Ketubbot — Blatt 26b

1infolgedessen man ihn wieder aufnahm, dann zwei andere [Zeugen] kamen und sagten, er sei der Sohn einer Geschiedenen oder einer Ḥaluça, infolgedessen man ihn [wiederum] ausstieß, und darauf ein einzelner Zeuge kommt und sagt, er wisse von ihm, daß er Priester sei. Alle stimmen überein, beideseien zu einer Zeugenaussage zu vereinigen,

2und sie streiten darüber, ob hierbei eine Mißachtung des Gerichteszu berücksichtigen sei. Der erste Autor ist der Ansicht, da er einmal ausgestoßen worden ist, nehme man ihn nicht mehr auf, weil eine Mißachtung des Gerichtes zu berücksichtigen ist, und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, wir haben ihn ausgestoßen und wir nehmen ihn wieder auf, und eine Mißachtung des Gerichtes sei nichtzu berücksichtigen.

3R. Aši wandte ein: Demnach sollte dies auch von zwei [Zeugen] gegen zweigelten!?

4Vielmehr, erklärte R. Aši, streiten sie über die Vereinigungzu einer Zeugenaussage. Sie führen denselben Streit wie die Autoren der folgenden Lehre: Ihre Aussagen werden nur dannvereinigt, wenn sie esgleichzeitig gesehen haben; R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagt, auch wenn nacheinander. Ihre Aussage vor Gericht ist nur dann entscheidend, wenn beide gleichzeitig bekunden;

5R. Nathan sagt, man dürfe heute die Worte des einen hören, und wenn der andere am folgenden Tage kommt, seine Worte hören.

6WENN EINE FRAU VON NICHTJUDEN INHAFTIERT WAR, SO IST SIE, WENN WEGEN EINER GELDSACHE, IHREM MANNEERLAUBT, UND WENN WEGEN EINER STRAFSACHE, IHREM MANNE VERBOTEN.

7GEMARA. R. Šemuél b. R. Jiçḥaq sagte im Namen Rabhs: Nur in dem Falle, wenn die Jisraéliten die Oberhand über die weltlichen Völker haben, wenn aber die weltlichen Völker die Oberhand über sich selberhaben, ist sie ihrem Manne verboten, auch wenn es wegen einer Geldangelegenheit erfolgt ist.

8Raba wandte ein: R. Jose der Priester und R. Zekharja b. Haqaçab bekundeten folgendes: Einst wurde in Ašqelon eine Jisraélitin verpfändet, und die Angehörigen ihrer Familie stießen sie aus, obgleich ihre Zeugenbekundet hatten, daß sie mit niemand isoliert war und nicht verunreinigt worden ist. Da sprachen die Weisen zu ihnen: Glaubt ihr ihnen, daß sie verpfändet war, so glaubt ihnen auch, daß sie mit niemand isoliert war und nicht verunreinigt worden ist, und glaubt ihr ihnen nicht, daß sie mit niemand isoliert war und nicht verunreinigt worden ist, so glaubt ihnen auch nicht, daß sie verpfändet war.

9In Ašqelon hatten die weltlichen Völker die Oberhand über sich selber,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.