Ketubbot — Blatt 111a
1nach Babel sollen sie gebracht werden und daselbst bleiben, bis zum Tage, da ich ihrer denke, Spruch des Herrn. – Und R. Zera!? – Dies gilt von den Dienstgeräten. –
2Und R. Jehuda!? – Es gibt noch einen anderen Schriftvers :ich beschwöre euch, Töchter Jerušalems, bei den Gazellen oder den Hinden der Flur &c. –
3Und R. Zera!? – Dies besagt, daß Jisraél nicht geschlossenhinaufziehe. – Und R. Jehuda!? – Es heißt nochmals : ich beschwöre. –
4Und R. Zera !? – Dies ist wegen einer Lehre des R. Jose b. R. Ḥanina nötig, welcher sagte : Wozu diese dreiSchwüre? Einer, daß Jisraél nicht geschlossen hinaufziehe, einer, daß der Heilige, gepriesen sei er, Jisraél beschwor, sich nicht gegen die weltlichen Völker aufzulehnen, und einer, daß der Heilige, gepriesen sei er, die weltlichen Völker beschwor, Jisraél nicht übermäßig zu knechten. –
5Und R. Jehuda!? – Es heißt:daß ihr nicht weckt noch aufregt. –
6Und R. Zera!? – Dies ist wegen einer Lehre R. Levis nötig, welcher sagte: Wozu diese sechsSchwüre? Drei, wie wir bereits erklärt haben, und die übrigen, daß sie das Endenicht offenbaren, daß sie das Ende nicht hinausschieben, und daß sie den weltlichen Völkern das Geheimnisnicht offenbaren sollen.
7Bei den Gazellen oder den Hinden der Flur. R. Elea͑zar sagte : Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Wollt ihr den Schwur halten, so ist es recht, wenn aber nicht, so gebe ich euer Fleisch frei, wie die Gazellen und Hinden der Flur.
8R. Elea͑zar sagte : Wer im Jisraéllande wohnt, weilt ohne Sünde, denn es heißt:und kein Bewohner sage, er sei krank; dem Volke, das da wohnt, ist seine Schuld erlassen. Raba sprach zu R. Aši : Wir beziehen dies auf die mit Krankheiten Belasteten.
9R. A͑nan sagte : Wer im Jisraéllande begraben ist, ist wie unter dem Altar begraben. Daheißt es: einen Altar aus Erde sollst du mir machen, und dort heißt es:und es versöhnt seine Erde, sein Volk.
10U͑la pflegte oft nach dem Jisraéllande zu gehen, jedoch kehrte seine Seele zur Ruhe ein außerhalb des Landes. Als man dies R. Elea͑zar erzählte, sprach er: Du U͑la, [von dir heißt es:]auf einem unreinen Boden sollst du sterben! Hierauf berichtete man ihm, sein Sarg sei angekommen; da sprach er: Anders ist es, wenn es einen bei Lebzeiten aufnimmt, als wenn es ihn nach dem Tode aufnimmt.
11Einst fiel einem eine Schwägerin in Ḥozäa zu, und er kam zu R. Ḥanina und fragte ihn, ob er hinabgehenund die Schwagerehe vollziehen dürfe.
12Da sprach er: Sein Bruder heiratete eine Nichtjüdinund starb; Preis Gott, daß er ihn getötet hat, und dieser will ihm nachfolgen!
13R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls : Wie es verboten ist, aus dem Jisraéllande nach Babylonien zu ziehen, ebenso ist es verboten, aus Babylonien nach anderen Ländern zu ziehen. Rabba und R. Joseph sagten beide: Nicht einmal aus Pumbeditha nach Be Kube. Einst zog jemand aus Pumbeditha nach Be Kube, und R. Joseph tat ihn in den Bann. Einst zog jemand aus Pumbeditha nach Astonja, und er starb. Da sprach Abajje: Wenn dieser Jünger wollte, würde er leben geblieben sein.
14Rabba und R. Joseph sagten beide: Die MakellosenBabyloniens nimmt das Jisraélland auf, die Makellosen anderer Länder nimmt Babylonien auf. In welcher Hinsicht, wollte man sagen, hinsichtlich der Herkunft, so sagte ja der Meister, alle Länder gelten als Gemischgegenüber dem Jisraéllande und das Jisraélland als Gemisch gegenüber Babylonien!? – Vielmehr, hinsichtlich der Bestattung.
