Kidduschin — Blatt 12a
1Dies ist nicht einleuchtend, denn es muß der Bestimmung gleichen; wie der Verkauf ungültig ist, wenn die Bestimmung nicht erfolgen kann, obgleich es von seinem Willen abhängt, ob er sie [für sich] bestimmen will oder nicht, ebenso ist, wenn er [das Lösegeld] nicht reduzieren kann, der Verkauf ungültig.
2Die Antrauung ist nach der Schule Šammajs von der hebräischen Magd zu folgern: wie die hebräische Magd nicht durch eine Peruṭa angeeignet wird, ebenso wird eine Frau nicht durch eine Peruṭa angetraut. –
3Vielleicht mit einem halben Denar, oder mit zwei Peruṭas!? – Da es aus der Norm einer Peruṭa gekommen ist, so ist es auf die Norm eines Denars zu bringen.
4Raba erklärte: Folgendes ist der Grund der Schule Šammajs: damit die Töchter Jisraéls nicht als Freigut gelten.
5DIE SCHULE HILLELS SAGT, MIT EINER PERUṬA. R. Joseph wollte erklären, mit irgend einer Peruṭa, da sprach Abajje zu ihm: Hierzu wird ja gelehrt, eine Peruṭa sei der achte Teil eines italischen Assars.
6Wolltest du erwidern, nur im Zeitalter Mošes, hierbei aber, wie die Leute zu rechnen pflegen, so sagte ja R. Dimi, als er kam, R. Simaj berechnete in seinem Zeitalter, eine Peruṭa sei der achte Teil eines italischen Assars. Und als Rabin kam, sagte er, R. Dostaj, R. Jannaj und R. Oša͑ja berechneten, eine Peruṭa sei der sechste Teil eines italienischen Assars.
7R. Joseph sprach zu ihm; Wir haben gelernt: Wenn du gehst und nachrechnest, wieviel Peruṭas in zwei Sela͑ vorhanden sind, so sind es mehr als zweitausend. Demnach sind es nicht einmal zweitausend, und er sagt, es seien mehr als zweitausend!? Da sprach ein Greis zu ihnen: Ich habe gelernt: nahezu zweitausend. – Aber immerhin sind es ja nur eintausendfünfhundertsechsunddreißig!? – Da es die Hälfte übersteigt, so sagt er: nahezu zweitausend.
8Der Text. Als R. Dimi kam, sagte er: R. Simaj berechnete in seinem Zeitalter, daß eine Peruṭa der achte Teil eines italischen Assars sei. Als Rabin kam, sagte er: R. Dostaj, R. Jannaj und R. Oša͑ja berechneten, daß eine Peruṭa der sechste Teil eines italischen Assars sei. Abajje sprach zu R. Dimi: Es wäre anzunehmen, daß du und Rabin den Streit der folgenden Tannaím führen.
9Es wird gelehrt: Die Peruṭa, von der die Weisen sprechen, ist der achte Teil eines italischen Assars. Ein Denar hat sechs Silbermaa͑, eine Maa͑ hat zwei Pondion, ein Pondion hat zwei Assar, ein Assar hat zwei Masmas, ein Masmas hat zwei Qonṭerunq, ein Qonṭerunq hat zwei Peruṭas; es ergibt sich, daß eine Peruṭa den achten Teil eines italischen Assars beträgt.
10R. Šimo͑n b. Gamliél sagt: Eine Maa͑ hat zwei Hadras, ein Hadras hat zwei Hanaç, ein Hanaç hat zwei Šamin, ein Šamin hat zwei Peruṭas; es ergibt sich, daß eine Peruṭa den sechsten Teil eines italischen Assars beträgt. Es wäre also anzunehmen, daß der Meister der Ansicht des ersten Autors und Rabin der Ansicht des R. Šimo͑n b. Gamliél ist.
11Dieser erwiderte: Sowohl meine Ansicht als auch die des Rabin gelten nach dem ersten Autor, dennoch besteht hier kein Widerspruch; das eine, wenn der Assar im Werte hoch steht, und das andere, wenn der Assar im Werte niedrig steht. Wenn der Assar im Werte hoch steht, gehen vierundzwanzig im Zuz, wenn er im Werte niedrig steht, gehen zweiunddreißig im Zuz.
12Šemuél sagte: wenn er sie sich mit einer Dattel angetraut hat, so ist sie ihm angetraut, selbst wenn ein Kor Datteln einen Denar kostet, denn es ist zu berücksichtigen, sie ist vielleicht in Medien eine Peruṭa wert. –
13Wir haben ja aber gelernt, die Schule Hillels sagt, mit einer Peruṭa und dem Werte einer Peruṭa!? – Das ist kein Einwand; das eine für die sichere Antrauung, das andere für die zweifelhafte Antrauung.
14Einst vollzog jemand die Antrauung mit einem Bündel Charpie. Da saß R. Šimi b. Ḥija vor Rabh und dachte darüber nach: ist es eine Peruṭa wert, so ist [die Antrauung] gültig, ist es keine Peruṭa wert, so ist sie ungültig. – Šemuél sagte ja aber, es sei zu berücksichtigen!? – Das ist kein Einwand; das eine für die entschiedene Antrauung, das andere für die zweifelhafte Antrauung.
15Einst vollzog jemand die Antrauung mit einem Stibiumstein. Da saß R. Ḥisda und dachte darüber nach: ist er eine Peruṭa wert, so ist [die Antrauung] gültig, ist er keine Peruṭa wert, so ist sie ungültig. – Šemuél sagte ja aber, es sei zu berücksichtigen!? – R. Ḥisda ist nicht der Ansicht Šemuéls.
16Hierauf sprach seine Mutter: An dem Tage, an dem er sie sich angetraut hat, war er eine Peruṭa wert. Da erwiderte er ihr: Du bist nicht glaubhaft, sie dem anderen verboten zu machen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.