Ketubbot — Blatt 20b

1Ist [der Zeuge] ein Gelehrter, so darf er es auch Kahana, und dieser sprach zu ihm: Erinnert sich der Meister des Vorfalls? Jener erwiderte: Nein. — War es nicht so und so? Jener erwiderte: Ich weiß es nicht. Später erinnerte sich R. Aši und legte Zeugnis ab. Als er diesen betroffensah, sprach er zu ihm: Du glaubst wohl, ich stütze mich auf dich; ich nahm mich zusammen und erinnerte mich.

2Dort wird gelehrt: Hügelchennahe der Stadt oder dem Wege, ob neu oder alt, sind unrein; fernliegende sind neu reinund alt unrein. Nahe heißt: fünfzig Ellen, alt heißt: sechzig Jahre — so R. Meír. R. Jehuda sagt, nahe: wenn kein näheres vorhandenist, alt: deren [Entstehung] sich niemand erinnert.

3Was heißt Stadt und was heißt Weg: wollte man sagen, eine gewöhnliche Stadt und ein gewöhnlicher Weg, wieso gelten sie des Zweifels wegen als unrein, Reš Laqiš sagte ja, sie fanden eine Veranlassung, für die Reinheit des Jisraéllandes einzutreten!? R. Zera erwiderte: Unter Stadt ist eine Stadt nahe einem Begräbnisplatze und unter Weg ist ein Weg zu einem Begräbnisplatze zu verstehen. —

4Erklärlich ist dies von einem Wege zu einem Begräbnisplatze, weil es vorkommen kann, daß bei Dämmerung[die Leiche] da begraben wird, wenn aber eine Stadt in der Nähe eines Begräbnisplatzes liegt, gehen ja alle zum Begräbnisplatze!?

5R.Ḥanina erwiderte: Weil Frauen ihre Fehlgeburten und Grindige ihre [amputierten] Gliedmaßen da begraben. Bis fünfzig Ellen geht [eine Frau]allein, mehr aber nimmt sie jemand zur Begleitung mit und geht zum Begräbnisplatze. Im Jisraéllande ist daher keine bestehende Unreinheit anzunehmen.

6R. Ḥisda sagte: Hierausist zu entnehmen, daß man sich bei einer Zeugenaussage bis auf sechzig Jahre erinnert, mehr aber nicht. Dem ist aber nicht so; dageht es ihn nicht an, hierbei aber, wo erdamit zu tun hat, auch länger.

7WENN DER EINE [ZEUGE] SAGT: DIES IST MEINE UNTERSCHRIFTUND DIES DIE UNTERSCHRIFT MEINES GENOSSEN, UND DER ANDERE SAGT: DIES IST MEINE UNTERSCHRIFT UND DIES DIE UNTERSCHRIFT MEINES GENOSSEN, SO SIND SIE GLAUBHAFT. WENN DER EINE SAGT: DIES IST MEINE UNTERSCHRIFT, UND DER ANDERE SAGT: DIES IST MEINE UNTERSCHRIFT, SO MUSS ZU IHNEN NOCH JEMANDHINZUGEZOGEN WERDEN — SO RABBI; DIE WEISEN SAGEN, ES BRAUCHE NIEMAND WEITER HINZUGEZOGEN ZU WERDEN, VIELMEHR IST JEDER GLAUBHAFT, EINE UNTERSCHRIFT ALS SEINE ZU ERKLÄREN.

8GEMARA. Wenn du darüber nachdenkst, bekunden sie nach der Ansicht Rabbis

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.