Ketubbot — Blatt 30a

1bei den mit [Übertretung eines] Gebotes belegten, wie Miçriund Edomiter. —

2Einleuchtend ist dies, wenn R. Ješebab nur die Ansicht R. Simajs ausschließenwill, welchen Unterschied aber gibt es zwischen ihnen, wenn die Lehre R. Ješebabs eine selbständige ist: jeder durch einen in Jisraél verbotenen Beischlaf [Erzeugte] sei Hurenkind, auch wenn dadurch nur ein Gebot übertreten wird!? —

3Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bei einer Deflorierten mit einem Hochpriester. — Womit ist dieses [Gebot] anders? — Es ist ein Gebot, das nicht für jeden Geltung hat.

4R. Ḥisda sagte: Alle stimmen überein, daß, wenn jemand einer Menstruierenden beigewohnt hat, erdie Geldbuße zu zahlen hat. Nach dem eine gültige Heirat erforderlich ist, ist auch bei dieser die Heirat gültig, und nach dem sie zu behalten geeignet sein muß, ist auch diese zu behalten geeignet.

5Diesschließt ferner die Ansicht des R. Neḥunja b. Haqana aus, denn es wird gelehrt: R. Neḥunja b. Haqana vergleicht den Versöhnungstag mit dem Šabbath hinsichtlich der Ersatzleistung: wie man bei der Entweihung des Šabbaths, da man das Leben verwirkthat, von der Ersatzleistungfrei ist, ebenso ist man bei der Entweihung des Versöhnungstages, da man das Leben verwirkt hat, von der Ersatzleistung frei. —

6Was ist der Grund des R. Neḥunja b. Haqana? Abajje erwiderte: [Die Fügung durch] Menschen wird Unfallgenannt, und [die Fügung] durch den Himmel wird Unfallgenannt, wie man bei der Unfall genannten Fügung durch Menschen von der Ersatzleistung freiist, ebenso ist man bei der Unfall genannten Fügung durch den Himmelvon der Ersatzleistung frei.

7R. Ada b. Ahaba wandte ein: Woher, daß Ja͑qob seine Söhne vor Kälte und Hitze warnte, die eine himmlische Fügung sind, vielleicht vor Löwen und Dieben, die durch Menschen [abzuwenden] sind!? — Warnte sie Ja͑qob etwa nur vor diesen und nicht auch vor jenen, er warnte sie vor jedem [Unfall], —

8Ist denn [die Gefährdung durch] Kälte und Hitze eine himmlische Fügung, es wird ja gelehrt, alles erfolge durch himmlische Fügung, nur nicht [die Gefährdung durch] Kälte und Hitze, denn es heißt:Kälte und Hitze auf dem Wege des Falschen, wer seine Seele bewahrt, bleibt ihnen fern!? Und sind denn ferner Löwen und Diebe durch Menschen [abzuwenden], R. Joseph sagte ja, und ebenso lehrte R. Ḥija, daß seit dem Tage der Zerstörung des Tempels zwar das Synedrium aufgehoben worden ist, die vier Todesstrafartenaber nicht aufgehoben worden seien!? — Wieso nicht aufgehoben, sie sind ja aufgehoben worden!? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.