Kidduschin — Blatt 17a
1Man könnte glauben, auch wenn er krank war, so heißt es: und im siebenten gehe er aus.
2R. Šešeth erwiderte: Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er entflohen und das Jobeljahr eingetreten ist; man könnte glauben, da er durch das Jobeljahr ausgegangen sein würde, so heiße dies eine durch den [Herrn] erfolgte Entlassung und er werde beschenkt und nicht gemaßregelt, so lehrt er uns.
3Der Meister sagte: Man könnte glauben, auch wenn er krank war, so heißt es: und im siebenten gehe er aus. Auch wenn er alle sechs [Jahre] krank war, dagegen wird gelehrt, wenn er drei [Jahre] krank war und drei gedient hat, brauche er nicht zu ergänzen, und wenn or alle sechs krank war, müsse er ergänzen!? R.Šešeth erwiderte: Wenn er Nadelarbeit verrichtet hat. –
4Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst heißt es, wenn er drei krank war und drei gedient hat, brauche er nicht zu ergänzen, wonach er vier ergänzen muß, und im Schlußsatze lehrt er, wenn er alle sechs krank war, müsse er ergänzen, wonach er vier nicht zu ergänzen braucht!? – Er meint es wie folgt: wenn er vier [Jahre] krank war, so ist es ebenso, als wäre er alle sechs krank, und er muß sie ergänzen.
5Die Rabbanan lehrten: Wieviel schenke man ihm? Fünf Sela͑ von jeder Art, das sind fünfzehn Sela͑ – so R. Meír. R. Jehuda sagt, dreißig, entsprechend den dreißig [Šeqel] für einen Sklaven. R. Šimo͑n sagt, fünfzig, entsprechend den fünfzig beim Schätzgelübde.
6Der Meister sagte: Fünf Sela͑ von jeder Art, das sind fünfzehn Šela͑ – so R. Meír. Will uns R. Meír etwa das Zählen lehren!? – Folgendes lehrt er uns: er darf ihm nicht weniger als in dieser [Gesamt]zahl geben; wenn er ihm von einer Art weniger und von einer anderen Art mehr gibt, so ist nichts dabei. –
7Was ist der Grund R. Meírs? – Er folgert es aus [dem Worte] leer, das auch beim Erstgeborenen gebraucht wird; wie da fünf Sela͑, ebenso auch hierbei fünf Sela͑. –
8Vielleicht fünf Sela͑ von allen zusammen!? – Wenn es nachher leer hieße, so würdest du recht haben, es heißt aber vorher leer, somit ist [das Wort] leer auf [die Worte] Schaf, Tenne und Kelter zu beziehen. –
9Sollte doch aus [dem Worte] leer gefolgert werden, das beim Erscheinungsopfer gebraucht wird!? – Die Schrift sagt: womit der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat.
10«R. Jehuda sagt, dreißig, entsprechend den dreißig [Šeqel] für einen Sklaven.» Was ist der Grund R. Jehudas? – Er folgert es aus [dem Worte] geben, das auch beim Sklaven gebraucht wird; wie da dreißig, ebenso auch hierbei dreißig. –
11Sollte er doch aus [dem Worte] geben folgern, das beim Schätzgelübde gebraucht wird, wie da fünfzig, ebenso auch hierbei fünfzig!? –
12Erstens hat man, wenn man viel ergreift, nichts ergriffen, und wenn man wenig ergreift, es ergriffen, und ferner ist hinsichtlich des Sklaven vom Sklaven zu folgern.
13«R. Šimo͑n sagt, fünfzig, entsprechend den fünfzig beim Schätzgelübde.» Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Er folgert es aus [dem Worte] geben, das auch beim Schätzgelübde gebraucht wird; wie da fünfzig, ebenso auch hierbei fünfzig. – Vielleicht entsprechend dem niedrigsten [Betrage] beim Schätzgelübde!? – Es heißt: womit der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat. –
14Sollte er doch aus [dem Worte] geben folgern, das beim Sklaven gebraucht wird, wie da dreißig, ebenso auch hierbei dreißig, denn erstens hat man, wenn man viel ergreift, nichts ergriffen, und zweitens ist hinsichtlich des Sklaven vom Sklaven zu folgern!? – R.Šimo͑n folgert aus [dem Worte] Armut. –
15Erklärlich sind [die Worte] Schaf, Tenne und Kelter nach R. Meír, wozu aber sind nach R. Jehuda und R. Šimo͑n [die Worte] Schaf, Tenne und Kelter nötig!? –
16Diese sind wegen der folgenden Lehre nötig: Man könnte glauben, man beschenke ihn nur mit dem, was von Schaf, Kelter und Tenne kommt, woher, daß auch alles andere einbegriffen ist? Es heißt: womit der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat. Wozu heißt es demnach: Schaf, Kelter und Tenne? Um dir zu sagen, wie Schaf, Kelter und Tenne sich dadurch auszeichnen, daß sie beim Segen einbegriffen sind, ebenso auch alles andere, was beim Segen einbegriffen ist, ausgenommen Geld – so R. Šimo͑n; R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, ausgenommen Maultiere. –
17Und R. Šimo͑n!? – Maultiere gedeihen körperlich. Und alles ist nötig.
18Würde der Allbarmherzige nur Schaf geschrieben haben, so könnte man glauben, nur Lebewesen, nicht aber Bodengewächse, daher schrieb der Allbarmherzige Tenne. Würde er nur Tenne geschrieben haben, so könnte man glauben, nur Bodengewächse, nicht aber Lebewesen, daher schrieb der Allbarmherzige Schafe. Und Kelter
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.