erklärte: In der Art eines griechischen Chi. Das Eine lehrt, man gieße ihm das Öl zuerst auf das Haupt und nachher tue man ihm Öl zwischen die Augenbrauen, und ein Anderes lehrt, man tue ihm zuerst Öl zwischen die Augenbrauen und nachher gieße man ihm das Öl auf das Haupt!? –

22[Hierüber streiten] Tannaím; einer sagt, die Salbung sei bevorzugter, und einer sagt, das Gießen sei bevorzugter. – Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, das Gießen sei bevorzugter? – Es heißt:sodann goß er etwas vom Salböl auf das Haupt Ahrons. – Und desjenigen, welcher sagt, die Salbung sei bevorzugter? – Er ist der Ansicht, weil dieses auch bei den Dienstgeräten erfolgt. –

23Es heißt ja aber zuerst goß und nachher salbte!? – Er meint es wie folgt: er goß es deshalb, um ihn zu salben und ihn zu heiligen.

24Die Rabbanan lehrten:Wie das köstliche Öl, das über das Haupt &c. Zwei Tropfen wie die Perlen hingen am Barte Ahrons. R. Kahana sagte: Es wird gelehrt: Wenn er redete, stiegen sie nach oben und blieben an den Wurzeln seines Bartes sitzen. Dieser Sache wegen war Moše besorgt, indem er sagte: Vielleicht habe ich, behüte und bewahre, am Salböl eine Veruntreuungbegangen.

25Da ertönte eine Hallstimme und sprach:Wie der Tau des Ḥermon, der über die Berge Çijons niedergeht. Wie man am Tau keine Veruntreuung begeht, ebenso ist am Salböl, das am Barte Ahrons niedergeht, keine Veruntreuung begangen worden.

26Aber dessenungeachtet war noch Ahron besorgt, indem er sagte: Vielleicht hat nur Moše keine Veruntreuung begangen, ich aber habe wohl eine Veruntreuung begangen. Da ertönte eine Hallstimme und sprach zu ihm:Siehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder beisammen wohnen; wie Moše keine Veruntreuung begangen hat, ebenso hast auch du keine Veruntreuung begangen.

27Die Rabbanan lehrten: Man salbt die Könige nur an einer Quelle, damit ihre Regierung sich lange hinziehe, wie es heißt:und der König sprach (zu Benajahu) &c. und bringet ihn zum Giḥon und es salbe ihn dort &c.

28R. Ami sagte: Wenn jemand wissen will, ob er das Jahr überleben werde oder nicht, so bringe er in den zehn Tagen vom Neujahrstage bis zum Versöhnungstage eine brennende Leuchte in ein Haus, in dem kein Zug weht, und wenn sie ganz ausbrennt, so wisse er, daß er das Jahr überleben werde.

29Wenn jemand ein Geschäft unternimmt und wissen will, ob er beim Geschäfte Glück haben werde oder nicht, so züchte er einen Hahn, und wenn er fett und feist wird, so wisse er, daß er Glück haben werde.

30Wenn jemand eine Reise antritt und wissen will, ob er auch heimkehren werde, so trete er in ein dunkles Hausein, und wenn er den Widerschein seines Schaltens sieht, so wisse er, daß er auch heimkehren werde.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.