Ketubbot — Blatt 13a
1ist auch einleuchtend, denn sonst würden zwei Halakhas einander widersprechen. Es ist uns bekannt, daß bei Zivilsachen die Halakha wie R. Naḥman ist, und hinsichtlich jener Lehre sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Gamliél. Schließe hieraus.
2WENN SIE SAGT, SIE SEI VERLETZT, UND ER SAGT, NEIN, DURCH EINEN MANN DEFLORIERT, SO IST SIE, WIE R. GAMLIÉL UND R. ELIE͑ZER SAGEN, GLAUBHAFT. R. JEHOSUA SAGT, WIR LEBEN NICHT VON IHRER BEHAUPTUNG, VIELMEHR, GELTE SIE ALS VON EINEM MANNE DEFLORIERT, BIS SIE DEN BEWEIS FÜR IHRE WORTE ANGETRETEN HAT.
3GEMARA. Worum streiten sie? — R. Joḥanan sagt, ob zweihundert [Zuz]oder eine Mine, und R. Elea͑zar sagt, ob eine Mineoder nichts.
4R. Joḥanan sagt, ob zweihundert [Zuz] oder eine Mine, denn erist der Ansicht R. Meírs, welcher sagt, sie erhalte, einerlei ob er esvon ihr gewußt hat oder nicht, zweihundert [Zuz]. R. Elea͑zar sagt, ob eine Mine oder nichts, denn er ist der Ansicht der Rabbanan, welche sagen, sie erhalte, einerlei ob er es von ihr gewußt hat oder nicht, eine Mine.
5Allerdings erklärt R. Elea͑zar nicht wie R. Joḥanan, weil er [die Mišna] den Rabbananaddizieren will, weshalb aber erklärt R. Joḥanan nicht wie R. Elea͑zar? —
6Er ist der Ansicht, daß, wenn er sie als Jungfer genommen und sie als Deflorierte befunden wird, sie eine Mine als Morgengabe erhalte, somit würde sie nach seiner Behauptung und nach ihrer Behauptung eine Mine zu erhalten haben; welchen Unterschied gäbe es dann zwischen seiner Behauptung und ihrer Behauptung!? —
7Erklärlich ist es nach R. Elea͑zar, daß er zwei Fällelehrt, diesen zur Ausschließung der Lehre des Rami b. Ḥama
8und jenen zur Ausschließung der Lehre des R. Ḥija b. Abinim Namen des R. Šešeth, wozu aber sind nach R. Joḥanan zwei Fällenötig!? —
9Einen, um die Ansicht R. Gamliéls hervorzuheben, und einen, um die Ansicht R. Jehošua͑s hervorzuheben. Den ersten, um die Ansicht R. Jehošua͑s hervorzuheben, daß sie nicht glaubhaft ist, obgleich [eine Glaubwürdigkeit] vorliegt, den anderen, um die Ansicht R. Gamliéls hervorzuheben, daß sie glaubhaft ist, obgleich keine Glaubwürdigkeit vorliegt.
10WENN MAN SIE MIT JEMAND REDENSAH, UND SIE [AUF DIE FRAGE],WELCHER ART JENER MANN SEI, ERWIDERT, ES SEI N., DER PRIESTER IST, SO IST SIE, WIE R. GAMLIÉL UND R. ELIE͑ZER SAGEN, GLAUBHAFT. R. JEHOŠUA͑ SAGT, WIR LEBEN NICHT VON IHRER BEHAUPTUNG, VIELMEHR GELTE SIE ALS VON EINEM NATHIN ODER EINEM HURENKINDEBESCHLAFEN, BIS SIE DEN BEWEIS FÜR IHRE WORTE ANGETRETEN HAT.
11WENN SIE SCHWANGER IST, UND [AUF DIE FRAGE], WELCHER ART IHR FÖTUS SEI, ERWIDERT, ER SEI VON JENEM MANNE, DER PRIESTER IST, SO IST SIE, WIE R. GAMLIÉL UND R. ELIE͑ZER SAGEN, GLAUBHAFT. R. JEHOŠUA͑ SAGT, WIR LEBEN NICHT VON IHRER BEHAUPTUNG, VIELMEHR GELTE SIE ALS VON EINEM NATHIN ODER EINEM HURENKINDE SCHWANGER, BIS SIE DEN BEWEIS FÜR IHRE WORTE ANGETRETEN HAT.
12GEMARA. Was heißt ‘reden’? — Zee͑ri erklärt, sichverbergen, und R. Asi erklärt, beiwohnen. Erklärlich ist es nach Zee͑ri, daß er [den Ausdruck] ‘reden’gebraucht, wieso aber heißt es ‘reden’ nach R. Asi? — Er gebraucht eine euphemistische Redewendung, wie es heißt:sie aß und wischt sich den Mund und spricht: ich habe nichts Unrechtes getan. —
13Erklärlich ist es nach Zee͑ri, daß er zwei Fälle, vom Reden und vom Schwangersein, lehrt, wozu aber lehrt er zwei nach R. Asi!? —
14Einen, daß sie tauglichist, und einen, daß auch ihre Tochter tauglich ist. —
15Allerdings nach demjenigen, welchersagt, nach dem sie selber tauglich ist, sei auch ihre Tochter tauglich, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, nach dem sie tauglich ist, sei ihre Tochter untauglich!? — R. Asi ist der Ansicht desjenigen, welcher sagt, nach dem sie tauglich ist, sei auch ihre Tochter tauglich.
16R. Papa sprach zu Abajje: Rabh sagte, wegen des Beisammenseinssei zu geißeln, jedoch [die Frau] nicht verboten, somit ist er nach Zee͑ri, welcher sagt, ‘reden’ heiße sich verbergen, nicht der Ansicht R. Jehošua͑s, welcher sagt, sie sei nicht glaubhaft!? —
17Du kannst auch sagen, daß er der Ansicht R. Jehošua͑s ist, nur haben sie bei der Legitimitäteine Verschärfunggetroffen.
18Man wandte ein: Wenn man sie mit jemand in einen verborgenen Ort
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.