Ketubbot — Blatt 24a

1Und würde er nur diese beide gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es sich um eine Geldsache handelt, nicht aber bei Ehesachen, wobei es sich um ein kanonisches Verbot handelt. —

2Wozu ist der Fall nötig, [wenn sie sagt], sie war gefangen, jedoch rein geblieben? — Weil er lehren will, daß, wenn die Zeugen gekommen sind, nachdem sie sich verheiratet hat, sie nicht zu entfernen sei. —

3Allerdings nach demjenigen, der dies auf den zweiten Fall bezieht, wie ist es aber zu erklären nach demjenigen, der dies auf den ersten Fallbezieht!? — Weil er den Fall lehren will, wenn zwei Trauen gefangen waren. —

4Wozu ist der Fall, wenn zwei Frauen gefangen waren, nötig? — Man könnte glauben, man befürchte gegenseitige Begünstigung, so lehrt er uns. —

5Wozu ist der Fall von zwei Männernnötig? — Weil er den Streit zwischen R. Jehuda und den Rabbanan lehren will.

6Die Rabbanan lehrten: [Sagt jemand,] er sei Priester und sein Gefährte sei Priester, so ist er glaubhaft, daß man ihn Hebe essen lasse, nicht aber eine Frauzu heiraten; nur wenn es drei sind, sodaß zwei über den einen und zwei über den anderen bekunden. R. Jehuda sagt, er sei auch nicht glaubhaft, ihn Hebe essen zu lassen, nur wenn es drei sind, sodaß zwei über den einen und zwei über den anderen bekunden. —

7Demnach berücksichtigt R. Jehuda gegenseitige Begünstigung und die Rabbanan nicht, und [anderweitig] sind sie ja entgegengesetzter Ansicht!? Wir haben nämlich gelernt: Wenn Eseltreiberin eine Stadt kommen, und einer sagt, sein [Getreide] sei neuund seines Gefährten sei alt, seines sei nicht fertigund seines Gefährten sei fertig, so ist er nicht glaubhaft; R. Jehuda sagt, er sei glaubhaft.

8R. Ada b. Ahaba erwiderte im Namen Rabhs: Die Lehre ist umzuwenden. Abajje erwiderte: Tatsächlich ist sie nicht umzuwenden, denn beim Demaj haben sie es erleichtert, weil die meisten aus dem gemeinen Volkeden Zehnten entrichten.

9Raba sprach: Befindet sich etwa nur R. Jehuda in einem Widerspruche mit sich selbst und nicht auch die Rabbanan!? — R. Jehudabefindet sich nicht in einem Widerspruche mit sich selbst, wie wir erklärt haben, und auch die Rabbanan befinden sich nicht in einem Widerspruche mit sich selbst, denn wie R. Ḥama b. U͑qaba [anderweitig] erklärt hat: wenn er seine Handwerksgeräte in der Hand hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.