Kidduschin — Blatt 40a

1kaiserliche Mohren bewachten mich die ganze Nacht. Sie sprachen dann zu ihm: Wahrscheinlich hattest du Gelegenheit zur Sünde und bist errettet worden, denn es wird gelehrt, wer Gelegenheit zur Sünde hatte und davon errettet worden ist, dem lasse man ein Wunder geschehen. Helden der Kraft, die seinen Willen tun, gehorchend auf die Stimme seines Wortes. Zum Beispiel R. Çadoq und seine Genossen.

2Einst forderte ihn eine Matrone [zur Sünde] auf. Da sprach er zu ihr: Das Herz ist mir schwach und ich kann nicht; ist etwas zum Essen da? Sie erwiderte: Es ist etwas Unreines da. Er entgegnete: Schadet nichts; wer dies tut, kann auch solches essen. Hierauf heizte sie den Ofen ein und setzte [die Speise] auf; da kroch er hinein und setzte sich da hin. Sie sprach: Was soll dies!? Er erwiderte: Wer dies tut, fällt da hinein. Da sprach sie: Hätte ich es gewußt, würde ich dich nicht so sehr gequält haben.

3R. Kahana verkaufte Körbe, und einmal forderte ihn eine Matrone [zur Sünde] auf. Da sprach er zu ihr: Ich will gehen und mich schmücken. Hierauf stieg er aufs Dach und stürzte sich auf die Erde hinab. Da kam Elijahu und fing ihn auf. Er sprach dann zu ihm: Du hast mich vierhundert Parasangen bemüht. Jener erwiderte: Was denn sonst als meine Armut hat dies verursacht!? Da gab er ihm ein Gefäß mit Denaren.

4Rami wies R. Naḥman auf einen Widerspruch hin: wir haben gelernt: von folgenden Dingen genießt der Mensch, wenn er sie tut, die Früchte auf dieser Welt, und der Stamm bleibt ihm für die zukünftige Welt erhalten, und zwar: Ehrung von Vater und Mutter, Liebeswerke, Friedensstiftung zwischen einem Menschen und dem anderen, und das Studium der Tora wiegt alles auf.

5Von der Ehrung von Vater und Mutter heißt es: damit da lange lebest und damit es dir wohl gehe. Von den Liebeswerken heißt es: wer nach Wohltat und Liebe jagt, wird Leben, Wohltat und Ehre finden.

6Von der Friedensstiftung heißt es: suche den Frieden und jage ihm nach, und hierzu sagte R. Abahu, man folgere es aus [dem Worte] jagen; hierbei heißt es: suche den Frieden und jage ihm nach, und dort heißt es: wer nach Wohltat und Liebe jagt. Vom Studium der Tora heißt es: denn es ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage.

7Auch beim Fliegenlassen des Nest[vogels] heißt es ja: damit es dir wohlgehe und du lange lebest, somit sollte er auch dies mitzählen!? – Manches lehrt er und manches läßt er fort. – Der Autor leint ‘folgende’, und du sagst, manches lehre er und manches lasse er fort!?

8Raba erwiderte: R. Idi erklärte es mir. [Es heißt:] saget dem Frommen, daß er gut ist, denn die Frucht ihrer Taten den sie genießen; gibt es denn einen guten Frommen und einen nicht guten Frommen? Vielmehr heißt er, wenn er gegen den Himmel und gegen Menschen gut ist, ein guter Frommer, und wenn er gegen den Himmel gut und gegen Menschen schlecht ist, ein nicht guter Frommer.

9Desgleichen heißt es: wehe dem Frevler, der böse ist, denn nach dem Verdienste seiner Hände wird ihm geschehen; gibt es denn einen bösen Frevler und einen nicht bösen Frevler? Vielmehr heißt er, wenn er gegen den Himmel und gegen Menschen böse ist, ein böser Frevler, und wenn er gegen den Himmel böse und gegen Menschen nicht böse ist, ein nicht böser Frevler.

