Ketubbot — Blatt 17a

1je nach der Beschaffenheit der Braut. Die Schule Hillels sagt, [man spreche:] Schöne Braut und liebreiche! Die Schule Šammajs sprach zur Schule Hillels: Wie sollte man, wenn sie lahm oder blind ist, über sie sagen: schöne Braut und liebreiche, die Tora sagt ja: von einer Lüge halte dich fern!? Die Schule Hillels erwiderte der Schule Šammajs: Hat man, nach eurer Ansicht, wenn jemand einen schlechten Kauf auf dem Markte gemacht hat, [die Ware] in seinen Augen zu loben oder herabzusetzen? Doch wohl zu loben. Hierauf bezugnehmend sagten die Weisen: Stets passe man seine Sinnesart der seiner Mitmenschen an.

2Als R. Dimi kam, sagte er: Im Westen singen sie vor der Braut wie folgt: Kein Stibium, keine Schminke und keine Frisur, und doch eine anmutige Gazelle. Als die Rabbanan R. Zera ordinierten, sangen sie vor ihm wie folgt: Kein Stibium, keine Schminke und keine Frisur, und doch eine anmutige Gazelle.

3Als sie R. Ami und R. Asi ordinierten, sangen sie vor ihnen wie folgt: Solche, nur solche ordiniert uns; ordiniert uns aber keine von den Sarmisinund den Sarmitin. Manche lesen: von den Ḥamisin und den Ṭurmisin. Wenn

4R. Abahu aus dem Lehrhause zum Kaiser ging, kamen ihm kaiserliche Dienerinnen entgegen und sangen vor ihm wie folgt: Fürst seines Volkes, Leiter seiner Nation, strahlende Leuchte, gesegnet sei dein Kommen in Frieden.

5Man erzählt von R. Jehuda b. Ilea͑j, daß er einen Myrtenzweig nahm und vor der Braut tanzte, indem er sprach: Schöne Braut und liebreiche. R. Šemuél b. R. Jiçḥaq tanzte mit drei [Zweiglein jonglierend]. Da sprach R. Zera: Dieser Greis kompromittiert uns. Als seine Seele zur Ruhe einkehrte, trennte eine Feuersäule zwischen ihm und der ganzen Gemeinde, und es ist uns überliefert, daß eine derartige Trennung durch eine Feuersäule nur bei dem erfolgt, der einzig ist in seinem Zeitalter oder nur noch einen zweiten hat.

6Hierauf sprach R. Zera: Der Greis hat es seinem Myrtenzweigezu verdanken. Manche lesen: seiner Albernheit, und manche lesen: seiner Gepflogenheit.

7R. Aḥa nahm [die Braut] auf die Schulter und tanzte mit ihr. Die Jünger sprachen zu ihm: Dürfen auch wir dies tun? Dieser erwiderte: Kommt sie euch wie ein Balkenvor, so ist es recht, sonst aber nicht.

8R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Man darf alle sieben Tage die Braut anschauen, um sie ihrem Ehemanne lieb zu machen. Die Halakha ist aber nicht wie er.

9Die Rabbanan lehrten: Man lasse die Leiche vor der Brautausweichen, und beide vor einem jisraélitischen Könige. Man erzählt vom Könige Agrippa, daß er vor der Braut auswich, und die Weisen lobten ihn. —

10Wenn sie ihn lobten, so tat er wohl recht, und [dem widersprechend] sagte ja R. Aši, daß selbst nach demjenigen, welcher sagt, wenn ein Fürst auf seine Ehrung verzichtet, der Verzicht gültig sei, der Verzicht eines Königs auf seine Ehrung ungültig sei, denn es heißt: du sollst einen König über dich setzen, daß du Ehrfurcht vor ihm hast!? — Es war an einem Scheidewege.

11Die Rabbanan lehrten: Man unterbreche das Studium der Tora wegen des Leichenbegängnisses und der Brautführung. Man erzählt von R. Jehuda b. R. Ilea͑j, daß er wegen des Leichenbegängnisses und wegen der Brautführung das Studium der Tora unterbrach. Dies nur in dem Falle, wenn nicht genügend [Begleitung] vorhanden ist, wenn aber genügend vorhanden ist, unterbreche man nicht. —

12Was heißt genügend? R. Šemuél b. Inj a erwiderte im Namen Rabhs: Zwölftausend Personen und sechstausend Posaunenbläser. Manche sagen: DreizehntausendPersonen und unter diesen sechstausend Posaunenbläser. U͑la erklärte: Daß die Leute Spalier bilden vom Stadttore bis zur Grabstätte. R. Šešeth, nach anderen R. Joḥanan, erklärte: Die Fortnahme [der Tora]gleicht der Verleihung; wie bei der Verleihung sechzig Myriaden anwesend waren, ebenso müssen bei der Fortnahme sechzig Myriaden anwesend sein. Dies gilt von einem, der Schrift und Mišna gelernt hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.