Ketubbot — Blatt 59a

1man habe die Ernährung für ihre Händearbeit und die Silbermaa͑ für den Überschuß angeordnet, und da er ihr die Silbermaa͑ nicht gibt, gehört der Überschuß ihr ; R. Ada b. Ahaba ist der Ansicht, man habe die Ernährung für den Überschuß und die Silbermaa͑ für ihre Händearbeit angeordnet, und da er ihr Ernährung gibt, gehört der Überschuß ihm. –

2Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, das Beständigefür das Beständige, und einer ist der Ansicht, das Festgesetztefür das Festgesetzte.

3Man wandte ein: Sie haben ihre Ernährung für ihre Händearbeit angeordnet!? – Lies: für den Überschuß ihrer Händearbeit. –

4Komm und höre; Gibt er ihr nicht die Silbermaa͑ für ihre Bedürfnisse, so gehört ihre Händearbeit ihr!? – Lies: so gehört der Überschuß ihrer Händearbeit ihr. –

5Hierzu wird ja aber gelehrt: wieviel muß sie für ihn arbeiten? Das Gewicht von fünf Sela͑ Kettenfäden in Judäa!? – Er meint es wie folgt: wieviel beträgt ihre Händearbeit, um den Überschuß zu bemessen? Das Gewicht von fünf Sela͑ Kettenfäden in Judäa, gleich zehn Sela͑ in Galiläa.

6Šemuél sagte: Die Halakha ist wie R. Joḥanan der Schuster. –

7Kann Šemuél dies denn gesagt haben, wir haben ja gelernt: [Sagte sie:] Qonam sei meine Arbeit für deinen Mund, so braucht er es nichtaufzunehmen ; R. A͑qiba sagt, er müsse es aufheben, weil sie mehr betragen kann, als ihm zukommt. R. Joḥanan b. Nuri sagt, er müsse es aufheben, weil, wenn er sich von ihr scheiden läßt, sie nicht mehr zu ihm zurückkehrendarf.

8Hierzu sagte Šemuél, die Halakha sei wie R. Joḥananb. Nuri!? – Die Worte Šemuéls, die Halakha sei wie R. Joḥanan b. Nuri, beziehen sich auf die Mehrleistung. –

9Sollte er doch gesagt haben, die Halakha sei wie R. Joḥanan b. Nuri inbetreff der Mehrleistung, oder: die Halakha sei nicht wie der erste Autor, oder: die Halakha sei wie R. A͑qiba!? –

10Vielmehr, erwiderte R. Joseph, vom Qonamist nichts einzuwenden. Anders verhält es sich beim Qonam: da man Früchte eines anderen für sich [durch Qonam] verbotenmachen kann, kann man auch eine Sache, die noch nicht auf die Welt gekommen ist, [durch Qonam] weihen.

11Abajje sprach zu ihm: Allerdings kann man Früchte eines anderen für sich verboten machen, wie man auch seine Früchte für andereverboten machen kann, wieso aber soll man das, was noch nicht auf die Welt gekommen ist, für andere verboten machen können, wo man doch Früchte eines anderen nicht für andere verboten machenkann!?

12Vielmehr, erklärte R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, wenn sie sagt: meine Hände sollen ihrem Schöpfer geweiht sein; denn die Hände sind bereits auf der Welt vorhanden. –

13Wieso sind sie, auch wenn sie so sagt, heilig, sie sind ja [ihrem Manne] verpflichtet!? – Wenn sie sagt: sobald ich geschieden bin. –

14Ist denn der Fall möglich, das etwas sofort nicht heilig wird, später aber heilig wird!? R. Ileáj erwiderte: Wieso nicht; ist denn, wenn jemand zu seinem Nächsten sagt: das Feld, das ich dir verkaufe, sei heilig, sobald ich es von dir zurückgekauft habe, dieses nicht heilig!?

15R. Jirmeja wandte ein: Ist es denn gleich; hierbeiist es in seiner Hand, es zu heiligen, da aber ist es nicht in ihrer Hand, geschiedenzu werden!? Dies gleicht vielmehr dem Falle, wenn jemand zu seinem Nächsten sagt: das Feld, das ich dir verkauft habe, sei heilig, sobald ich es von dir zurückgekauft habe; es ist nicht heilig.

16R. Papa wandte ein : Ist es denn gleich ; hierbei befinden sich die Sache und die Früchte im Besitze des Käufers, da aber befindet sich die Sachein ihrem Beisitze!? Dies gleicht vielmehr dem Falle, wenn jemand zu seinem Nächsten sagt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.