Kidduschin — Blatt 36a
1Einschnitte und Ritzungen seien dasselbe.
2Abajje erklärte: Folgendes ist der Grund Isis: er folgert es durch [das Wort] Glatze, das auch bei den Söhnen Ahrons gebraucht wird; wie da Frauen frei sind, ebenso sind sie auch hierbei frei. –
3Sollte doch, wenn man annimmt, der Schriftvers beziehe sich auf den ganzen Abschnitt, die Schrift davon schweigen, und man würde es [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere gefolgert haben: wenn es bei Priestern, denen die Schrift mehr Gebote auferlegt hat, nur von den Söhnen Ahrons und nicht von den Töchtern Ahrons gilt, um wieviel mehr bei Jisraéliten!? –
4Wenn nicht die Wortanalogie, könnte man glauben, das Thema sei zu trennen. –
5Auch jetzt kann man ja sagen, das Thema sei zu trennen, und die Wortanalogie sei für die folgende Lehre nötig!? Sie sollen sich nicht glatt scheren; man könnte glauben, wer sich vier oder fünf Glatzen geschoren hat, sei nur einmal strafbar, so heißt es eine Glatze, wonach er wegen jeder besonders schuldig ist.
6An ihrem Kopfe, worauf deutet dies? Da es heißt: macht euch keine Ritzungen und scheret keine Glatze zwischen euren Augen um einen Toten, so könnte man glauben, man sei nur dann strafbar, wenn zwischen den Augen, woher, daß der ganze Kopf einbegriffen ist? Es heißt: an ihrem Kopfe, wonach es am ganzen Kopfe ebenso strafbar ist, wie zwischen den Augen.
7Ich weiß dies nur von Priestern, denen die Schrift mehr Gebote auf erlegt hat, woher dies von Jisraéliten? Hier heißt es Glatze und dort heißt es Glatze; wie man hierbei wegen jeder Glatze besonders, und dies am ganzen Kopfe wie zwischen den Augen strafbar ist, ebenso auch dort wegen jeder Glatze besonders, und am ganzen Kopfe wie zwischen den Augen;
8und wie dort um einen Toten, ebenso auch hierbei um einen Toten. – Die Schrift sollte gereḥ geschrieben haben, wenn es aber qorḥa heißt, so ist beides zu entnehmen.
9Raba erklärte: Folgendes ist der Grund Isis: er folgert es durch [die Worte] zwischen euren Augen, die auch bei den Tephillin gebraucht werden; wie da Frauen frei sind, ebenso sind auch hierbei Frauen frei. – Weshalb erklärt Raba nicht wie Abajje? – Ihm leuchtet [die Unterscheidung zwischen] qereḥ und qorḥa nicht ein. –
10Weshalb erklärt Abajje nicht wie Raba? Er kann dir erwidern: hieraus ist hinsichtlich der Tephillin selbst zu folgern: wie bei der Glatze die höchste Stelle des Kopfes zu verstehen ist, wo eine solche gemacht werden kann, ebenso ist die Stelle des Anlegens die höchste am Kopfe. –
11Wofür sind sowohl nach Abajje als auch nach Raba [die Warte:] ihr seid Söhne des Herrn, eures Gottes, zu verwenden? – Diese sind für folgende Lehre zu verwenden: Ihr seid Söhne des Herrn, eures Gottes, wenn ihr euch wie Söhne betragt, heißt ihr Söhne, wenn ihr euch nicht wie Söhne betragt, heißt ihr nicht Söhne – so R. Jehuda.
12R. Meír sagt, ob so oder so heißt ihr Söhne, denn es heißt: törichte Söhne sind sie; ferner: Söhne, in denen keine Treue ist; ferner: entartete Söhne; ferner: es wird geschehen, statt daß man sie Nichtmeinvolk nennt, wird man sie Söhne des lebendigen Gottes nennen. –
13Wozu das ‘ferner’? – Man könnte glauben, töricht heißen sie Söhne, ist aber in ihnen keine Treue, heißen sie nicht Söhne, so heißt es ferner: Söhne, denen keine Treue ist.
14Man könnte glauben, auch wenn in ihnen keine Treue ist, heißen sie Söhne, wenn sie aber Götzen dienen, heißen sie nicht Söhne, so heißt es ferner: Brut der Missetäter, entartete Söhne. Endlich könnte man glauben, sie heißen wohl entartete Söhne, nicht aber gute Söhne, so heißt es ferner: es wird geschehen, statt daß man sie Nichtmeinvolk nennt, wird man sie Söhne des lebendigen Gottes nennen.
15DAS STÜTZEN, DAS SCHWINGEN, DAS HERANBRINGEN, DAS ABHEBEN, DAS AUFRÄUCHERN, DAS ABKNEIFEN, DIE AUFNAHME UND DAS SPRENGEN ERFOLGT NUR DURCH MÄNNER UND NICHT DURCH FRAUEN, AUSGENOMMEN DAS SPEISOPFER DER EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN UND DER NEZIRA, BEI DENEN DIESE ZU SCHWINGEN HABEN.
16GEMARA. DAS STÜTZEN. Denn es heißt: sprich zu den Söhnen Jisraél &c. er stütze; die Söhne Jisraél stützen, nicht aber stützen die Töchter Jisraél.
17DAS SCHWINGEN. [Denn es heißt:] sprich zu den Söhnen Jisraél &c. er schwinge; die Söhne Jisraél schwingen, nicht aber schwingen die Töchter Jisraél.
18DAS HERANBRINGEN. Denn es heißt: dies ist das Gesetz des Speisopfers; die Söhne Ahrons sollen es darbringen; die Söhne Ahrons und nicht die Töchter Ahrons.
19DAS ABHEBEN. Denn es heißt: er bringe es zu den Söhnen Ahrons &c. und er hebe ab; die Söhne Ahrons heben ab and nicht die Töchter Ahrons.
20DAS AUFRÄUCHERN. Denn es heißt: die Söhne Ahrons sollen es aufräuchern; die Söhne Ahrons und nicht die Töchter Ahrons.
21DAS ABKNEIFEN. Denn es heißt: er kneife ab und er räuchere auf, womit das Abkneifen mit dem Aufräuchern verglichen wird.
22DIE AUFNAHME. Denn es heißt: die Söhne Ahrons sollen es heranbringen, und der Meister sagte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.