Kidduschin — Blatt 50b
1HAT, NICHT ANGETRAUT, DENN ER SCHICKTE SIE AUF GRUND DER VORANGEHENDEN ANTRAUUNG. EBENSO AUCH, WENN EIN MINDERJÄHRIGER SICH [EINE FRAU] ANGETRAUT HAT.
2GEMARA. Und [alle Fälle] sind nötig. Würde er es nur vom Werte einer Peruṭa gelehrt haben, so könnte man glauben, da er einen Geldbetrag ausgegeben hat, habe er sich geirrt; wenn es aber mit dem Werte unter einer Peruṭa erfolgt ist, habe er, da er weiß, daß mit dem Werte unter einer Peruṭa keine Antrauung erfolgen kann, die Brautgeschenke zur Antrauung geschickt.
3Und würde er nur diese beiden Fälle gelehrt haben, so könnte man glauben, weil die Leute zwischen einer Peruṭa und [dem Betrage] unter einer Peruṭa nicht unterscheiden, wenn aber ein Minderjähriger sich [eine Frau] angetraut hat, habe er, da jeder weiß, daß die Antrauung eines Minderjährigen nichtig sei, die Brautgeschenke zur Antrauung geschickt, so lehrt er uns.
4Es wurde gelehrt: R. Hona sagte, man berücksichtige Brautgeschenke, und ebenso sagte auch Rabba, man berücksichtige Brautgeschenke. Rabba sagte: Gegen diese Lehre wandten wir ein: So ist sie ihm, selbst wenn er ihnen nachher Brautgeschenke geschickt hat, nicht angetraut!? Abajje sprach zu ihm: Da wird auch der Grund angegeben: denn er schickte sie auf Grund der vorangehenden Antrauung.
5Manche lesen: Rabba sagte: Dies entnehme ich aus dem angegebenen Grunde: denn er schickte sie auf Grund der vorangegangenen Antrauung; da kann er sich geirrt haben, sonst aber gilt dies als Antrauung. —
6Und Abajje!? — Dies ist selbstverständlich; selbstverständlich ist dies von anderen Fällen, wo eine Antrauung überhaupt nicht erfolgt ist, hierbei aber, wo eine Antrauung erfolgt ist, könnte man glauben, sie sei gültig, so lehrt er uns. —
7Wie bleibt es damit? R. Papa erwiderte: In Orten, wo man zuerst die Antrauung vollzieht und nachher Brautgeschenke schickt, berücksichtige man, und wo man zuerst Brautgeschenke schickt und nachher die Antrauung vollzieht, berücksichtige man nicht. —
8Wenn man zuerst die Antrauung vollzieht und nachher Brautgeschenke schickt, ist es ja selbstverständlich!? — In dem Falle, wenn die meisten zuerst die Antrauung vollziehen und nachher Brautgeschenke schicken und wenige zuerst Brautgeschenke schicken und nachher die Antrauung vollziehen; man könnte glauben, man berücksichtige die Minderheit, so lehrt er uns.
9R. Aḥa b. Hona fragte Raba: Wie ist es, wenn ihre Urkunde über die Morgengabe auf der Straße bekannt ist? Dieser erwiderte: Sollten wir sie denn, weil ihre Urkunde über die Morgengabe auf der Straße bekannt ist, für eine Ehefrau halten!? — Wie bleibt es damit? R. Aši erwiderte: In Orten, wo man zuerst die Antrauung vollzieht und nachher die Urkunde über die Morgengabe schreibt, berücksichtige man es, und wo man sie zuerst schreibt und nachher die Antrauung vollzieht, berücksichtige man es nicht. —
10Wenn man zuerst die Antrauung vollzieht und nachher schreibt, ist es ja selbstverständlich!? — In dem Falle, wenn da ein Schreiber selten zu treffen ist; man könnte glauben, er habe gerade einen Schreiber getroffen, so lehrt er uns.
11WENN JEMAND SICH EINE FRAU UND IHRE TOCHTER ODER EINE FRAU UND IHRE SCHWESTER GLEICHZEITIG ANTRAUT, SO SIND SIE IHM NICHT ANGETRAUT. EINST EREIGNETE SICH EIN FALL MIT FÜNF FRAUEN, UNTER DENEN ZWEI SCHWESTERN WAREN, DASS JEMAND EINEN KORB FEIGEN SAMMELTE, SIE GEHÖRTEN IHNEN UND WAREN VOM SIEBENTJAHRE, UND ZU IHNEN SPRACH: SEID MIR ALLE MIT DIESEM KORBE ANGETRAUT, WORAUF EINE VON IHNEN IHN FÜR ALLE IN EMPFANG NAHM; HIERAUF ENTSCHIEDEN DIE WEISEN, DIE SCHWESTERN SEIEN NICHT ANGETRAUT.
12GEMARA. Woher dies? R. Ami b. Ḥama erwiderte: Die Schrift sagt: und eine Frau zu ihrer Schwester sollst du nicht nehmen, sie zur Nebenbuhlerin zu machen; die Tora sagt damit, daß, wenn sie einander Nebenbuhlerinnen werden, das Nehmen auch bei einer von ihnen nicht erfolge. Raba sprach zu ihm: Es heißt: so sollen die Personen, die dies tun, aus der Mitte ihres Volkes ausgerottet werden; wieso hat er sich, wenn die Antrauung sie nicht erfaßt, der Ausrottung schuldig gemacht!?
13Vielmehr, erwiderte Raba, spricht die Schrift von dem Falle, wenn es nach einander erfolgt, und unsere Mišna ist nach Rabba zu erklären, denn Rabba sagte, was nach einander nicht gilt, gelte auch gleichzeitig nicht.
14Der Text. Rabba sagte: Was nach einander nicht gilt, gilt auch gleichzeitig nicht. Abajje wandte gegen ihn ein:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.