Kidduschin — Blatt 35b
1nur für den Mann, der zu den Geboten verpflichtet ist, nicht aber für die Frau. Und würde er es nur von diesem gelehrt haben, so könnte man glauben, der Allbarmherzige habe sie diesbezüglich geschont, weil es sich um die Einbüßung des Lebens handelt, nicht aber gelte dies von jenen beiden. Daher sind alle nötig.
2AUSGENOMMEN DAS VERBOT DES RUNDSCHERENS, DES ZERSTÖRENS &C. Erklärlich ist dies vom Verbote der Verunreinigung an Toten, denn es heißt: sprich zu den Priestern, den Söhnen Ahrons, den Söhnen Ahrons, nicht aber den Töchtern Ahrons; woher dies aber vom Verbote des Rundscherens und des Zerstörens? –
3Es heißt: ihr sollt den Rand eures Haupthaares nicht rundscheren und den Rand deines Bartes sollst du nicht zerstören; wer [dem Verbote] des Zerstörens unterworfen ist, ist auch dem des Rundscherens unterworfen, Frauen aber, die dem des Zerstörens nicht unterworfen sind, sind auch dem des Rundscherens nicht unterworfen. –
4Woher, daß sie dem des Zerstörens nicht unterworfen sind? – Wenn du willst, aus einem Vernunftgrunde: weil sie keinen Bart haben. Wenn du aber willst, aus einem Schriftverse: ihr sollt den Rand eures Haupthaares nicht rundscheren und den Rand deines Bartes sollst du nicht zerstören;
5die Schrift ändert die Redewendung, denn der Allbarmherzige sollte schreiben: den Rand eures Bartes, und es heißt: deines Bartes, nämlich deines Bartes, nicht aber des Bartes deiner Frau. –
6Etwa nicht, es wird ja gelehrt, wenn eine Frau oder ein Kastrat Barthaare bekommt, gelten diese in jeder Beziehung als Bart; wohl hinsichtlich des Zerstörens!?
7Abajje erwiderte: Du kannst nicht sagen, daß dies hinsichtlich des Zerstörens gelte, denn durch [das Wort] Rand, das auch bei den Söhnen Ahrons gebraucht wird, ist zu folgern, wie da Frauen davon befreit sind, ebenso sind auch hierbei Frauen davon befreit. –
8Sollte doch, wenn man annimmt, [die Worte] Söhne Ahrons beziehen sich auf den ganzen Abschnitt, die Schrift davon schweigen, und man würde es durch [einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere gefolgert haben: wenn es bei den Priestern, denen die Schrift mehr Gebote auferlegt hat, nur von den Söhnen Ahrons und nicht den Töchtern Ahrons gilt, um wieviel mehr bei Jisraéliten!? –
9Wenn nicht die Wortanalogie, könnte man glauben, das Thema sei zu trennen. –
10Auch jetzt kann man ja sagen, das Thema sei zu trennen, und die Wortanalogie sei für die folgende Lehre nötig!? Sollen sie nicht abscheren; man könnte glauben, man sei schuldig, wenn man ihn mit einer Schere abgenommen hat, so heißt es: sollst du nicht zerstören;
11man könnte nun glauben, man sei schuldig, wenn man ihn mit einer Zange oder Feile entfernt hat, so heißt es: sollen sie nicht abscheren; dies gilt von einem Scheren, wobei ein Zerstören erfolgt, mit einem Schermesser. –
12Es sollte doch heißen: den deines Bartes, wenn es aber den Rand deines Bartes heißt, so ist beides zu entnehmen. –
13In welcher Hinsicht wird demnach gelehrt, wenn eine Frau oder ein Kastrat Barthaare bekommt, gelten diese in jeder Beziehung als Bart!? – Hinsichtlich der Verunreinigung durch Aussatz. – Von der Verunreinigung durch Aussatz heißt es ja ausdrücklich:
14wenn bei einem Manne oder einer Frau ein Aussatz entsteht am Kopfe oder am Barte!? Vielmehr, erwiderte Mar Zuṭra: Hinsichtlich der Reinigung vom Aussatze. –
15Auch hinsichtlich der Reinigung vom Aussatze ist es ja selbstverständlich: wenn es bei der Unreinheit berücksichtigt wird, so gilt dies ja auch bei der Reinigung!? – Dies ist nötig; man könnte glauben, [der Schriftvers] sei zu teilen: wenn bei einem Manne oder einer Frau ein Aussatz entsteht am Kopfe, [und die Worte] oder am Barte beziehen sich nur auf den Mann, so lehrt er uns.
16Isi lehrte: Auch dem Verbote des Glatzenscherens sind Frauen nicht unterworfen. – Was ist der Grund Isis? – Er erklärt [den Schriftvers] wie folgt: Ihr seid Söhne des Herrn, eures Gottes, macht euch keine Ritzungen und scheret keine Glatze zwischen euren Augen um einen Toten, denn ein heiliges Volk bist du dem Herrn, deinem Gott; Söhne und nicht Töchter, nur hinsichtlich des Glatzenscherens. –
17Du sagst, nur hinsichtlich des Glatzenscherens, vielleicht ist dem nicht so, sondern auch hinsichtlich der Ritzungen!? – Wenn es heißt: denn ein heiliges Volk bist du dem Herrn, deinem Gott, so bezieht dies sich ja auf Ritzungen, somit ist [die Einschränkung:] Söhne, und nicht Töchter, auf das Glatzenscheren zu beziehen. –
18Was veranlaßt dich, Ritzungen einzuschließen und das Glatzenscheren auszuschließen!? – Ich schließe Ritzungen ein, die sowohl an haarigen Stellen als auch an haarlosen Stellen erfolgen können, und ich schließe das Glatzenscheren aus, das nur an haarigen Stellen erfolgen kann. –
19Vielleicht gilt dies von Söhnen und nicht von Töchtern sowohl hinsichtlich des Glatzenscherens als auch hinsichtlich der Ritzungen, und [die Worte]: denn ein heiliges Volk bist du dem Herrn, deinem Gott, beziehen sich auf Einschnitte!? – Isi ist der Ansicht,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.