Kidduschin — Blatt 51a

1Wenn jemand den Zehnten zu hoch absondert, so sind die Früchte zubereitet und der Zehnt unbrauchbar. Weshalb denn, man sollte doch sagen, was nach einander nicht gilt, gelte auch gleichzeitig nicht!?

2Dieser erwiderte: Anders verhält es sich heim Zehnten, wobei eine Teilung möglich ist, denn wenn er sagt, die Hälfte eines jeden Weizenkornes sei heilig, ist sie heilig. —

3Beim Viehzehnten ist ja eine Teilung nicht möglich, auch nicht nach einander, dennoch sagte Raba, wenn beim zehnten zwei zusammen herauskommen und er ‘zehn’ ruft, seien das zehnte und das elfte mit einander vermischt!? —

4Anders verhält es sich beim Viehzehnten, der bei einem Irrtum gültig ist, denn wir haben gelernt, wenn man das neunte als zehntes, das zehnte als neuntes und das elfte als zehntes bezeichnet hat, seien alle drei heilig. —

5Das Dankopfer ist ja bei einem Irrtum ungültig, auch nicht nach einander, dennoch wurde gelehrt, wenn ein Dankopfer zu achtzig Broten geschlachtet worden ist, seien vierzig von den achtzig. wie Ḥizqija sagt, heilig, und wie R. Joḥanan sagt, nicht heilig!? —

6Hierzu wurde ja gelehrt: R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Alle stimmen überein, daß, wenn er gesagt hat, vierzig von den achtzig mögen heilig sein, sie heilig seien, und wenn: die vierzig mögen nur dann heilig sein, wenn alle achtzig heilig sind, sie nicht heilig seien;

7sie streiten nur über den Fall, wenn er nichts gesagt hat. Einer ist der Ansicht, er tat dies zur Sicherheit, und einer ist der Ansicht, er wollte ein großes Opfer darbringen. —

8Wozu braucht Raba [die Mišna] nach Rabba zu erklären, es genügt ja der Umstand, daß es eine Antrauung ist, die nicht zum Beischlafe führt!? —

9Er erklärte es nach Rami b. Ḥama.

10Es wurde gelehrt: Die Antrauung, die nicht zum Beischlafe führt, gilt wie Abajje sagt, als Antrauung, und wie Raba sagt, nicht als Antrauung. Raba sagte: Bar Ahina erklärte es mir: wenn jemand eine Frau nimmt und sie beschläft; die Antrauung, die zum Beischlafe führt, gilt als Antrauung, und die Antrauung, die nicht zum Beischlafe führt, gilt nicht als Antrauung. —

11Wir haben gelernt: wenn jemand sich eine Frau und ihre Tochter oder eine Frau und ihre Schwester gleichzeitig antraut, so sind sie ihm nicht angetraut. Demnach ist, wenn eine von Frau und Tochter oder eine von Frau und Schwester, sie ihm angetraut; weshalb denn, es ist ja eine Antrauung, die nicht zum Beischlafe führt!? Dies ist eine Widerlegung Rabas. —

12Raba kann dir erwidern: wie ist nach deiner Auffassung der Schlußsatz zu erklären: einst ereignete sich ein Fall mit fünf Frauen, unter denen zwei Schwestern waren, daß jemand einen Korb Feigen sammelte, sie gehörten ihnen und waren vom Siebentjahre, und zu ihnen sprach: seid mir alle mit diesem Korbe angetraut; hierauf entschieden die Weisen, die Schwestern seien nicht angetraut. Nur die Schwestern nicht, wohl aber die Fremden.

13In welchem Falle: sagte er zu ihnen: es sei euch allen zugeeignet, so ist es ja ebenso als würde jemand ‘du und der Esel’ sagen, und wenn jemand ‘du und der Esel’ sagt, so hat [der Empfänger] nichts geeignet;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.