Kidduschin — Blatt 46b

1und es ist zu entnehmen, das Geld sei sonst zurückzugeben.

2Es wurde gelehrt: Wenn jemand sich seine Schwester angetraut hat, so ist das Geld, wie Rabh sagt, zurückzugeben, und wie Šemuél sagt, ein Geschenk. Rabh sagt, das Geld sei zurückzugeben, denn jeder weiß, daß die Antrauung bei einer Schwester nicht wirksam sei, und er gab es ihr als Depositum. – Sollte er ihr doch gesagt haben, er gebe es ihr als Depositum!? – Er dachte, sie werde es nicht nehmen.

3Šemuél sagt, das Geld sei ein Geschenk, denn jeder weiß, daß die Antrauung bei einer Schwester nicht wirksam sei, und er gab es ihr als Geschenk. – Sollte er ihr doch gesagt haben, er gebe es ihr als Geschenk!? – Er dachte, es werde ihr genant sein.

4Rabina wandte ein: Wenn jemand die Teighebe vom Mehl entrichtet hat, so ist dies keine Teighebe und Raub im Besitze des Priesters. Weshalb ist es Raub im Besitze des Priesters, man sollte doch sagen, jeder weiß, daß die Teighebe nicht vom Mehl zu entrichten sei, und er gab es ihm als Geschenk!? –

5Anders ist es da, weil es zu einem Verstoße kommen könnte. Es könnte vorkommen, daß der Priester, wenn er weniger als fünf Vierte[flog] Mehl hat, es mit diesem zusammen kneten, und im Glauben, der Teig sei zubereitet, es unverzehntet essen würde. –

6Du sagtest ja, man wisse, daß die Teighebe nicht vom Mehl zu entrichten sei!? – Man weiß und man weiß nicht man weiß, daß die Teighebe nicht vom Mehl zu entrichten sei, man weiß aber nicht den Grund, denn man glaubt, wegen der Mühe des Priesters, und der Priester hat darauf verzichtet. –

7Sollte es doch als Hebe gelten und nicht eher gegessen werden dürfen, als bis hierfür die Teighebe von anderer Stelle abgesondert worden ist!? Wir haben ja gelernt: Wenn von einem durchlochten für einen undurchlochten, so ist es Hebe und darf nicht eher gegessen werden, als bis hiervon die Hebe und der Zehnt von anderer Stelle entrichtet worden ist. –

8Bei zwei verschiedenen Gefäßen gehorcht er, bei einem Gefäße gehorcht er nicht.

9Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich gehorcht der Priester, nur könnte der Hausherr glauben, sein Teig sei zubereitet, und es unverzehntet essen. –

10Du sagtest ja, man wisse, daß die Teighebe nicht vom Mehl zu entrichten sei!? – Man weiß und man weiß nicht; man weiß, daß die Teighebe nicht vom Mehl zu entrichten sei, man weiß aber nicht dein Grund, denn man glaubt, wegen der Mühe des Priesters, und der Priester hat dies auf sich genommen. –

11Sollte diese Hebe sein und er sie wiederum entrichten!? Wir haben ja gelernt: Wenn von einem undurchlochten für einen durchlochten, so ist es Hebe und er entrichte sie wiederum. – Wir sagten ja, daß er bei zwei verschiedenen Gefäßen gehorche, nicht aber bei einem Gefäße. –

12Gehorcht er etwa nicht, wir haben ja gelernt, wenn jemand eine Gurke als Hebe absondert und sie bitter befunden wird, eine Melone, und sie faul befunden wird, sei die Hebe gültig und er entrichte sie wiederum!? – Anders verhält es sich da, wo die Hebe nach der Tora gültig ist.

13Dies nach R. Eléaj, denn R. Eléaj sagte: Woher, daß die Absonderung der Hebe von Schlechtem für das Gute gültig ist? Es heißt: ihr sollt seinethalben auf euch keine Sünde laden, wenn ihr das Beste davon abhebt, und wenn es nicht heilig wäre, könnte ja keine Sünde auf geladen werden. Hieraus, daß die Absonderung der Hebe von Schlechtem für das Gute gültig ist.

14Raba sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.