10Das Verdienst hat einen Stamm und trägt Früchte, denn es heißt: saget dem Frommen, daß er gut &c. Die Sünde hat einen Stamm und trägt keine Früchte, denn es heißt: wehe dem Frevler, der böse &c.

11Wieso aber halte ich aufrecht [den Vers:] sie werden genießen die Frucht ihres Weges und an ihren Ratschlägen sich sättigen? Die Sünde, die Früchte bringt, trägt Früchte, und die keine Früchte bringt, trägt keine Früchte.

12Die gute Absicht rechnet der Heilige, gepriesen sei er, zur Tat, denn es heißt: damals besprachen sich die Gottesfürchtigen mit einander, und der Herr merkte auf und hörte, und es wurde für sie, die den Herrn fürchten und an seinen Namen denken, ein Gedenkbuch auf gezeichnet, und [die Worte:] die an seinen Namen denken, erklärte R. Asi, auch wenn ein Mensch ein Gebot auszuüben nur gedacht, aber verhindert worden ist und es nicht ausgeübt hat, rechne die Schrift es ihm an, als hätte er es ausgeübt.

13Die böse Absicht rechnet der Heilige, gepriesen sei er, nicht zur Tat, denn es heißt: hätte ich Unrecht in meinem Herzen, der Herr hörte es nicht. Wieso aber halte ich aufrecht [den Vers:] siehe, ich bringe diesem Volke Unglück, die Frucht ihrer Gedanken? Die Absicht, die zur Ausführung gelangt, rechnet der Heilige, gepriesen sei er, zur Tat, und die Absicht, die nicht zur Ausführung gelangt, rechnet der Heilige, gepriesen sei er, nicht zur Tat. –

14Es heißt ja aber: und das Haus Jisraél ans Herz zu ergreifen!? R. Aba b. Ja͑qob erwiderte: Dies gilt vom Götzendienste, denn der Meister sagte, der Götzendienst sei so streng, daß, wenn jemand ihn verleugnet, es ebenso sei, als würde er sich zur ganzen Tora bekennen.

15U͑la erwiderte: Dies ist nach R. Hona zu erklären, denn R. Hona sagte, wenn jemand eine Sünde begangen und sie wiederholt hat, werde sie ihm erlaubt. – Erlaubt, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, sie erscheint ihm erlaubt.

16R. Abahu sagte im Namen R. Ḥaninas: Lieber begehe der Mensch eine Sünde heimlich, als den Namen des Himmels öffentlich zu entweihen, denn es heißt: und ihr, Haus Jisraél, so spricht der Herr, geht hin und dient jeder seinem Götzen, da ihr auf mich doch nicht hören wollt, aber meinen heiligen Namen entweiht nicht.

17R. Ilea͑j sagte: Sieht jemand, daß der böse Trieb sich seiner bemächtigt, so gehe er nach einem Orte, wo man ihn nicht kennt, kleide sich schwarz, hülle sich schwarz und folge dem Triebe seines Herzens, aber er entweihe nicht den Namen des Himmels öffentlich. –

18Dem ist ja aber nicht so, es wird ja gelehrt, wer nicht die Ehre seines Schöpfers schont, für den wäre es besser, er wäre nicht auf die Welt gekommen, [und auf die Frage,] was dies sei, erklärte Rabba, wenn jemand den Regenbogen betrachtet, und R. Joseph erklärte, wenn jemand eine Sünde heimlich begeht!? –

19Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn er seinen Trieb bezwingen kann, und das andere, wenn er seinen Trieb nicht bezwingen kann.

20Dort haben wir gelernt: Bei der Entweihung des göttlichen Namens wird nichts geborgt, einerlei ob fahrlässig oder vorsätzlich. Was heißt: nichts geborgt? Mar Zuṭra erwiderte: Man verfährt hierbei nicht nach Art eines Krämers. Mar, der Sohn Rabanas, erklärte: Dies besagt, daß, wenn sie einander aufwiegen, dies den Ausschlag gebe.

21Die Rabbanan lehrten: Stets

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.