Ketubbot — Blatt 60a
1Raba sagte im Namen des R. Jirmeja b. Abba im Namen Rabhs, drei Monate. Šemuél sagte, dreißig Tage. R. Jiçḥaq sagte im Namen R. Joḥanans, fünfzig Tage. R. Šimi b. Abajje sagte: Die Halakha ist wie R. Jiçḥaq, der im Namen R. Joḥanans lehrte. – Allerdings ist nach Rabh und R. Joḥanan jedes nach seinem Verstande[zu beurteilen], aber kommt denn ein Fall entsprechend der Ansicht Šemuéls vor !? –
2Als Rami b. Jeḥezqel kam, sagte er, daß man nicht auf die Normen höre, die sein Bruder Jehuda im Namen Šemuéls sagte; vielmehr sagte Šemuél: sobald es [die Mutter] kennt.
3Einst kam einevor Šemuél. Da sprach er zu R. Dimi b. Joseph: Geh und untersuche [das Kind]. Da ließ er sie mit anderen Frauen in einer Reihe sitzen und trug das Kind an ihnen vorüber. Als es an diese herankam, blickte es sie an, sie aber wandte das Auge von ihm ab. Da sprach er zu ihr: Laß dein Auge schweifen; auf, nimm dein Kind. – Woran erkennt sie ein blindes? R. Aši erwiderte: An Geruch und Geschmack.
4Die Rabbanan lehrten: Ein Kind darf mit dem Saugen vierundzwanzig Monate fortfahren, von da ab aber ist es ebenso, als würde es Ekelhaftes saugen – so R. Elie͑zer. R. Jehošua͑ sagt, auch vier und fünf Jahre; nur wenn es nach vierundzwanzig Monaten aufgehört hat und es dann wieder tut, ist es ebenso, als würde es Ekelhaftes saugen.
5Ich will auf einen Widerspruch hinweisen : Man könnte glauben, die Menschenmilchsei unrein, und zwar wäre dies durch einen Schluß zu folgern: wenn bei einem Vieh, bei dem hinsichtlich der Berührung erleichtert worden ist, hinsichtlich der Milch erschwert worden ist, um wieviel mehr ist bei einem Menschen, bei dem hinsichtlich der Berührung erschwert wordenist, hinsichtlich der Milch zu erschweren,
6so heißt es:das Kamel, wenn es auch wiederkäuend ist, dieses ist unrein, nicht aber ist die Menschenmilch unrein, sondern rein. Man könnte glauben, nur die Milch sei auszuschließen, die nicht bei allen gleichist, nicht aber sei das Blut auszuschließen, das bei allen gleichist, so heißt es: es, diesesist unrein, nicht aber ist das Menschenblutunrein, sondern rein.
7Hierzu sagte R. Šešeth, hierbei liege nicht einmal ein Gebot der Enthaltungvor!? –
8Das ist kein Einwand; das eine, wenn es getrenntist, das andere, wenn es nicht getrennt ist.
9Entgegengesetzt beim Blute, wie gelehrt wird: Wenn [Menschen]blut sich auf einem Laibe befindet, so kratze man es ab und esse ihn, das Blut zwischen den Zähnen aber darf man anstandslos aussaugen.
10Der Meister sagte: R. Jehošua͑ sagt, auch vier und fünf Jahre. Es wird ja aber gelehrt: R. Jehošua͑ sagt, auch wenn es sein Bündel auf den Schulternträgt !? – Beide Grenzen sind identisch. R. Joseph sagte : Die Halakha ist wie R. Jehošua͑.
11Es wird gelehrt: R. Marinus sagte: Der Brustleidende darf am Šabbath Milchsaugen, weil das Ablösenauf ungewöhnliche Weiseerfolgt, und wenn es wegen der Schmerzen geschieht, haben die Rabbanan es nicht verboten. R. Joseph sagte : Die Halakha ist wie R. Marinus.
12Es wird gelehrt: Naḥum aus Gallia sagte: Wenn in einer Dachrinne Moos entstandenist, so darf man es am Šabbath anstandslos heimlich mit dem Fuße zertreten, weil die Verrichtung auf ungewöhnliche Weise erfolgt, und wenn ein Schaden vorliegt, haben die Rabbanan es nicht verboten. R. Joseph sagte: Die Halakha ist wie Naḥum aus Gallia.
13«Nur wenn es nach vierundzwanzig Monaten aufgehört hat und es dann wieder tut, ist es ebenso, als würde es Ekelhaftes saugen.» Wie lange? R. Jehuda b. Ḥabiba erwiderte im Namen Šemuéls: Drei Tage. Manche lesen: R. Jehuda b. Ḥabiba lehrte vor Šemuél: drei Tage.
14Die Rabbanan lehrten: Wenn der Mann einer Säugenden innerhalb der vierundzwanzig Monate gestorben ist, so darf sie sich vor
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.