Kidduschin — Blatt 33b
1Ein Schriftgelehrter darf nur morgens und abends vor seinem Lehrer aufstehen, damit seine Ehrung nicht größer sei als die Ehrung des Himmels. Man wandte ein: R. Simon b. Elazar sagte: Woher, daß der Alte andere nicht belästigen dürfe? Es heißt: Alten, sollst fürchten.
2Weshalb sollte er es nicht, wenn nur morgens und abends, dies ist die Pflicht!? Wahrscheinlich den ganzen Tag. – Nein, tatsächlich nur morgens und abends, dennoch darf er, soweit möglich, andere nicht belästigen.
3R. Elea͑zar sagte: Ein Schriftgelehrter, der vor seinem Lehrer nicht aufsteht, heißt ein Frevler; er lebt nicht lange und sein Studium gerät in Vergessenheit. Es heißt: nicht gut gehen wird es dem Frevler, gleich dem Schatten wird er nicht lange leben, weil er nicht vor Gott fürchtet. Ich würde nicht gewußt haben, welche Furcht hier zu verstehen sei, wenn es aber heißt: du sollst vor deinem Gott fürchten, so ist hier die Furcht hinsichtlich des Aufstehens zu verstehen. –
4Vielleicht die Furcht hinsichtlich des Wuchers, oder die Furcht hinsichtlich der Gewichte!? – R. Elea͑zar folgert aus [dem Worte:] vor.
5Sie fragten: Muß der Sohn vor seinem Vater aufstehen, wenn er dessen Lehrer ist? – Komm und höre: Šemuél sagte zu R. Jehuda: Scharfsinniger, stehe vor deinem Vater auf. – Anders verhielt es sich bei R. Jeḥezqel, der ein Mann von Taten war, vor dem sogar Mar Šemuél aufzustehen pflegte. –
6Wozu brauchte er es ihm demnach zu sagen!? – Er sagte ihm folgendes: sollte es vorkommen, daß er hinter mir kommt, so stehe du vor ihm auf und achte nicht auf meine Ehrung.
7Sie fragten: Muß der Vater vor seinem Sohne aufstehen, wenn dieser sein Lehrer ist? – Komm und höre: R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Ich brauchte vor meinem Sohne nicht aufzustehen, jedoch [tu ich dies] wegen der Ehrung des Fürstenhauses.
8Nur aus dem Grunde, weil er dessen Lehrer war, wenn aber dieser sein Lehrer wäre, würde er vor ihm aufgestanden sein. – Er meint es wie folgt: ich brauchte vor meinem Sohne nicht aufzustehen, selbst wenn er mein Lehrer wäre, denn ich bin sein Vater, jedoch [tu ich dies] wegen der Ehrung des Fürstenhauses.
9Sie fragten: Gleicht das Reiten dem Gehen oder nicht? – Komm und höre: Wenn der Unreine unter dem Baume sitzt und der Reine steht, so ist er unrein,
10wenn der Unreine unter dem Baume steht und der Reine sitzt, so ist er rein, wenn aber der Unreine sich niedersetzt, so ist der Reine unrein.
11Dasselbe gilt auch von einem aussätzigen Steine. Hierzu sagte R. Naḥman b. Kahan, hieraus sei zu entnehmen, daß das Reiten dem Gehen gleiche. Schließe hieraus.
12Sie fragten: Muß man vor einer Torarolle aufstehen? R. Ḥilqija, R. Simon und R. Elea͑zar sagten: Es ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn man vor den sie Studierenden aufstehen muß, um wieviel mehr vor ihr selbst.
13Einst saßen R. Elea͑zar und R. Ja͑qob b. Zabhdi, und als R. Šimo͑n b. Abba an ihnen vorüberging, standen sie vor ihm auf. Da sprach er zu ihnen: Erstens seid ihr Gelehrte und ich nur Genosse, und zweitens sollte denn die Tora vor den sie Studierenden aufstehen!?
14Er ist der Ansicht R. Elea͑zars, denn R. Elea͑zar sagte, ein Schriftgelehrter dürfe, wenn er sich mit der Tora befaßt, vor seinem Lehrer nicht aufstehen. Abajje fluchte darüber.
15Sie schauten Moše nach, bis er zum Zelte kam. R. Ami und R. Jiçḥaq der Schmied [streiten hierüber]; einer sagt, zur Beschimpfung, und einer sagt, aus Hochachtung. Einer sagt, zur Beschimpfung, wie dies mitgeteilt wird, und einer sagt aus Hochachtung, denn Ḥizqija sagte im Namen
16R. Ḥananjas, des Sohnes R. Abahus, im Namen R. Abahus im Namen des R. Evdämi aus Ḥajpha: Wenn ein Gelehrter vorübergeht, stehe man vor ihm [in einer Entfernung] von vier Ellen auf, und wenn er vorüber ist, setze man sich nieder; wenn das Gerichtsoberhaupt vorübergeht, stehe man vor ihm auf, sobald man ihn erblickt, und wenn er vorüber ist, setze man sich nieder; wenn der Fürst vorübergeht, stehe man auf, sobald man ihn erblickt, und setze sich erst dann nieder, wenn dieser auf seinem Platze sitzt, denn es heißt: sie schauten Moše nach, bis er zum Zelte kam.
17ZU ALLEN VON EINER FESTGESETZTEN ZEIT BEDINGTEN GEBOTEN. Die Rabbanan lehrten: Von einer festgesetzten Zeit bedingte Gebote sind Festhütte, Feststrauß, Posaune, Çiçith und
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.