Kidduschin — Blatt 29a

1als bis er es an sich gezogen oder davon Besitz ergriffen hat. Wenn er es für eine Mine an sich gezogen und es, bevor er es eingelöst hat, auf zweihundert gestiegen ist, so zahle er zweihundert, denn es heißt: er gebe das Geld und soll es erstehen.

2Wenn er es für zweihundert an sich gezogen und es, bevor er es eingelöst hat, auf eine Mine gefallen ist, so zahle er zweihundert, denn das Recht eines Gemeinen darf nicht stärker sein als das des Heiligtums.

3Wenn er es für zweihundert eingelöst und es, bevor er es an sich gezogen hat, auf eine Mine gefallen ist, so zahle er zweihundert, denn es heißt: er gebe das Geld und soll es erstehen. Wenn er es für eine Mine eingelöst und es, bevor er es an sich gezogen hat, auf zweihundert gestiegen ist, so ist die Einlösung gültig und er zahle nur eine Mine. –

4Weshalb denn, sollte man auch hierbei sagen, das Recht eines Gemeinen dürfe nicht stärker sein als das des Heiligtums?! –

5Gilt etwa bei einem Gemeinen nicht [der Spruch:] wer bestraft hat!?

6ZU ALLEN GEBOTEN DES SOHNES FÜR DEN VATER SIND MÄNNER VERPFLICHTET UND FRAUEN DAVON FREI, UND ZU ALLEN GEBOTEN DES VATERS FÜR DEN SOHN SIND SOWOHL MÄNNER ALS AUCH FRAUEN VERPFLICHTET. ZU ALLEN VON EINER FESTGESETZTEN ZEIT BEDINGTEN GEBOTEN SIND MÄNNER VERPFLICHTET UND FRAUEN DAVON FREI, UND ZU ALLEN VON EINER FESTGESETZTEN ZEIT NICHT BEDINGTEN GEBOTEN SIND SOWOHL MÄNNER ALS AUCH FRAUEN VERPFLICHTET.

7ALLE VERBOTE ABER, EINERLEI OB VON EINER FESTGESETZTEN ZEIT BEDINGT ODER NICHT VON EINER FESTGESETZTEN ZEIT BEDINGT, GELTEN SOWOHL FÜR MÄNNER ALS AUCH FÜR FRAUEN, AUSGENOMMEN DAS VERBOT DES RUNDSCHERENS, DES ZERSTÖRENS UND DER VERUNREINIGUNG AN TOTEN.

8GEMARA. Was heißt: zu allen Geboten des Sohnes für den Vater; wollte man sagen, alle Gebote, die der Sohn für seinen Vater auszuüben verpflichtet ist, wieso sind Frauen davon frei!? Es wird je gelehrt: Jeder Mann, ich weiß dies nur von einem Manne, woher dies von einer Frau? Wenn es heißt: jeder Mann, Mutter und Vater sollt ihr fürchten, so sind darunter beide zu verstehen.

9R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: zu allen Geboten des Sohnes, die dem Sohne gegenüber dem Vater obliegen, sind Männer verpflichtet und Frauen davon frei.

10Die Mišna lehrt also das, was die Rabbanan gelehrt haben: Der Vater ist seinem Sohne gegenüber verpflichtet: ihn zu beschneiden, auszulösen, die Tora zu lehren, zu verheiraten und ein Handwerk zu lehren; manche sagen, auch schwimmen zu lehren. R. Jehuda sagte: Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn plündern. – Plündern, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, es ist ebenso als würde er ihn plündern lehren.

11«Beschneiden.» Woher dies? – Es heißt: Abraham beschnitt seinen Sohn Jiçḥaq. Hat der Vater ihn nicht beschnitten, so ist das Gericht ihn zu beschneiden verpflichtet, denn es heißt: beschnitten werden soll bei euch alles Männliche. Hat das Gericht ihn nicht beschnitten, so muß er selber sich beschneiden, denn es heißt: und der männliche Unbeschnittene, der das Fleisch seiner Vorhaut nicht beschneidet, soll ausgerottet werden. –

12Woher, daß sie dazu nicht verpflichtet ist? – Es heißt: wie der Herr ihm befohlen hatte, ihm und nicht ihr. –

13Wir wissen dies von damals, woher dies für die kommenden Generationen? – In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Überall, wo es ‘befehlen’ heißt, ist eine Anspornung für sofort und für die kommenden Generationen zu verstehen.

14Eine Anspornung, denn es heißt: befiehl Jehošua͑, ermutige ihn und stärke ihn; für sofort und für die kommenden Generationen, denn es heißt: von dem Tage an, da der Herr es befohlen hat, und weiterhin für all eure Generationen.

15«Auszulösen.» Woher dies? – Es heißt: jeden Erstgeborenen deiner Söhne sollst du auslösen. Hat sein Vater ihn nicht ausgelöst, so muß er selber sich auslösen, denn es heißt: auslösen werde ausgelöst. –

16Woher, daß sie dazu nicht verpflichtet ist? – Es heißt: auslösen werde ausgelöst; wer sich selbst auslösen muß, muß auch andere auslösen, und wer sich selbst nicht auslösen muß, braucht auch andere nicht auszulösen. –

17Woher, daß sie sich nicht auszulösen braucht? – Es heißt: auslösen werde ausgelöst; wen andere auslösen müssen, muß auch sich selbst auslösen, und wen andere nicht auslösen müssen, braucht auch sich selbst nicht auszulösen. – Woher, daß andere sie nicht auszulösen brauchen? – Es heißt: jeden Erstgeborenen deiner Söhne sollst du auslösen, deiner Söhne und nicht deiner Töchter.

18Die Rabbanan lehrten: Wenn er selbst auszulösen ist und sein Sohn auszulösen ist, so geht er seinem Sohne vor; R. Jehuda sagt, sein Sohn gehe ihm vor, denn für ihn selbst obliegt das Gebot seinem Vater, für seinen Sohn aber obliegt das Gebot ihm.

19R. Jirmeja sagte: Alle stimmen überein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.