Keritot — Blatt 7b

1Er meint es wie folgt: der Gotteslästerer bringe ein Opfer dar, weil bei ihm die Ausrottung anstelle des Opfers genannt wird – so R. A͑qiba. Er ist der Ansicht, da die Ausrottung anderweitig stehen sollte, aber [im Abschnitte] von den Opfernsteht, so ist zu entnehmen, daß er ein Opfer darbringe.

2Und [die Worte:] ferner heißt es:er soll seine Sünde tragen, sind von den Rabbanan. R. A͑qiba sprach zu den Rabbanan wie folgt: Ihr sagt, der Gotteslästerer begehe keine Tätigkeit: Gotteslästererist ja derjenige, der den Gottesnamen beschimpft, wozu wird nun die Ausrottung [beim Gotteslästerer]genannt?

3Sie erwiderten ihm: Um daraus die Ausrottung für den Beschimpfenden zu entnehmen. Beim Beschimpfenden heißt es:er soll seine Sünde tragen, und beim zweiten Pesaḥ heißt es ebenfalls:er soll seine Sünde tragen, wie da die Ausrottung, ebenso hier die Ausrottung.

4Die Rabbanan lehrten:Er lästerte den Herrn. Isi b. Jehuda sagte: Wie wenn jemand zu seinem Nächsten sagen würde: Du hast die Schüssel ausgerafftund sie auch beschädigt. Er ist der Ansicht, lästern heiße den Gottesnamen beschimpfen.

5R. Elea͑zar b. A͑zarja sagte: Wie wenn jemand zu seinem Nächsten sagen würde: du hast die Schüssel ausgerafft und sie nicht beschädigt. Er ist der Ansicht, lästern heiße Götzenverehren.

6Ein Anderes lehrt: Den Herrn. R. Elea͑zar b. A͑zarja sagt, die Schrift spreche vom Götzendienste; die Weisen sagen, die Schrift wolle damit nur die Beschimpfung des Gottesnamens mit der Ausrottung belegen.

7MANCHE [WÖCHNERINNEN] BRINGEN EIN OPFER, UND ES IST ZU ESSEN, MANCHE BRINGEN EIN OPFER, UND ES IST NICHT ZU ESSEN, [UND MANCHE BRINGEN ÜBERHAUPT KEINES].

8MANCHE BRINGEN EIN OPFER, UND ES IST ZU ESSEN: DIE ETWAS VIEH-, WILD- ODER VOGELARTIGES ABORTIERT HAT – SO R. MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, NUR WENN ETWAS MENSCHENÄHNLICHES DARAN WAR.

9DIE EINEN SANDEL, EINE NACHGEBURT ODER EINE ENTWICKELTE EIHAUT ABORTIERT HAT, ODER WENN [DIE GEBURT] ZERSTÜCKELT HERAUSKAM. EBENSO BRINGT EINE SKLAVIN, DIE ABORTIERT HAT, EIN OPFER, UND ES IST ZU ESSEN.

10FOLGENDE BRINGEN EINES UND ES IST NICHT ZU ESSEN: DIE ABORTIERT HAT UND NICHT WEISS, WAS SIE ABORTIERT HAT, UND ZWEI FRAUEN, DIE ABORTIERT HABEN, EINE, WAS [ZUM OPFER] NICHT VERPFLICHTET, UND EINE, WAS DAZU VERPFLICHTET. R. JOSE SAGTE: NUR DANN, WENN EINE NACH OSTEN UND EINE NACH WESTEN GEGANGEN IST, WENN ABER BEIDE DASTEHEN, SO BRINGEN BEIDE EIN OPFER, UND ES IST ZU ESSEN.

11FOLGENDE BRINGEN KEINES: DIE EINE EIHAUT VOLL WASSER, VOLL BLUT ODER VOLL VERSCHIEDENER GEBILDE ABORTIERT HAT, DIE ETWAS FISCH-, HEUSCHREKKEN-, EKELTIER- ODER KRIECHTIERARTIGES ABORTIERT HAT, DIE AM VIERZIGSTEN TAGEEINE FEHLGEBURT ABORTIERT HAT, UND DIE EINE SEITENGEBURT [ZUR WELT GEBRACHT] HAT. R. ŠIMO͑N VERPFLICHTET DAZU BEI EINER SEITENGEBURT.

12GEMARA. Woher dies von einer Sklavin? – Die Rabbanan lehrten: Den Kindern Jisraél; ich weiß dies nur von den Kindern Jisraél, woher dies von Proselytin und Sklavin? Es heißtein Weib. –

13Was heißt: ebensoeine Sklavin? – Man könnte glauben, nur bei Dingen, wobei Mann und Weib einander gleichen, sagen wir, zu den Geboten, zu denen Weiber verpflichtet sind, seien auch Sklaven verpflichtet, zu den eine Wöchnerin [betreffenden Gesetzen] aber, die nur bei Weibern und nicht bei Männern Geltung haben, sei eine Sklavin nicht verpflichtet; daher lehrt er: ebenso eine Sklavin.

