Kidduschin — Blatt 72b

1der heute im Schoße Abrahams sitzt. Heute ist R. Jehuda in Babylonien geboren worden.

2Der Meister sagte nämlich: Als R. A͑qiba starb, wurde Rabbi geboren, als Rabbi starb, wurde R. Jehuda geboren, als R. Jehuda starb, wurde Raba geboren, und als Raba starb, wurde R. Aši geboren. Dies lehrt dich, daß ein Frommer nicht eher aus der Welt scheidet, als bis ein anderer Frommer seinesgleichen geboren wird, wie es heißt: die Sonne geht auf und die Sonne geht unter. Bevor die Sonne E͑lis untergegangen war, ging die Sonne Šemuéls aus Rama auf, wie es heißt: und die Leuchte Gottes war noch nicht erloschen und Šemuél lag &c.

3Entboten hat der Herr gegen Ja͑qob seine Widersacher ringsherum. R. Jehuda sagte: Wie Humania um Pum Nahara.

4Und es geschah, wie ich weissagte, da starb Pelaṭjahu, der Sohn Benajahus; da fiel ich auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach: Ach, Herr, o Gott. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, zum Guten, und einer sagt, zum Bösen. Einer sagt zum Guten. Der Statthalter von Mesan, der ein Schwiegersohn Nebukhadneçars war, ließ ihm sagen: Von all den Gefangenen, die du dir geholt hast, schicktest du uns keinen, der vor uns Dienst tun könnte!

5Hierauf wollte er ihm welche von Jisraél schicken, da sprach Pelaṭjahu, der Sohn Benajahus, zu ihm: Wir Vornehmen wollen bei dir bleiben und die Sklaven mögen da hingehen. Dieserhalb sprach der Prophet: Wer Jisraél dieses Gute erwiesen hat, sollte im halben Lebensalter sterben!?

6Einer sagt, zum Bösen. Es heißt: und er brachte mich an das östliche Tor des Hauses des Herrn, das nach Osten gewandt ist; und siehe, am Eingange des Tores waren fünfundzwanzig Männer und ich sah unter ihnen Jaázanja, den Sohn A͑zurs, und Pelaṭjahu, den Sohn Benajahus, die Fürsten des Volkes. Ferner heißt es: und er brachte mich in den inneren Hof des Hauses des Herrn; und siehe, am Eingange zum Tempel des Herrn, zwischen der Vorhalle und dem Altar, waren gegen fünfundzwanzig Männer, ihr Rücken gegen den Tempel des Herrn und ihr Gesicht gegen Osten.

7Wenn es heißt: ihr Gesicht gegen Osten, so weiß ich ja, daß ihr Rücken gegen Westen war, wozu heißt es: ihr Rücken gegen den Tempel des Herrn? Dies lehrt, daß sie sich entblößten und gegen oben gewendet exkrementierten. Dieserhalb sprach der Prophet: Wer diesen Frevel in Jisraél getan hat, sollte in seinem Bette sterben!?

8Es ist zu beweisen, daß Šemuél es ist, der zum Bösen sagt. R. Ḥija b. Abin sagte nämlich im Namen Šemuéls: Moskani gleicht hinsichtlich der Legitimität der Diaspora; bei Mesan hat man weder Knechtschaft noch Hurenkindschaft befürchtet, nur achteten die Priester daselbst nicht auf [das Verbot der] Geschiedenen. –

9Tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist es Šemuél, der zum Guten sagt, denn er vertritt hierbei seine Ansicht. Er sagte nämlich: Wenn jemand seinen Sklaven preisgibt, so ist er frei und benötigt keines Freilassungsbriefes. Es heißt: und jeder Sklave eines Mannes, um Geld gekauft; etwa nur der Sklave eines Mannes und nicht der Sklave einer Frau? Vielmehr, ein Sklave, über den sein Herr Gewalt hat, heißt Sklave, ein Sklave, über den sein Herr keine Gewalt hat, heißt nicht Sklave.

10R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies ist die Ansicht R. Meírs, die Weisen aber sagen, alle Länder befinden sich im Zustande der Makellosigkeit.

11Amemar erlaubte R. Hona b. Nathan eine Frau aus Ḥozäa zu nehmen. Da sprach R. Aši zu ihm: Du stützest dich wohl auf die Lehre R. Jehudas im Namen Šemuéls, daß dies die Ansicht R. Meírs sei, während die Weisen der Ansicht sind, alle Länder befänden sich im Zustande der Makellosigkeit; aber in der Schule R. Kahanas lehrten sie nicht so, auch in der Schule R. Papas lehrten sie nicht so, und auch in der Schule R. Zebids lehrten sie nicht so. Dennoch erkannte er dies nicht an, weil er es von R. Zebid aus Nehardea͑ hörte.

12Die Rabbanan lehrten: Hurenkinder und Nethinim werden in der zukünftigen Welt rein sein – so R. Jose; R. Meír sagt, sie werden nicht rein sein. R. Jose sprach zu ihm: Es heißt ja: ich werde auf euch reines Wasser sprengen und ihr werdet rein sein!? R. Meír erwiderte ihm: Wenn es heißt: von all euren Unreinheiten und all euren Götzen, so schließt dies die Hurenkindschaft aus. R. Jose entgegnete: Wenn es weiter heißt: werde ich euch reinigen, so schließt dies auch die Hurenkindschaft ein. –

13Erklärlich ist nach R. Meír der Schriftvers: ein Hurenkind wird in Ašdod wohnen, wieso aber heißt es nach R. Jose: ein Hurenkind wird in Ašdod wohnen!? – Nach der Paraphrase R. Josephs: Die Jisraéliten werden in Sicherheit in ihrem Lande wohnen, in dem sie als Fremdlinge galten.

14R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Jose. R. Joseph sagte: Wenn R. Jehuda nicht gesagt hätte, die Halakha sei wie R. Jose, würde Elijahu gekommen sein und aus uns ganze Scharen entfernt haben.

15Die Rabbanan lehrten: Ein Proselyt darf ein Hurenkind heiraten und das Kind ist ein Hurenkind – so R. Jose; R. Jehuda sagt, ein Proselyt dürfe kein Hurenkind heiraten. Sowohl einem Proselyten als auch einem freigelassenen Sklaven als auch einem Entweihten ist eine Priesterstochter erlaubt. Was ist der Grund R. Joses? – Es heißt fünfmal Gemeinde,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.