Kidduschin — Blatt 75b

1und R. Jišma͑él sei der Ansicht R. A͑qibas. R. Elea͑zar ist der Ansicht R. Jišma͑éls, welcher sagt, die Samaritaner seien Löwenproselyten, und R. Jišma͑él ist der Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, wenn ein Nichtjude oder ein Sklave eine Jisraélitin beschlafen hat, sei das Kind ein Hurenkind. –

2Ist denn R. Jišma͑él der Ansicht R. A͑qibas, R. Joḥanan sagte ja im Namen R. Jišma͑éls: Woher, daß, wenn ein Nichtjude oder ein Sklave eine Priesterstochter, eine Levitin oder eine Jisraélitin beschlafen hat, er sie bemakelt habe? Es heißt: wenn die Tochter eines Priesters verwitwet oder geschieden wird und keine Kinder hat,

3nur von einem, bei dem es Witwenschaft und Scheidung gibt, ausgenommen ein Nichtjude und ein Sklave, bei denen es keine Witwenschaft und keine Scheidung gibt.

4Wenn man nun sagen wollte, er sei der Ansicht R. A͑qibas, so ist ja sogar [das Kind] ein Hurenkind, und selbstverständlich, daß er sie durch den Beischlaf bemakle!? –

5Vielmehr, R. Elea͑zar ist der Ansicht R. Jišma͑éls, welcher sagt, die Samaritaner seien Löwenproselyten, und er ist der Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, wenn ein Nichtjude oder ein Sklave eine Jisraélitin beschlafen hat, sei das Kind ein Hurenkind. –

6Ist denn R. Elea͑zar der Ansicht R. A͑qibas, R. Elea͑zar sagte ja, obgleich die Schule Šammajs und die Schule Hillels über die Nebenbuhlerinnen streiten, so stimmen sie überein, daß [das Kind] nur dann ein Hurenkind sei, wenn [der Beischlaf] ein Inzestverbot und mit der Ausrottung belegt ist!? –

7Vielmehr, als Rabin kam, sagte er im Namen des R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans, und wie manche sagen, im Namen des R. Abba b. Zabhda im Namen R. Ḥaninas, und wie manche sagen, im Namen des R. Ja͑qob b. Idi im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi, hierüber bestehen drei verschiedene Ansichten.

8R. Jišma͑él ist der Ansicht, die Samaritaner seien Löwenproselyten, und die Priester, die sich mit ihnen vermischt haben, waren bemakelte Priester. Es heißt nämlich: und sie machten aus einem Teile unter ihnen Priester der Anhöhen, und Rabba b. Bar Ḥana erklärte im Namen R. Joḥanans, aus den Dornen des Volkes, und sie gelten deshalb als bemakelt.

9R. A͑qiba ist der Ansicht, die Samaritaner seien wahrhafte Proselyten, und die Priester, die sich mit ihnen vermischt haben, waren unbemakelt. Es heißt nämlich: und sie machten aus einem Teile von ihnen Priester der Anhöhen, und Rabba b. Bar Ḥana erklärte im Namen R. Joḥanans, von den Auserwählten des Volkes. – Weshalb hat man sie demnach verboten? – Weil sie an den Verlobten die Schwagerehe vollzogen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.