Keritot — Blatt 6a
1Dies [zu tun] ist jedoch keine Art, denn man könnte dadurch den Mut verlieren und Unglück haben.
2Abajje sagte: Da du nun sagst, Merkzeichen seien von Bedeutung, so pflege man am Neujahrstage Kürbis, Fönnkraut, Porre, Mangold und Dattelnzu essen.
3R. Mešaršeja sprach zu seinen Söhnen: Wenn ihr zu eurem Lehrer lernen gehen wollt, so präpariert vorher eure Mišna und geht erst nachher, zu eurem Lehrer; und wenn ihr vor eurem Lehrer sitzet, so schauet auf den Mund eures Lehrers, denn es heißt:deine Augen sollen nach deinem Lehrer schauen. Und wenn ihr eine Lehre studiert, so studiert an einem Gewässer, damit euer Studium sich hinziehe, wie ein Gewässer sich hinzieht.
4Lieber auf dem Misthaufen von Matha Meḥasja als in den Palästen von Pumbeditha. Lieber einen stinkenden Fisch essen als Quark, der Felsen sprengt.
5Und Ḥanna betete und sprach: Es jubelt mein Herz in dem Herrn, erhoben ist mein Horn; erhoben ist mein Horn, aber nicht erhoben ist mein Krüglein. David und Šelomo waren mit dem Horngesalbt worden, und ihre Regierung war von Dauer; Šaul und Jehu waren mit dem Krügleingesalbt worden, und ihre Regierung war nicht von Dauer.
6WER DAS RÄUCHERWERK MENGT. Die Rabbanan lehrten: Wer das Räucherwerk mengt, um es zu lernen, oder es der Gemeinde zu übergeben, ist frei, wenn um daran zu riechen, so ist er schuldig; wer daran riecht ist frei, nur hat er eine Veruntreuung begangen. –
7Gibt es denn eine Veruntreuung durch das Riechen, R. Šimo͑n b. Pazzi sagte ja im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi im Namen Bar Qapparas, es gebe keine Veruntreuung durch Gehör, Gesicht und Geruch!? –
8Nur nach dem Aufsteigen der Rauchwolkegibt es beim Geruche keine Veruntreuung mehr, denn du hast nichts, woran man eine Veruntreuung begeht, nachdem damit das Gebot ausgeübt worden ist. –
9Etwa nicht, bei der Abhebung der Aschebegeht man ja eine Veruntreuung, nachdem das Gebot ausgeübt worden ist!? –
10Vom Abheben der Asche und von den priesterlichen Amtskleidernlehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu entnehmen. –
11Allerdings nach den Rabbanan, wie ist es aber nach R. Dosa zu erklären!? Es wird nämlich gelehrt:Er lege sie dort nieder, dies lehrt, daß sie versteckt werden müssen.
12R. Dosa sagt, sie seien für einen gemeinen Priester verwendbar, und [die Worte:] er lege sie dort nieder, deuten nur darauf, daß er sie nicht am nächsten Versöhnungstage verwenden dürfe. –
13Vom Abheben der Asche und vom genickbrochenen Kalbelehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu entnehmen. – Welches Bewenden hat es mit dem Abheben der Asche? – Es wird gelehrt:Er lege sie neben den Altar, dies lehrt, daß man sie verstecken muß. – Welches Bewenden hat es mit dem genickbrochenen Kalbe? – Es wird gelehrt:Sie sollen da im Tale dem Kalbe das Genick brechen, dies lehrt, daß es da zu verstecken ist.
14Und auch nach demjenigen, welcher sagt, wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, sei davonwohl zu entnehmen, ist hierbei von diesen nichts zu entnehmen, weil es zwei Ausschließungen sind. Beim Abheben der Asche heißt es: er lege sie, nur diese und nichts anderes, und beim genickbrochenen Kalbe heißt es: dem das Genick gebrochen worden ist, nur [das Kalb,] dem das Genick gebrochen worden ist, anderes aber nicht.
15Die Rabbanan lehrten: Die Zusammensetzung des Räucherwerkes: Mastix, Teufelsklaue, Galban und Weihrauch im Gewichte von je siebzig Minen; Myrrhe, Kassia, Spikenarde und Safran im Gewichte von je sechzehn Minen; Kostwurz zwölf, Gewürzrinde drei, Zimmt neun. Ferner neun Kab Lauchlauge, drei Seá Kapernwein, drei Kab. Ist kein Kapernwein zu haben, so hole man alten Weißwein. Ein Viertelkab Feinsalz und etwas Rauchkraut. R. Nathan sagt, auch etwas Jardenkraut.
16Tut man Honig hinein, so macht man es untauglich; läßt man eines von diesen Ingredienzen fort, so macht man sich des Todes schuldig. R. Šimo͑n sagte: Mastix ist nichts weiter als ein Harz des Balsambaumes, Lauchlauge dient zum Abreiben der Teufelsklaue, damit sie schön aussehe; der Kapernwein dient zum Einweichen der Teufelsklaue, damit sie kräftig sei. Eigentlich ist Urindazu geeigneter, jedoch bringe man keinen Urin in den Tempel.
17Dies ist eine Stütze für R. Jose b. Ḥanina, denn er sagte: Es ist heilig, heilig soll es euch sein, all seine Verrichtungen dürfen nur in Heiligkeit erfolgen.
18Man wandte ein: Wenn jemand sein Vermögen dem Heiligtumeweiht, und darunter sich Dinge befinden, die als Gemeindeopfer geeignet sind, so dürfen sie den Werkmeistern als Lohn gegeben werden.
19Welche geeignete Dinge: wenn Vieh (und Wild), so werden sie ja daausdrücklich genannt, wenn Wein, Öl und Mehl, so werden sie ja da ausdrücklich genannt, doch wohl Räucherwerk!?
20R. Oša͑ja erwiderte: Dies gilt von dem, was den Werkmeistern als Lohn gegeben worden ist. Es wird nämlich gelehrt: Wofür verwandte man den Überschußdes Räucherwerkes? Man reservierte ihn als Lohn für die Werkmeister. Man weihte ihn aus durch das Geld für die Werkmeister und zahlte ihn den Werkmeistern als Lohn, sodann kaufte man ihn von diesen zurück [für Geld] von der neuen Hebe.
21R. Joseph wandte ein: Von allen Überschüssenlehrt er ja, daß man sie [für Geld] von der neuen Hebe Zurückkaufe, hierbei aber lehrt er es nicht!?
22Vielmehr, erklärte R. Joseph, dies gilt von irgend welchen Spezereien für das Räucherwerk.
23Die Rabbanan lehrten: Das Räucherwerk wurde angefertigt aus dreihundertachtundsechzigMinen, dreihundertfünfundsechzig entsprechend den Tagen des Sonnenjahres, und von den drei übrigbleibenden Minen nahm der Hochpriester seine Hände vollam Versöhnungstage, während der Rest den Werkmeistern als Lohn gegeben wurde.
24Es wird auch gelehrt: Wofür verwandte man den Überschuß des Räucherwerkes? Man weihte ihn aus durch das als Lohn für die Werkmeister reservierte Geld und gab ihn den Werkmeistern als Lohn, sodann kaufte man ihn von diesen zurück [für Geld] von der Hebe aus der Tempelkammer.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.