15R. Jehuda sagte: Wenn jemand in Babylonien wohnt, so ist es ebenso, als würde er im Jisraéllande wohnen, denn es heißt :O Çijon, rette dich, Tochter Babyloniens. Abajje sagte: Es ist uns überliefert, daß Babylonien die messianischen Leidennicht sehen werde. Man bezog dies auf Huçal (in Binjamin), das man Zufluchtsecke nennen wird.
16R. Elea͑zar sagte: Die Toten außerhalb des Landes werden nicht auferstehen, denn es heißt:ich gebe Lust im Lande der Lebenden; die Toten des Landes, an dem ich Lust habe, werden leben, die Toten des Landes, an dem ich keine Lust habe, werden nicht leben.
17R. Abba b. Mamal wandte ein:Aufleben sollen deine Toten, meine Leichen erstehen; dies heißt wohl: aufleben sollen deine Toten, die Toten im Jisraéllande, meine Leichen erstehen, die Toten außerhalb des Landes!? Und [die Worte:] ich gebe Lust [çebi] dem Lande der Lebenden, beziehen sich auf Nebukhadneçar, denn der Allbarmherzige sprach: Ich bringe über sie einen König, der leicht ist wie eine Gazelle [çebi].
18Jener erwiderte: Meister, ich lege einen anderen Schriftvers aus:der Odem gibt dem Volke auf ihr, Lebenshauch denen, die darauf wandeln. – Es heißt ja aber: meine Leichen erstehen!? – Dies bezieht sich auf die Fehlgeburten. –
19Wofür verwendet R. Abba b. Mamal [den Schriftvers] : der Odem gibt dem Volke auf ihr!? – Diesen verwendet er für eine Lehre R. Abahus, denn R. Abahu sagte: Selbst eine Sklavin im Jisraéllande ist dessen sicher, daß sie der zukünftigen Welt teilhaftig wird, denn hier heißt es: dem Volke auf ihr, und dortheißt es: wartet hier mit [i͑m] dem Esel, ein Volk [a͑m], das dem Esel gleicht.
20Lebenshauch denen, die darauf wandeln. R. Jirmeja b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer vier Ellen im Jisraéllande wandelt, ist dessen sicher, daß er der zukünftigen Welt teilhaftig wird. –
21Sollten denn nach R. Elea͑zar die Frommen außerhalb des Landes nicht auferstehen!? R. Ila erwiderte: Durch Wanderung. R. Abba Sala der Große wandte ein: Die Wanderung ist ja für die Frommen eine Qual!? Abajje erwiderte: Es werden ihnen in der Erde Höhlen errichtet.
22Führe mich aus Miçrajim und begrabe mich in ihrem Begräbnisse. Qarna sagte: Da ist etwas [dahinter]. Unser Vater Ja͑qob wußte ja, daß er ein vollkommen Frommer war, und da [auch] die Toten außerhalb des Landes auferstehen, wozu belästigte er demnach seine Söhne? Vielleicht sollten ihm die Höhlen nicht beschieden sein.
23Desgleichen heißt es:und Joseph beschwor die Söhne Jisraéls &c. R. Ḥanina sagte: Da ist etwas [dahinter], Joseph wußte ja von sich, daß er ein vollkommen Frommer war, und da [auch] die Toten außerhalb des Landes aufstehen, wozu belästigte er seine Brüder vierhundert Parasangen? Vielleicht sollten ihm die Höhlen nicht beschieden sein.
24Seine Brüder sandten Rabba[den Vortrag:] Unser Vater Ja͑qob wußte ja, daß er ein vollkommen Frommer &c. Ilpha fügt noch folgendes hinzu. Einst sehnte sich jemand nach einem Weibeund wollte [zu ihr] hinabziehen; als er aber dies hörte, quälte er sich ab bis zu seinem Todestage.
25Wenn du auch ein großer Gelehrter bist, so ist immerhin, der selber lernt, nicht mit dem zu vergleichen, der von einem Lehrer lernt. Wenn du aber glaubst, du hast [hier] keinen Lehrer, so hast du einen, nämlich R. Joḥanan.
26Wenn du aber trotzdem nicht heraufkommen willst, achte auf drei Dinge : sitze nicht zuviel, denn das Sitzen verursacht Unterleibschmerzen; stehe nicht zuviel, denn das Stehen ist dem Herzen schädlich, und gehe nicht zuviel, denn das Gehen ist den Augen schädlich. Vielmehr, ein Drittel sitzen, ein Drittel stehen und ein Drittel gehen.
27Lieber stehen als sitzen ohne zu lehnen. – Wieso stehen, du sagtest ja, das Stehen sei dem Herzen schädlich!? – Vielmehr, lieber
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.