Kidduschin — Blatt 22a
1als Fleisch von verendeten Siechlingen. Und du begehrst, auch wenn sie nicht schön ist; nach ihr, nicht aber nach ihr und ihrer Genossin.
2Und nimmst sie, bei diesen gibt es ein Nehmen. Dir zur Frau, man darf nicht zwei Frauen nehmen, eine für sich und eine für seinen Vater, eine für sich und eine für seinen Sohn. Und bringst sie, dies lehrt, daß man sie nicht auf dem Kriegsplatze zwingen dürfe.
3Die Rabbanan lehrten: Wenn sagen wird sagen, nur wenn er es gesagt und wiederholt hat. Wenn er es bei Beginn der sechs [Jahre] und nicht am Schlusse derselben gesagt hat, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: ich will nicht frei ausgehen; nur wenn er es beim Ausgehen gesagt hat.
4Wenn er es am Schlusse der sechs [Jahre] und nicht bei Beginn gesagt hat, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: wenn der Sklave sagt, nur wenn er es als Sklave gesagt hat.
5Der Meister sagte: Wenn er es bei Beginn der sechs [Jahre] und nicht am Schlusse derselben gesagt hat, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: ich will nicht frei ausgehen. Wozu die Folgerung aus [den Worten:] ich will nicht frei ausgehen, dies geht ja hervor schon aus: ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, was hierbei nicht der Fall ist!?
6Und wieso heißt es ferner, wenn er es am Schlusse der sechs [Jahre] und nicht bei Beginn derselben gesagt hat, werde er nicht angebohrt, weil es der Sklave heißt, ist er denn am Schlusse der sechs [Jahre] kein Sklave!? Raba erwiderte: Darunter ist der Beginn der letzten Peruṭa und das Ende der letzten Peruṭa zu verstehen.
7Die Rabbanan lehrten: Wenn er Frau und Kinder hat und sein Herr nicht Frau und Kinder hat, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: denn er liebt dich und dein Haus; wenn sein Herr Frau und Kinder hat und er nicht Frau und Kinder hat, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt:
8ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder. Wenn er seinen Herrn liebt, sein Herr aber ihn nicht liebt, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: weil ihm wohl ist bei dir. Wenn sein Herr ihn liebt, er aber seinen Herrn nicht liebt, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: denn er liebt dich. Wenn er krank und sein Herr nicht krank ist, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: weil ihm wohl ist bei dir. Wenn sein Herr krank und er nicht krank ist, so wird er nicht angebohrt, denn es heißt: bei dir.
9R. Bebaj b. Abajje fragte: Wie ist es, wenn beide krank sind: kommt es auf [das Wort] bei dir an, was hierbei der Fall ist, oder aber, es heißt: weil ihm wohl ist bei dir, was hierbei nicht der Fall ist? – Dies bleibt unentschieden.
10Die Rabbanan lehrten: Weil ihm wohl ist bei dir, bei dir beim Essen und bei dir beim Trinken. Du darfst nicht feines Brot und er grobes Brot essen; du [darfst nicht] alten Wein und er neuen Wein trinken; du [darfst nicht] auf Polstern und er auf Stroh schlafen. Hieraus folgerten sie, wenn jemand einen hebräischen Sklaven kauft, sei es ebenso, als würde er einen Herrn über sich kaufen.
11Die Rabbanan lehrten: Dann gehe er von dir aus, er und seine Kinder mit ihm. R. Šimo͑n sagte: Werden denn, wenn er verkauft wird, auch seine Söhne und seine Töchter verkauft!? Hieraus ist zu entnehmen, daß sein Herr zur Ernährung seiner Kinder verpflichtet ist. Desgleichen heißt es: Wenn er eine Frau hat, so gehe seine Frau mit ihm aus. R. Šimo͑n sagte: Wird denn, wenn er verkauft wird, auch seine Frau verkauft!? Hieraus ist zu entnehmen, daß sein Herr zur Ernährung seiner Frau verpflichtet ist.
12Und beides ist nötig. Würde er es nur von seinen Kindern gelehrt haben, so könnte man glauben, weil sie nicht für das Essen zu arbeiten brauchen, seine Frau aber, die für das Essen arbeiten muß, arbeite und esse dafür.
13Und würde er es nur von seiner Frau gelehrt haben, so könnte man glauben, weil das Umherwandern für sie unschicklich ist, nicht aber gelte dies von seinen Kindern, für die das Umherwandern nicht unschicklich ist. Daher ist beides nötig.
14Die Rabbanan lehrten:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.