Kidduschin — Blatt 34a
1Tephillin.
2Von einer festgesetzten Zeit nicht bedingte Gebote sind Mezuza, Geländer, Fund[ablieferung] und Fliegenlassen des Nest[vogels]. –
3Ist dies denn eine stichhaltige Regel, das Ungesäuerte, die Festfreude und die Versammlung sind ja von einer festgesetzten Zeit bedingte Gebote, dennoch sind Frauen hierzu verpflichtet!? Ferner sind Studium der Tora, Fortpflanzung und die Auslösung des [erstgeborenen] Sohnes von einer festgesetzten Zeit nicht bedingte Gebote, dennoch sind Frauen davon frei!?
4R. Joḥanan erwiderte: Aus Regeln ist nichts zu entnehmen, selbst wenn es ‘ausgenommen’ heißt.
5Wir haben nämlich gelernt: Mit allem kann man einen E͑rub machen zur Vereinigung und zur Verbindung, ausgenommen Wasser und Salz. Gibt es denn weiter nichts mehr, es gibt ja noch Schwämme und Morcheln!? Vielmehr ist aus Regeln nichts zu entnehmen, selbst wenn es ‘ausgenommen’ heißt.
6Woher, daß Frauen frei sind von Geboten, die von einer festgesetzten Zeit bedingt sind? – Es ist von den Tephillin zu folgern: wie Frauen von den Tephillin frei sind, ebenso sind sie von allen von einer festgesetzten Zeit bedingten Geboten frei. Hinsichtlich der Tephillin ist es vom Studium der Tora zu folgern: wie Frauen vom Studium der Tora frei sind, ebenso sind Frauen von den Tephillin frei. –
7Sollte man doch die Tephillin mit der Mezuza vergleichen!? – Die Tephillin gleichen dem Studium der Tora sowohl im ersten Abschnitte als auch im zweiten Abschnitte, dagegen aber gleichen die Tephillin nicht der Mezuza im zweiten Abschnitte. –
8Sollte man doch die Mezuza mit dem Studium der Tora vergleichen!? – Dies ist nicht einleuchtend. Es heißt: damit sich mehren eure Tage; sollen denn nur Männer [lange] leben und Frauen nicht!? –
9Die Festhütte ist ja ein von einer festgesetzten Zeit bedingtes Gebot, denn es heißt: sieben Tage sollt ihr in Hütten sitzen, dennoch sind Frauen nur deshalb ausgeschlossen, weil der Allbarmherzige der Eingesessene geschrieben hat, sonst aber wären sie dazu verpflichtet!?
10Abajje erwiderte: Dies ist nötig; es heißt: in Hütten sollt ihr sitzen, und man könnte glauben, Sitzen gleich dem Wohnen, wie in der Wohnung Mann und Frau weilen, ebenso auch in der Festhütte Mann und Frau.
11Raba erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.