Kidduschin — Blatt 39a

1entweder bei beiden lehren: hinabsteigen und kaufen, oder bei beiden: hinabsteigen und einsammeln [lassen]!? – Šemuél sagte auch zu R. A͑nan: lies entweder bei beiden: hinabsteigen und kaufen, oder bei beiden: hinabsteigen und einsammeln [lassen]. Mar, der Sohn Rabanas, lehrte bei beiden erleichternd: hinabsteigen und einsammeln, jedoch nicht mit der Hand einsammeln.

2Levi sprach zu Šemuél: Arjokh, reich mir, und ich will sie essen. R. Ivja und Rabba b. R. Hanan reichten sie einander. Die Scharfsinnigen von Pumbeditha entschieden, das Gesetz vom Ungeweihten gelte außerhalb des Landes.

3Als R. Jehuda es R. Joḥanan mitteilte, ließ dieser ihm sagen: Laß das Zweifelhafte unentschieden und das Entschiedene vernichten. Erlasse über sie eine Bekanntmachung, und über ihre Früchte, daß sie zu verstecken seien. Wer da sagt, [das Gesetz] vom Ungeweihten gelte nicht außerhalb des Landes, wird keinen Nachkommen und keinen Enkel haben, [von dem es heißt:] der schnür zieht über ein Los im Erbbesitze Gottes. –

4Nach wessen Ansicht lehrten jene? – Nach der folgenden Lehre: R. Elea͑zar b. R. Jose sagte im Namen des R. Jose b. Durmaskith, der es im Namen R. Jose des Galiläers sagte, der es im Namen des R. Joḥanan b. Nuri sagte, der es im Namen R. Elie͑zer des Großen sagte: [Das Gesetz] vom Ungeweihten gilt nicht außerhalb des Landes. –

5Etwa nicht, wir haben ja gelernt: R. Elie͑zer sagt: auch das vom Neuen!? – Lies: das Neue.

6R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Vom Ungeweihten außerhalb des Landes ist es eine Moše am Sinaj überlieferte Halakha. R. Zera sprach zu R. Asi: Wir haben ja gelernt, das zweifelhafte Ungeweihte sei im Lande verboten, in Syrien erlaubt und außerhalb des Landes dürfe man hinabsteigen und einsammeln [lassen]!? Da stutzte er eine Weile und sprach dann zu ihm: Vielleicht lautet [die Halakha] wie folgt: das zweifelhafte ist erlaubt und das entschiedene ist verboten.

7R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Wegen der Mischfrucht ist nach der Tora zu geißeln. R. Elea͑zar sprach zu R. Asi: Wir haben ja gelernt, von der Mischfrucht sei es eine Bestimmung der Schriftkundigen!? – Das ist kein Einwand; das eine gilt von der Mischfrucht des Weinbergs und das andere von der Pfropfung von Bäumen.

8Dies nach Šemuél, denn Šemuél sagte: Meine Satzungen sollt ihr beobachten, die Satzungen, die ich dir bereits auf erlegt habe: Du sollst nicht zweierlei Arten des Viehs sich begatten lassen noch dein Feld mit zweierlei Arten besäen;

9wie beim Vieh nur die Begattung verboten ist, ebenso ist beim Felde nur das Pfropfen verboten, und wie das Gesetz hinsichtlich des Viehs sowohl im Lande als auch außerhalb des Landes gilt, ebenso gilt auch das Gesetz hinsichtlich des Feldes sowohl im Lande als auch außerhalb des Landes. –

10Es heißt ja aber dein Feld!? – Dies schließt Sämereien außerhalb des Landes aus.

11R. Ḥanan und R. A͑nan gingen auf dem Wege und sahen einen Mann verschiedene Sämereien mit einander säen. Da sprach dieser: Möge der Meister ihn in den Bann tun. Jener erwiderte: Ihr seid darin nicht bewandert.

12Hierauf sahen sie einen Weizen und Gerste zwischen Weinstocken säen. Da sprach dieser: Möge der Meister ihn in den Bann tun. Jener erwiderte: Ihr seid darin nicht kundig; entscheiden wir etwa nicht nach R. Jošija, welcher sagt, nur wenn er Weizen, Gerste und Weinbeerkerne mit einem Handwurfe gesäet hat!?

13R. Joseph vermengte Sämereien und säete sie. Da sprach Abajje zu ihm: Wir haben ja gelernt, [das Verbot] der Mischfrucht sei eine Bestimmung der Schriftkundigen!? Dieser erwiderte: Das ist kein Einwand; das eine gilt von der Mischfrucht des Weinbergs und das andere von der Mischung von Sämereien. Bei der Mischfrucht des Weinbergs, die im Lande zur Nutznießung verboten ist, haben die Rabbanan ein Verbot angeordnet, bei der Mischung von Sämereien aber, die auch im Lande nicht zur Nutznießung verboten sind, haben die Rabbanan kein Verbot angeordnet.

14Später sagte R. Joseph: Das, was ich gesagt habe, ist nichts. Rabh säete den Garten der Schule in gesonderten Beeten; doch wohl, um eine Mischung [zu vermeiden]. Abajje sprach zu ihm: Einleuchtend wäre dies,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.