Kidduschin — Blatt 30a
1so würde ich zum Satan gesagt haben: ein Pfeil in deine Augen! Raba sprach zu R. Nathan b. Ami: Solange noch deine Hand auf dem Halse deines Sohnes ruht; von sechzehn bis zweiundzwanzig,
2und manche sagen, von achtzehn bis vierundzwanzig. [Hierüber streiten] Tannaím. Erziehe den Knaben nach seiner Art. R. Jehuda und R. Neḥemja [streiten hierüber]; einer sagt von sechzehn bis zweiundzwanzig, und einer sagt, von achtzehn bis vierundzwanzig.
3Wie weit ist man seinen Sohn die Tora zu lehren verpflichtet? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Wie beispielsweise Zebulun, den Sohn Dans, den sein Vatersvater die Schrift, Mišna, Talmud, Halakha und Agada lehrte. Man wandte ein: Hat er ihn die Schrift gelehrt, so braucht er ihn nicht die Mišna zu lehren, und hierzu sagte Raba, unter Schrift sei die Tora zu verstehen!? –
4Wie Zebulun, den Sohn Dans, und nicht wie Zebulun, den Sohn Dans. Wie Zebulun, den Sohn Dans, den sein Vatersvater lehrte, und nicht wie Zebulun, den Sohn Dans, denn diesen lehrte er die Schrift, Mišna, Talmud, Halakha und Agada, während [die Pflicht] sich nur auf die Schrift erstreckt. –
5Ist der Großvater denn dazu verpflichtet, es wird ja gelehrt: Ihr sollt sie eure Söhne lehren, nicht aber die Söhne eurer Söhne. Wieso aber halte ich aufrecht [den Vers:] du sollst sie kund tun deinen Söhnen und den Söhnen deiner Söhne? Dies besagt dir, daß, wenn jemand seinen Sohn die Tora lehrt, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er sie ihn gelehrt, dessen Sohn und den Sohn des Sohnes, bis ans Ende aller Geschlechter. –
6Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: Ihr sollt sie eure Söhne lehren; ich weiß dies nur von Söhnen, woher dies von Söhnen der Söhne? Es heißt: du sollst sie kund tun deinen Söhnen und den Söhnen deiner Söhne. Weshalb heißt es demnach: eure Söhne? Eure Söhne und nicht eure Töchter.
7R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wer den Sohn seines Sohnes die Tora lehrt, dem rechnet die Schrift es an, als hätte er sie vom Berge Sinaj in Empfang genommen, denn es heißt: du sollst sie kund tun deinen Söhnen und den Söhnen deiner Söhne, und darauf folgt: den Tag, an dem du vor dem Herrn, deinem Gott, am Ḥoreb gestanden hast.
8Einst traf R. Ḥija b. Abba den R. Jehošua͑ b. Levi, der ein Tuch über den Kopf geworfen hatte und einen Knaben in die Schule führte; da sprach er zu ihm: Was soll dies!? Dieser erwiderte: Nicht gering ist das, was geschrieben steht: du sollst sie kund tun deinen Söhnen, und darauf folgt: den Tag, an dem du vor dem Herrn, deinem Gott, am Ḥoreb gestanden hast. Von da ab aß R. Ḥija b. Abba nicht eher seinen Morgenimbiß, als bis er einen Knaben in der Schrift unterrichtet und hinzugefügt hatte. Rabba b. R. Hona aß nicht eher seinen Morgenimbiß, als bis er einen Knaben in das Lehrhaus gebracht hatte.
9R. Saphra sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Ḥananja: Es heißt: Du sollst sie deinen Söhnen einschärfen; man lese nicht ‘einschärfen’, sondern ‘verdreifachen’.
10Man teile seine Jahre in drei Teile: ein Drittel [befasse man sich] mit der Schrift, ein Drittel mit der Mišna und ein Drittel mit dem Talmud. – Weiß man denn, wie lange man leben wird!? – Gemeint sind die [einzelnen] Tage.
11Die Alten heißen deshalb Sopherim, weil sie alle Buchstaben der Tora zählten. Sie sagten: das Vav im [Worte] gaḥon ist die Hälfte der Buchstaben der Tora; [die Worte] forschen forschte sind die Hälfte der Worte; [der Vers] er schere sich [ist die Hälfte] der Verse. Das A͑jin in jaa͑r [im Verse]: es frißt ihn ab das Schwein im Walde [jaa͑r], ist die Hälfte [des Buches] der Psalmen; [der Vers:] er ist barmherzig und vergibt die Sünde, ist die Hälfte der Verse.
12R. Joseph fragte: Gehört das Vav [im Worte] gaḥon zu der einen oder zu der anderen Hälfte? Sie erwiderten ihm: Hole man doch eine Torarolle und zähle nach. So sagte auch Rabba b. Bar Ḥana, daß sie von da nicht wichen, als bis sie eine Torarolle holten und sie zählten. Dieser entgegnete: Jene waren kundig in der defekten und vollen [Schreibweise der Worte], wir aber sind darin nicht kundig.
13R. Joseph fragte ferner: Gehört [der Vers] er schere sich zu der einen oder zu der anderen Hälfte? Abajje sprach zu ihm: Die Schriftverse können wir ja zählen. – Auch in den Schriftversen sind wir nicht kundig. Als R. Aḥa b. Ada kam, sagte er, daß sie im Westen folgenden Vers in drei Verse teilen: Der Herr sprach zu Moše: Siehe, ich komme zu dir in dichtem Gewölk.
14Die Rabbanan lehrten: Achttausendachthundertachtundachtzig Verse hat die Tora; acht mehr haben die Psalmen, acht weniger haben die Chronica.
15Die Rabbanan lehrten: Du sollst sie einschärfen, die Worte müssen in deinem Munde geschärft sein; wenn jemand dich etwas fragt, so sage es ihm nicht stotternd, sondern antworte ihm sofort, denn es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.