Ketubbot — Blatt 50b
1R. Joseph saß vor R. Hamnuna, und R. Hamnuna saß und trug vor : Wie die Söhne nur vom Grundbesitze erben, ebenso werden die Töchter nur vom Grundbesitze ernährt. Da begannen alle über ihn zu lärmen: nur den, der Grundbesitz hinterläßt, beerben seine Söhne, und den, der keinen Grundbesitz hinterläßt, beerben seine Söhne nicht!? Hierauf sprach
2R. Joseph zu ihm: Vielleicht meint der Meister die den männlichen Kindernzu fallende Morgengabe. Jener erwiderte: Der Meister ist ein bedeutender Mann und versteht, was ich meine.
3R. Ḥija b. Joseph sagte: Rabh ließ Töchter ernähren vom Weizenauf dem Söller. Sie fragten: Handelte es sich um eine Versorgung, und unter Söller ist die Schätzungdes Vaters zu verstehen, nach Šemuél, welcher sagte, bei der Versorgung schätze man [den Willen] des Vaters,
4oder handelte es sich um die wirkliche Ernährung, und unter Söller ist zu verstehen, nach jenen schönen Worten, die im Söller gesprochen wurden? R. Jiçḥaq b. Joseph sagte nämlich: Im Söller ordnete man an, die Töchter auch von beweglichen Gütern zu ernähren. –
5Komm und höre: Im Besitze des R. Benaj, des Bruders des R. Ḥija b. Abba, befanden sich Waisen gehörige bewegliche Güter, und als sie vor Šemuél kamen, sprach er zu ihm: Geh und ernähre sie[davon].
6Es handelte sich wohl um die Ernährung, und er war der Ansicht des R. Jiçḥaq b. Joseph. – Nein, da handelte es sich um die Versorgung, und Šemuél vertrat seine eigene Ansicht, denn Šemuél sagte, bei der Versorgung schätze man [den Willen] des Vaters.
7Einst ereignete sich ein solcher Fall in Nehardea͑, und die Richter von Nehardea͑ entschieden demgemäß; ebenso in Pumbeditha, und R. Ḥana b. Bizna ließ einfordern. Da sprach R. Naḥman zu ihnen: Geht und widerruft es, sonst lasse ich euch eure Paläste wegnehmen.
8R. Ami und R. Asi wollten von beweglichen Gütern ernähren lassen, da sprach R. Ja͑qob b. Idi zu ihnen : Über einen Fall, über den R. Joḥanan und Reš Laqiš nicht entscheiden wollten, wollt ihr entscheiden!?
9R. Elea͑zar wollte von beweglichen Gütern ernähren lassen, da sprach R. Šimo͑n b. Eljaqim vor ihm: Meister, ich weiß zwar, daß du nicht aus Rechtlichkeit, sondern aus Mitleid so handelst, aber die Schüler könnten es sehen und so die Halakha für die Zukunft festsetzen.
10Einst kam jemand vor R. Joseph, da sprach er zu ihnen: Gebt ihr von den Datteln auf der Matte. Abajje sprach zu ihm: Würde denn der Meister solches selbst einem Gläubigerzusprechen!?
11Dieser erwiderte: Ich meine solche, die für die Matte reifsind. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.