Ketubbot — Blatt 75a
1und die Kinder Jisraél erschlugen sie nicht, weil ihnen die Fürsten der Gemeinde zugeschworen hatten. – Was heißt ‘viele’? R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Drei [Personen], denn unter Tagesind zwei, und unter viele sind drei [zu verstehen]. R. Jiçḥaq erklärte: Zehn, denn hierbei heißt es Gemeinde.
2«R. Meír sagt, benötigt das Gelübde einer Untersuchung eines Gelehrten, so nehme er sie nicht wieder. R. Elea͑zar sprach: Man verbot es in dem Falle, wenn es benötigt, nur wegen des Falles, wenn es nicht benötigt.» Worin besteht ihr Streit? – R. Meír ist der Ansicht, man sei damit einverstanden, daß seine Frau sich bei Gerichtherabsetze, und R. Elea͑zar ist der Ansicht, man sei nicht damit einverstanden, daß seine Frau sich bei Gericht herabsetze.
3Raba erwiderte: Dawird von einer Frau aus vornehmer [Familie] gesprochen, denn er kann sagen, er wolle nicht, daß ihm ihre Verwandten verbotenwürden. –
4Wieso lehrt er demnach im Schlußsatze, daß, wenn erzu einem Gelehrten ging, und dieser ihm das Gelübde aufgelöst hat, zu einem Arzte, und dieser ihn geheilt hat, sie ihm angetraut sei, er sollte doch lehren, sie sei ihm nicht angetraut, underklären, dies gelte von einem Manne aus vornehmer [Familie], weil sie sagen kann, sie wolle nicht seinen Verwandten verbotenwerden!? –
5Sie ist mit jedemzufrieden. Dies nach Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Lieber zu zweien sitzen als verwitwet weilen. Abajje sagte: Gleicht ihr Mann auch einer Ameise, ihr Stuhl wird unter die Vornehmengesetzt.
6R. Papa sagte: Ist ihr Mann auch wie eine Rübe, sie ruft ihn heran und sitzt mit ihm an der Türschwelle. R. Aši sagte: Ist ihr Mann auch wie ein Stengel, dennoch verlangt sie keine Linsen in den Kochtopf. Es wird gelehrt: Sie alle huren und hängen es ihren Männern an.
7ALLE LEIBESFEHLER, DIE UNTAUGLICH MACHEN &C. Es wird gelehrt: Zu jenenfügten sie noch Schwitzen, Warzen und [üblen] Mundgeruch hinzu. – Machen diese denn Priester nicht untauglich, wir haben ja gelernt: Das alte, das kranke und das stinkende, und hierzu haben wir gelernt: diese Fehler, ob dauernd oder vorübergehend, machen Menschenuntauglich!?
8R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Das ist kein Einwand; das eine gilt vom Schweiße, der sich entfernen läßt, und das andere vom Schweiße, der sich nicht entfernen läßt.
9R. Aši erwiderte: Du weisest auf einen Widerspruch zwischen Schwitzen und Stinken hin!? Ein Priester kann [den Schweiß] durch Weingeist entfernen, ebenso bei [üblem] Mundgeruche Pfeffer in den Mund nehmen und den Dienst verrichten, bei einer Frau aberist dies nicht möglich. –
10Von was für einer Warze gilt dies: ist sie behaart, so macht sie ja beide untauglich, und ist sie nicht behaart, so macht sie ja, wenn sie groß ist, beide untauglich, und wenn sie klein ist, beide nicht untauglich!? Es wird nämlich gelehrt: Eine behaarte Warze ist ein Leibesfehler, eine unbehaarte ist groß ein Leibesfehler und klein kein Leibesfehler. Was heißt groß? R. Šimo͑n b. Gamliél erklärte: Wie ein italischer Assar.
11R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Wenn sie sich auf ihrer Stirn befindet. – Auf ihrer Stirn sah er sie ja und war einverstanden!? R. Papa erwiderte: Wenn sie sich unter ihrer Haube befindet; zuweilen ist sie zu sehen und zuweilen ist sie nicht zu sehen.
12R. Ḥisda sagte: Folgendes hörte ich von einem bedeutenden Manne, es ist R. Šila: Wenn ein Hund sie gebissen hat und an der Stelle eine Narbe entstanden ist, so ist dies ein Leibesfehler. R. Ḥisda sagte: Eine grobe Stimme ist bei einer Frau ein Fehler, denn es heißt:denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt anmutig. R. Nathan aus Bira lehrte: [Der Abstand] einer Handbreite zwischen den Brüsten einer Frau. R. Aḥa, der Sohn Rabas, wollte vor R. Aši erklären, eine Handbreite, als Vorzug, da sprach R. Aši zu ihm: Dies wurde unter den Leibesfehlern gelehrt. – Wieviel [normal]? Abajje erwiderte: Drei Fingerbreiten.
13Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Wenn eine Frau größere Brüste hat als andere, so ist dies ein Leibesfehler. – Um wieviel? R. Mejaša, Sohnessohn des R. Jehošua͑ b. Levi, erwiderte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Um eine Handbreite. – Gibt es denn so etwas? – Freilich; so erzählte Rabba b. Bar Ḥana, er habe eine Araberin gesehen, die ihre Brüste nach rückwärts warf und ihren Sohn säugte.
14Aber von Çijon wird gesagt: ein Mann und noch ein Mann ist darin geboren, und er gründet es, der Höchste. R. Mejaša, Sohnessohn des R. Jehošua͑ b. Levi, sagte: Einerlei ob man darin geboren ist, oder man es zu sehen hofft. Abajje sagte: Einer von ihnenist so bedeutend wie zwei von uns. Raba sagte: Wenn aber einer von uns nach dort hinaufgeht, ist er so bedeutend wie zwei von ihnen. So verstand R. Jirmeja nicht, solange er hier war, was die Rabbanan sprachen, nachdem er aber nach dort hinaufgegangen war, nannte er uns ‘törichte Babylonier’.
15HATTE SIE LEIBESFEHLER, ALS SIE NOCH IM HAUSE IHRES VATERS WEILTE, SO HAT DER VATERDEN BEWEIS ZU ERBRINGEN, DASS DIE FEHLER AN IHR ENTSTANDEN SIND, ERST NACHDEM SIE SICH VERLOBTE, UND SEIN FELD ÜBERSCHWEMMTWORDEN IST, UND IST SIE BEREITS IN DIE GEWALT DES EHEMANNES GEKOMMEN, SO HAT DER EHEMANN DEN BEWEIS ZU ERBRINGEN, DASS SIE DIE FEHLER HATTE, NOCH BEVOR SIE SICH VERLOBTE, UND SEIN KAUF EIN IRRTÜMLICHER WAR – SO R. MEÍR. DIE WEISEN SAGEN, DIES GELTE NUR VON VERBORGENEN LEIBESFEHLERN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.