14FOLGENDE BRINGEN EIN OPFER &C. Wie machen siees? – Sie bringen [jede] ein zweifelloses [Brand]opferund [zusammen] ein zweifelhaftes Geflügel-Sündopfer und treffen eine Vereinbarung. –

15Hält denn R. Jose von der Vereinbarung, wir haben ja gelernt: R. Šimo͑n sagt, sie bringen beidee in Sündopfer; R. Jose sagt, zwei können nicht ein Sündopfer bringen. Demnach hält R. Jose nichts von der Vereinbarung!?

16Raba erwiderte: R. Jose pflichtet bei hinsichtlich solcher, die der Sühne benötigen. Ebenso sagte Rabin, als er kam, im Namen R. Joḥanans, R. Jose pflichte hinsichtlich solcher bei, die der Sühne benötigen. –

17Aus welchem Grunde? – Bei diesen ist für die Person ein Bewußtsein erforderlich, denn es heißt:und er sich seiner Sünde bewußt wird, daher können nicht [zwei ein Opfer] bringen und vereinbaren, hierbei aber bringen die Frauen das Opfer nur deshalb, um Heiliges essenzu dürfen.

18So heißt es auch im Schlußsätze jener Lehre: R. Jose sagt, ein Sündopfer, das wegen einer Sünde dargebracht wird, können zwei nicht darbringen.

19FOLGENDE BRINGEN KEINES &C. R. ŠIMO͑N VERPFLICHTET DAZU BEI EINER SEITENGEBURT. Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt:und wenn sie ein Mädchen gebiert, diesschließt noch eine andere Geburt ein, nämlich die Seitengeburt. –

20Was ist der Grund der Rabbanan? R. Mani b. Paṭiš erwiderte:Wenn eine Frau befruchtet wird und gebiert, nur wenn sie aus der Stelle gebiert, wo sie befruchtet wird.

21WENN EINE FRAU IN DER NACHT ZUM EINUNDACHTZIGSTEN TAGEFEHLGEBIERT, SO IST SIE NACH DER SCHULE ŠAMMAJS VON EINEM OPFER FREI UND NACH DER SCHULE HILLELS DAZUVERPFLICHTET.

22DIE SCHULE HILLELS SPRACH ZU DER SCHULE ŠAMMAJS: WELCHEN UNTERSCHIED GIBT ES DENN ZWISCHEN DER NACHT ZUM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE UND DEM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE, WENN SIE IHM HINSICHTLICH DER UNREINHEITGLEICHT, WIESO SOLLTE SIE IHM NICHT HINSICHTLICH DES OPFERS GLEICHEN!?

23DIE SCHULE ŠAMMAJS ERWIDERTE: NEIN, WENN IHR DIES VON DER FEHLGEBURT AM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE SAGT, DIE ZU EINER FÜR DIE DARBRINGUNG DES OPFERS GEEIGNETEN ZEIT GEKOMMEN IST, WOLLT IHR DIES AUCH VON DER FEHLGEBURT IN DER NACHT ZUM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE SAGEN, DIE NICHT ZU EINER FÜR DIE DARBRINGUNG DES OPFERS GEEIGNETEN ZEIT GEKOMMEN IST!?

24DIE SCHULE HILLELS ENTGEGNETE: DIE FEHLGEBURT AM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE, DER AUF EINEN ŠABBATH FÄLLT, BEWEIST [DAS ENTGEGENGESETZTE:] SIE IST NICHT ZU EINER FÜR DIE DARBRINGUNG DES OPFERS GEEIGNETEN ZEITGEKOMMEN, DENNOCH IST [DIE FRAU] ZU EINEM OPFER VERPFLICHTET.

25DIE SCHULE ŠAMMAJS ERWIDERTE: NEIN, WENN IHR DIES VON DER FEHLGEBURT AM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE SAGT, DER AUF EINEN ŠABBATH FÄLLT, DER, WENN AUCH NICHT FÜR PRIVATOPFER, IMMERHIN FÜR GEMEINDEOPFER GEEIGNET IST, WOLLT IHR DIES AUCH VON DER FEHLGEBURT IN DER NACHT ZUM EINUNDACHTZIGSTEN TAGE SAGEN, WO DOCH DIE NACHT WEDER FÜR PRIVATOPFER NOCH FÜR GEMEINDEOPFER GEEIGNET IST!?

26DIE BLUT[UNREINHEIT]BEWEIST ABER NICHTS; AUCH WENN SIE INNERHALB DER REINHEITSTAGEABORTIERT, 1ST DAS BLUT UNREIN, DENNOCH IST SIE VOM OPFER BEFREIT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.