Ketubbot — Blatt 5a

1Wegen der Kalkulationen.

2Abajje sprach zu ihm: Sind denn religiöseKalkulationen [am Šabbath] verboten, R. Ḥisda und R. Hamnuna sagen ja beide, man dürfe religiöse Kalkulationen am Šabbath aufstellen!? Ferner sagte R. Elea͑zar, man dürfe am Šabbath Gaben für die Armen festsetzen. Ferner sagte R. Ja͑qob im Namen R. Joḥanans, man dürfe am Šabbath in Bet- und Lehrhäuser gehen, um öffentliche Angelegenheiten zu ordnen. Ferner sagte R. Ja͑qob b. Idi im Namen R. Joḥanans, man dürfe am Šabbath Lebensrettung vollziehen.

3Ferner sagte R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans, man dürfe am Šabbath Theater und Zirkusse besuchen, um für öffentliche Interessen zu sorgen. Ferner lehrten sie in der Schule des Menasja, man dürfe sich am Šabbath um ein Mädchen bemühen, es zu verheiraten, ebenso um einen Knaben, ihn die Schriftkunde und ein Handwerk zu lehren.

4Vielmehr erklärte R. Zera, mit Rücksicht darauf, er könnte veranlaßt werden, ein Geflügelzu schlachten. Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte der Versöhnungstag, wenn er auf einen Montag fällt, verlegt werden, mit Rücksicht darauf, man könnte ein Geflügel schlachten!? — Da, wo man es für sich braucht, ist man nicht überstürzt, hierbei aber, wo man es für anderebraucht, ist man überstürzt. Oder auch, da hat man Spielraum, hierbei aber nicht. Da du nun auf diese Erklärung gekommen bist,

5so ist es auch am Vorabend des Šabbaths mit Rücksicht darauf [verboten], er könnte ein Geflügel schlachten.

6Sie fragten: Ist eine Jungfrau am Mittwoch zu ehelichen und am Mittwoch zu beschlafen, und man befürchte nicht, er könnte sichberuhigen, oder aber ist eine Jungfrau am Mittwoch zu ehelichen und am Donnerstagzu beschlafen, denn man befürchte, er könnte sich beruhigen? —

7Komm und höre: Bar Qappara lehrte: Eine Jungfrau ist am Mittwoch zu ehelichen und am Donnerstag zu beschlafen, weil an diesem der Segen über die Fische gesprochenwurde; eine Witwe ist am Donnerstag zu ehelichen und am Freitag zu beschlafen, weil an diesem der Segen über den Menschen gesprochenwurde. Nur wegen des Segens, die Beruhigung aber befürchten wir nicht. —

8Demnach sollte auch eine Witwe am Donnerstag beschlafen werden, da an diesem der Segen über die Fische gesprochen wurde!? — Der Segen über den Menschen ist bedeutender.

9Oder auch, wegen der Vorsorge. Es wird nämlich gelehrt: Sie sagten deshalb, eine Witwe sei am Donnerstag zu ehelichen und am Freitag zu beschlafen, weil [der Ehemann], wenn man sagen würde, sie sei am Donnerstag zu beschlafen, am folgenden Morgen aufstehen und seinem Berufe nachgehenwürde. Die Weisen haben daher eine Vorsorge für die Töchter Jisraéls getroffen, daß er sich mit [seiner Frau] drei Tage der Wonne hingebe, Donnerstag, Freitag und Šabbath. —

10Welchen Unterschied gibt es zwischen [der Begründung mit dem] Segen und der mit der Vorsorge? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines Müßiggängers; oder auch, wenn auf den Freitag ein Festtag fällt.

11Bar Qappara trug vor: Bedeutender sind die Werke der Frommen als die Schöpfung von Himmel und Erde. Von der Schöpfung von Himmel und Erde heißt es:auch hat meine Hand die Erde gegründet, meine Rechte den Himmel ausgespannt, von den Werken der Frommen aber heißt es:der Stätte, der du zu deinem Sitze bereitet hast, o Herr, dem Heiligtume, Gott, das deine Händeerrichtet haben.

12Ein Babylonier, namens R. Ḥija, entgegnete:Seine Hände haben das Festland gebildet!? — Die Schreibweise ist Hand. — Es heißt ja aber: haben gebildet!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Haben gebildet, seine Finger, wie es heißt:wenn ich deine Himmel sehe, Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du errichtet hast.

13Man wandte ein:Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, das Werk seiner Hände verkündet das Firmament!? — Er meint es wie folgt: die (Hände)werke der Frommen verkündet das Firmament, nämlich der Regen.

14Bar Qappara trug [ferner] vor: Es heißt:und einen Pflock sollst du dir halten zu deiner Rüstung; man lese nicht azenekha [Rüstung], sondern oznekha [Ohr]. Wenn jemand Ungehöriges hört,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.